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BLKÖ:Toman, Josephine

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Toman, Lovro
Band: 44 (1882), ab Seite: 243. (Quelle)
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Toman, Josephine (slovenische Dichterin, geb. zu Thurn unter Neuburg in Oberkrain am 9. Juli 1833, gest. zu Gratz am 1. Juli 1854). Eine geborene Urbančic. Acht Jahre alt, verlor sie ihren Vater und wurde nun unter der unmittelbaren Leitung der Mutter von tüchtigen Lehrern gebildet. Ihrer Liebe zu der an großartigen Schönheiten reichen Alpennatur gesellte sich ein mächtiger Wissensdrang hinzu, der sich nicht auf gewöhnliche weibliche Studien beschränkte, sondern weiter ausgriff und Geschichte, Erdkunde, Naturwissenschaften, Mathematik und neben modernen Sprayen auch die classischen in den Bereich ihres Bildungstriebes schloß. In einer Mittheilung, die ihr nachmaliger Gatte Lovro Toman [siehe den Folgenden] [244] zu einer Zeit (1855) an mich gerichtet, als der Name desselben in der politischen Welt noch unbekannt war, steht wörtlich: „Mit ausgezeichneten Geisteskräften von Natur aus gesegnet, drang sie mit bewunderungswürdiger Ausdauer, selbstständigem Fortschreiten, regster Wißbegierde weiter immer weiter auf der Bahn ihrer Ausbildung, bis sie sich Kenntnisse sammelte, welche sie nicht nur unter den Ausgezeichneten ihres Geschlechts, sondern auch unter ernststrebenden Männern in die vorderen Reihen zu stellen vermochten. Geist und Herz, Vernunft und Verstand, Einbildungskraft und Gedächtniß, alle ursprünglich kräftig, erhielten allseitig ebenmäßige Entwicklung. Wahrheit und Klarheit war ihr Ausdruck. So wuchs sie heran an der Hand ihrer Mutter, der sie die beste Tochter, und an der Seite zweier jüngerer Brüder, denen sie die besorgteste Schwester war, abseits der rauschenden, Geist und Herz zersetzenden Welt im Schooße der Natur“. Mit großem Eifer betrieb sie auch das Studium der slavischen Idiome, vor allen jenes ihrer Muttersprache, der slovenischen. Mit ihren angeborenen, trefflich geschulten geistigen Vorzügen verband sie eine edle, fesselnde äußere Erscheinung, und so lernte sie, siebzehn Jahre alt, im Sommer 1850 den Advocaten Lovro Toman kennen, der sie am 22. September 1853 zum Altar führte. Nur kurze Zeit dauerte dieses Eheglück. Am 20. Mai 1854 überstand sie eine Frühgeburt, erlag aber schon wenige Wochen danach den Folgen derselben im Alter von erst 21 Jahren. Frühzeitig begann Josephine zu schreiben, wie sich denn dies bei ihren seltenen geistigen Anlagen von selbst versteht. Sie schrieb jedoch nicht Gedichte – es ist von ihr nur ein einziges in slovenischer Sprache vorhanden – sondern Prosa, und zwar meist kurze Erzählungen in ihrer Muttersprache, welche sie mit seltener Gewandtheit und Reinheit handhabte. Gewöhnlich behandelte sie eine höhere sittliche Idee in einem slavisch-historischen Stoffe. Solcher Erzählungen veröffentlichte sie unter dem Pseudonym Josipina Turnograzdka mehrere in der schöngeistigen slovenischen Zeitschrift „Slovenska bčela“, d. i. Slovenische Biene, und im slovenischen Almanach „Zora“, d. i. Die Morgenröthe. Die Erzählung: „Boris, der erste christliche Czar der Bulgaren“, welche im Jahrgange 1852 des genannten Almanachs zum Abdruck gelangte, lenkte die Aufmerksamkeit weiterer Kreise, sogar in Rußland, auf die junge Schriftstellerin, und 1853 erschien in Constantinopel eine bulgarische Uebersetzung dieser Dichtung. So jung Josephine war, wurde ihr Name bereits gefeiert, und Alles beeilte sich, der jungen slovenischen Autorin durch Zusendung von Werken, Gedichten und dergleichen mehr Beweise der Theilnahme zu geben. Bei dem unleugbaren poetischen Talente, das ihr eigen war, stand ihr in der That im Vaterlande und überall, wo man um slavisches Schriftthum sich kümmerte, eine ehrenvolle Zukunft bevor. Der Tod durchschnitt mit einem Male alle Hoffnungen, welche man auf sie gesetzt hatte. Ihr Nachlaß bestand aus Erzählungen, sprachlichen, ästhetischen und anderen Aufsätzen. Sehr interessant ist die Correspondenz, in welcher die Koryphäen der slavischen Literatur ihrer Zeit in den verschiedenen Idiomen vertreten sind. Musikalisch gebildet und eine treffliche Pianistin, hinterließ Josephine auch mehrere Claviercompositionen elegischen Charakters, welche von nicht gewöhnlicher Begabung für diese Kunst zeigen. Nach einer Mittheilung [245] ihres Gemals trug sich derselbe mit der Absicht, ihren schriftlichen Nachlaß vereint mit seinen eigenen Gedichten in sechs Bändchen zu veröffentlichen. Ob sich dieser Plan realisirt hat, ist dem Herausgeber dieses Lexikons nicht bekannt.

Křížek (Vácslav). Anthologie Jihoslovanská s předcházející krátkou srovnávací naukou o tvarech a přikojeným slovníčkem, d. i. Südslavische Anthologie u. s. w. (Prag 1863, A. Storch, 8°.) S. 91 und 295.