Zum Inhalt springen

BLKÖ:Travniček, Joseph

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
korrigiert
<<<Vorheriger
Traversi, Anton Maria
Nächster>>>
Travnicsek, Hubert
Band: 47 (1883), ab Seite: 87. (Quelle)
[[| bei Wikisource]]
in der Wikipedia
Joseph Travniček in Wikidata
GND-Eintrag: [1], SeeAlso
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Linkvorlage für Wikipedia 
* {{BLKÖ|Travniček, Joseph|47|87|}}

Travniček, Joseph (Chirurg, geb. zu Gaya in Mähren am 18. März 1779, gest. zu Wischau am 18. November 1860). Joseph, dessen Vater Johann zu Gaya ein Wirthshaus hielt, zeigte früh Anlagen zum Studium. Nachdem er auf dem Gymnasium zu Olmütz sechs Grammaticalclassen durchlaufen hatte, widmete er sich, 19 Jahre alt, der Chirurgie und trat nach vierjährigem mit bestem Erfolge beendeten Curs in ein Freiwilligencorps, das in Italien stationirte. 1805 ließ er sich zu Wischau als praktischer Arzt nieder. Als solcher, namentlich als Chirurg und Ophthalmolog, erwarb er sich bald einen Namen, der weit über die Grenzen seines Wohnortes reichte. Er vollführte Heilungen, Amputationen und Operationen der schwierigsten Art. Im eigenen Hause und als in demselben der Platz nicht reichte, in Privathäusern hielt er operirte Kranke in Behandlung und Pflege. Besonderen Erfolg und Ruf erzielte er, als ihm an dem Herzog von Arenberg, welchen bereits die Universitäten in Wien, Paris und Brüssel aufgegeben hatten, die Amputation des rechten Fußes gelang. Er wurde vom Herzog dafür mit einem Honorar von 2000 fl. C. M. und einer lebenslänglichen Jahrespension von 400 fl. C. M. belohnt. Glücklich vollführte er nicht weniger denn 900 Steinschnitte und zahlreiche Staaroperationen. Der berühmte Quarin [Bd. XXIV, S. 136], welcher den geschickten Operateur kennen und bewundern gelernt hatte, verehrte ihm zum Andenken einen kostbaren Ring und schrieb unter Anderem an ihn: „Geliebter Freund, wenn Wünsche auf der Welt zu realisiren wären, so wünschte ich Ihnen Unsterblichkeit, daß Sie fortwährend unter der Menschheit wirken könnten“. Durch J. Peter Frank [Bd. IV, S. 320] [88] erhielt Travniček einen Ruf an die Universität Kiew in Rußland, den er jedoch ablehnte. Sehr zu bedauern ist, daß er kein Verzeichniß seiner merkwürdigsten Operationen, die freilich sehr zahlreich sind, hinterlassen hat. Er ging an dieselben mit einer Zuversicht ohne Gleichen und bestimmte immer genau die Zeit der Heilung. Geschrieben hat er nur ein paar Werkchen: „Neue Entdeckung eines wirksam erregenden Heilmittels in asthenischen Krankheiten und die damit angestellten glücklichen Versuche. Als Beitrag zur neueren Heilkunde“ (Brünn [Wien, Klang] 1811, 8°.) – und „Ueber die Natur und Heilung des Nasenkatarrhs oder Schnupfens, nebst Bemerkungen über alle Krankheiten, welche so oft ihr Entstehen aus diesem geringscheinenden Uebel nehmen. Eine warnende Rüge für Aerzte und Nichtärzte wider die den dieser Krankheit bestehenden gefährlichen Vorurtheile. Nebst einem Anhang, die Wirkungen der antisyphilitischen Besnardischen Tinktur und die Bongardischen Widerlegungen derselben betreffend“, erste und zweite Abtheilung (Brünn 1812, Gastl, 8°.). Neben seinem Berufe, der ihn doch so sehr in Anspruch nahm, fand er noch immer Zeit, dem Gemeinwesen Aufmerksamkeit zu schenken und sich zum Frommen desselben auch andere Lasten aufzubürden. So nahm er, als er 1816 in Wischau zum Bürgermeister gewählt wurde, dieses beschwerliche Amt an und versah es durch sechzehn Jahre, bis 1832. In einem ihm gewidmeten Nachrufe heißt es wörtlich: „Die Doctoren und Aerzte, welche ihn kannten, müssen eingestehen, daß er sozusagen Wunder wirkte und daß er einer der berühmtesten Aerzte war. Er genoß unter dem Volke so eine Ehre, daß man ihn wie einen von Gott Gesandten hielt. Die Kranken, welche er behandelte, hatten zu ihm große Zuversicht in der sicheren Hoffnung, daß sie wieder die gewünschte Gesundheit erlangen werden“. Travniček starb im 81. Jahre an Altersschwäche, nachdem ihm seine Frau ein paar Jahre früher im Tode vorangegangen war. Er liegt in dem etwa drei Viertelstunden von Wischau entfernten Dorfe Drnowitz begraben.

Moravia (Brünner Unterhaltungsblatt, 4°.) 13. März 1815, Nr. 43, S. 166, im Artikel: „Literarische Mittheilung von J. J. H. Czikann.