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BLKÖ:Toaldi, Anton

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Toaldo, Joseph
Band: 45 (1882), ab Seite: 208. (Quelle)
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Toaldi, Anton (Garibaldischer Capitän, geb. zu Schio bei Vicenza um das Jahr 1828). Wohl ein Sohn des Antonio Toaldi, dessen Briefe und Dichtungen zuweilen in italienischen Festschriften „per le nozze“ so z. B. per le „nozze di Giscon e di Irene“ (Vicenza 1806) und „Felicissime nozze Beltrame-Fabeni“ (Schio 1855) abgedruckt stehen. Anton Toaldi, der Sproß einer wohlhabenden Familie, wurde nach Gratz geschickt, um daselbst die Rechte zu studiren. Im October 1848 zog er mit der Gratzer Legion nach Wien. Ohne ein Ungemach erfahren zu haben, setzte er nach wiedergekehrter [209] Ruhe seine Studien fort und unternahm nach deren Beendigung über Wien, Pesth, Semlin donauabwärts eine Reise nach dem Orient. In ersterer Stadt besuchte er das Haus eines Dr. Raspi, an den er einen Auftrag aus Padua hatte. Es ist derselbe Raspi, der nachmals wegen Verkaufes von Ordensdecorationen vor Gericht stand. In Pesth machte er die Bekanntschaft Jubal’s, des Erziehers der Kinder Kossuth’s. „Italiener, zwanzig Jahre alt, freiheitglühend und mein Vaterland liebend“, so schildert sich Toaldi selbst, mochte er von Jubal bald als der Mann erkannt worden sein, den dieser und seine Partei eben brauchten. Er wurde durch denselben im Hause der Schwester Kossuth’s eingeführt, und da er von seiner Reise nach Belgrad sprach, ersuchte ihn die Dame, ein Packet Briefe dahin mitzunehmen. Toaldi sah hierin weiter kein Arg und glaubte der Bittstellerin eben nur eine Gefälligkeit zu erweisen. Bei Uebergabe der Briefe aber bemerkte Kossuth’s Schwester, er werde im Kaffeehause einen Herrn finden, den sie ihm näher beschrieb, und dieser werde ihm behilflich sein, die Briefe an die rechte Adresse in Belgrad zu bringen. Die Zusammenkunft mit dem Manne im Cafe fand, da Toaldi nicht mehr Zeit hatte, dasselbe zu besuchen, nicht statt, und er fuhr nach Belgrad, wo er auch die Briefe richtig an ihre Adresse abgab. Auf seiner Heimreise hielt er sich in Semlin auf. Als er daselbst das Kaffeehaus besuchte, trat ein Mann auf ihn zu, der sich ihm als Milosch Milutinovich vorstellte, ihn unter allerlei heimlichen Zeichen ansprach und nach den Briefen fragte. Toaldi erwiderte, daß er dieselben in Belgrad abgegeben habe. Darüber wurde Milutinovich im hohen Grade erregt und machte Toaldi schwere Vorwürfe, so daß dieser in nicht geringe Verlegenheit gerieth und sich endlich überreden ließ, mit Milutinovich nach Belgrad zurück zu reisen, um daselbst die Briefe abzuverlangen, da Jener betheuerte, es könnten sonst der Schwester Kossuth’s Unannehmlichkeiten erwachsen. Während er sich nun in Semlin befand, erschien Milutinovich wieder bei ihm, um eine Anleihe zu machen, welche er, so wenig ihn dieser Vorgang anmuthete, auch nicht verweigerte. Hierauf setzte er seine Reise nach dem Orient fort, kam nach Kiutahia, wo er mit der Emigration verkehrte, ohne jedoch an irgend einer politischen Besprechung, um die er unangenehme Folgen hätte befürchten müssen, theilzunehmen. Nun reiste er heim. Als er aber in Pancsova das Schiff besteigen wollte, wurde er verhaftet. Bei dieser Gelegenheit warf er eine kleine Schachtel mit allerhand angekauften Oelen, Rosenkränzen u. dgl., bei welchen