Zum Inhalt springen

BLKÖ:Triebelnigg, Gregor

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
korrigiert
Nächster>>>
Triebensee, Joseph
Band: 47 (1883), ab Seite: 191. (Quelle)
[[| bei Wikisource]]
in der Wikipedia
Gregor Triebelnigg in Wikidata
GND-Eintrag: [1], SeeAlso
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Linkvorlage für Wikipedia 
* {{BLKÖ|Triebelnigg, Gregor|47|191|}}

Triebelnigg, Gregor (Reisender, geb. zu Teichel, einem Pfarrorte in einem Seitenthale der Möll im Villacher Kreise Kärnthens 1788, Todesjahr unbekannt). Der Sohn armer Bauern – Keischler, wie mau sie dort zu Lande nennt – hütete er in den abgelegenen Gebirgsschluchten der Heimat die Schafe seiner Eltern, bis ihm in seinem zwölften Jahre, 1800, das Unglück widerfuhr, auf jenen steilen Weideplätzen eines der Thiere zu verlieren. Die Strenge seines Vaters fürchtend, entwich er über das Gebirge, kam nach Lienz im Pusterthale Tirols und von da weiter nach Triest, überall sich durchbettelnd. In letzterer Stadt fand er auf dem Schiffe eines holländischen Kauffahrers Aufnahme als Schiffsjunge. Und nun begann das ewig wechselnde Seeleben von Land zu Land, von Hafen zu Hafen. Er lernte auf den ununterbrochenen Fahrten die meisten Seehäfen des mittelländischen und atlantischen Meeres kennen, kam auch nach Westindien und zu wiederholten Malen auf die holländischen Colonien Surinam und Essequebo. Erst als Schiffsjunge holte er das im elterlichen Hause Versäumte nach und lernte lesen und schreiben, allmälig aber erlangte er auch wichtigere, für den Seemann unentbehrliche Kenntnisse, welche ihn dann ebenso zu einer höheren Stellung im Seedienste tauglich machten, als sie ihn in die Lage versetzten, sich durch eigene Speculationen ein bedeutendes Vermögen zu erwerben. Während er nun in dieser Zeit seine Muttersprache nahezu verlernt hatte, sprach er fertig italienisch, französisch, englisch, vornehmlich gut aber holländisch. Zu Anfang [192] der Dreißiger-Jahre, nach mehr als dreißigjähriger Abwesenheit, trieb ihn die Sehnsucht in seine Heimat, und er reiste aus Amsterdam, wo er einstweilen sich seßhaft gemalt hatte, dahin ab. Den längst Verschollenen und allgemein Todtgeglaubten kannte Niemand mehr. Seinen Vater traf er noch am Leben, aber nicht in seinem Geburtsorte Teichel, sondern zu Ober-Vellach im Möllthale, wo sich derselbe eine Hube gekauft hatte. Drei Monate verweilte er im Kreise seiner Angehörigen, die er reichlich beschenkte, und kehrte dann nach Amsterdam zurück, wo er, nachdem er den Seedienst verlassen, in die Dienste der königlich holländischen Schiffbau-Inspection trat. Weitere Nachrichten über den vielgereisten Selfmade man fehlen.

Oesterreichische National-Encyklopädie von Gräffer und Czikann (Wien 1837, 8°.) Bd. VI, Supplement, S. 612.