sich aber auch ein Blatt mit mancherlei Notizen befand, die, im Ganzen unbedeutend, ihm doch in diesem Augenblick unangenehm werden konnten, in die Donau. Er wurde in Folge dessen von seinen Häschern mißhandelt und dann nach Semlin gebracht. Dort stellte man ihm oberwähnten Milutinovich gegenüber, der sich als reuig zurückgekehrt, als bekehrt präsentirte und Toaldi zusprach, nur zu bekennen, daß er gleich ihm ins Complot eingeweiht gewesen sei und die Briefe befördert habe. Als Toaldi widersprach, spie ihn der Spion Angesichts des Untersuchungsrichters an und rief: „Sie sind ein Verräther; ich habe meine Schuld erkannt und mich vom Herzen der Regierung angeschlossen. Sie sehen, es gibt Menschen, die nicht so schlecht sind wie Sie“. Das Alles verstand [210] nun Toaldi nicht, aber es verschlimmerte offenbar seine Lage, denn er blieb in Haft und wurde nach Wien gebracht. Daselbst berief er sich auf Dr. Raspi als seinen Bekannten. Dieser, welcher auch erschien, besiegelte die Bekanntschaft mit der Erklärung: „Toaldi sei ihm immer verdächtig vorgekommen“. Während nun Toaldi im Gefängnisse saß, trat eines Tages ein Mann, der sich Dr. Brunnero nannte, zu ihm ein und suchte ihm Geständnisse zu entlocken. Als er bemerkte: er habe nichts zu bekennen, wurde Jener erregt und auf ein Stück weißes Brod weisend, das vor dem Gefangenen auf dem Tische lag, rief er aus: „Nun, Sie werden bald kein Brod mehr essen“. Toaldi hat dies Alles später selbst erzählt und hinzugefügt: „Ich schwöre, ich war der That nach unschuldig; allein ein Zusammentreffen von Umständen mag gegen mich gesprochen haben; so wurde ich denn zum Tode verurtheilt und zu zehnjähriger Festungsstrafe begnadigt“. Er saß fünfthalb Jahre in der Festung Josephstadt, sechs Monate in Kufstein, erhielt dann in Folge einer Amnestie die Freiheit wieder, auch wurde ihm später seine Besitzung zurückgegeben. Aus der Haft entlassen, begab er sich nach Italien, wo er längere Zeit in der Redaction der Cavour’schen „Opinione“ arbeitete. Als aber der Krieg 1859 ausbrach, trat er in das Garibaldi’sche Freicorps ein und machte den Feldzug mit. Am Lago maggiore wurde ihm eines Tages ein Schwärzer vorgestellt, in welchem er sofort den oberwähnten Dr. Brunnero erkannte. Derselbe wollte Waffen, die an einem Orte von den Oesterreichern zurückgelassen worden waren, zurückbringen. Er ward in Haft genommen. Toaldi aber ging mit einem großen Korbe voll Weißbrod in das Gefängniß und denselben vor Brunnero hinstellend, sagte er: „Sie haben mich verhöhnt und mir mit dem Tode gedroht. Sie wollten mir das Lebensbrod entziehen; – hier ist weißes Brod im Ueberfluß, das werden Sie jetzt essen, bis Sie sterben“. Der Mann gerieth außer sich, wehklagte und schrie. Da nahm Toaldi den Korb und mit den Worten: „Elender, so räche ich mich!“ verließ er das Gefängniß. Nach beendigtem Feldzuge kehrte Toaldi in die Redaction zurück, gehörte der gemäßigten Partei an, schlug sich wegen der Veröffentlichung eines Mazzini’schen Briefes mit Nicotera, der damals Brigadier bei Garibaldi war, wurde später Gubernialrath und trat mit dem Titel eines Ehren-Gubernialrathes 1866 aus dem Dienste, um wieder in einem Freicorps für die Unabhängigkeit Venedigs, seines Vaterlandes zu kämpfen. Im Freicorps versah er die Stelle eines Capitäns. Nach Toaldi’s eigenen Mittheilungen.

Neue Freie Presse, 1866, Nr. 754, im Feuilleton-Artikel von Friedrich Uhl.