Zum Inhalt springen

BLKÖ:Thurn-Taxis, Karl Anselm Fürst

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
korrigiert
Band: 45 (1882), ab Seite: 89. (Quelle)
[[| bei Wikisource]]
Karl Anselm von Thurn und Taxis (Generalmajor) in der Wikipedia
Karl Anselm Prinz von Taxis in Wikidata
GND-Eintrag: 117372900, SeeAlso
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Linkvorlage für Wikipedia 
* {{BLKÖ|Thurn-Taxis, Karl Anselm Fürst|45|89|}}

Thurn-Taxis, Karl Anselm Fürst (Humanist, geb. zu Prag 18. Juni 1792, gest. zu Teplitz in Böhmen 25. August 1844), ein Sohn des Fürsten Maximilian Joseph aus dessen Ehe mit Marie Eleonore geborenen Prinzessin Lobkowitz und ein Bruder des Generals der Cavallerie Friedrich Hannibal [S. 85], und des vor dem Feinde gebliebenen Fürsten Wilhelm [S. 92]. Sehr sorgfältig erzogen, trat er 1808 als Hauptmann in die königlich württembergische Garde, ward bald Flügeladjutant des Königs und focht im Feldzuge 1814 als Major und Oberstlieutenant so hervorragend bei Brienne, Montereau, Sens und Paris, daß er außer mit goldenen Medaillen und Orden von Sachsen, Rußland und Preußen auch mit dem österreichischen Leopoldorden ausgezeichnet und nach dem Friedensschlusse zum Obersten befördert wurde. Nach seiner Rückkehr aus Frankreich nahm er als Generalmajor seine Entlassung aus den königlich württembergischen Diensten und folgte seinen Eltern nach Prag, wo diese ihren bleibenden Aufenthalt genommen hatten, Hier, wo er sich 1815 mit Maria Isabella geborenen Gräfin Eltz vermälte, ließ er sich auch bleibend nieder, ausschließlich der Förderung humanistischer Zwecke sich widmend. So wurde er zum Vorsteher des Privatvereins zur Unterstützung verschämter Hausarmen in der Hauptstadt Prag gewählt. Ueber seine Thätigkeit in dieser Stelle, welche er zwanzig Jahre versah, heißt es in seinem Nachrufe: „Da ist kein Stand, kein Alter, kein Geschlecht, welches nicht unzählige Beweise seiner Mildthätigkeit empfangen hatte. Bald half er durch Fürsprache an Orten, wohin der Weg für den Unglücklichen mit vielen oft unübersteiglichen Hindernissen verlegt war, bald durch Anempfehlung des Muthlosen, aber Fähigen, bald durch warme Rechtfertigung des Verkannten und bald durch Entschuldigung des Verirrten...“ Nach Organisirung des Prager Armeninstitutes wurde er am 5. April 1828 zum Oberdirector desselben erwählt, und in dieser Stellung entfaltete er gleich ersprießliche und so segensvolle Thätigkeit, daß ihn sein Monarch bei Gelegenheit der Krönung zum Könige von Böhmen mit dem Großkreuze des Leopoldordens auszeichnete. So segensreich wie in der Hauptstadt wirkte er auch auf seinen Gütern Laučin und Dobrawitz. Jeder seiner Unterthanen hatte freien Zutritt zu ihm und erhielt in Zeiten der Noth ausgiebige Unterstützung. Die Schulen ließ der Fürst sich vor Allem angelegen sein und verbesserte die Gehalte der Lehrer. Besonders sorgte er für gute Wege auf seinen Gütern, diesen Haupthebel volkswirthschaftlichen Gedeihens. Er war ein Freund und Helfer seiner Beamten und sorgte väterlich für ihre Witwen und Waisen. Als die Cholera seine Güter heimsuchte, erschien er mit seiner Gattin in den Hütten der Aermsten, so von der Krankheit befallen wurden, und sorgte für Arznei und Hilfe. Auch Kunst, Wissenschaft und Industrie förderte er mit besten Kräften. Durch Errichtung einer mit großen Opfern hergestellten Runkelrüben-Zuckerfabrik schaffte er Hunderten Broterwerb. Es war ein der Wohlthat und Humanität gewidmetes Leben, welches der Tod hinwegraffte. Schon längere Zeit leidend, suchte der Fürst Linderung in den Bädern zu Teplitz. [90] Aber dort nahm das Uebel bald einen gefährlichen Charakter an, und Karl Anselm starb im Alter von erst 52 Jahren, drei Söhne und drei Töchter hinterlassend. Von Ersteren pflanzte Hugo Maximilian diese Linie fort (vergleiche die Stammtafel. Ueber ihn und die beiden anderen, Emmerich und Rudolph, vergleiche die besonderen Artikel. Die Leiche des Fürsten wurde in der auf der Herrschaft Dobrawitz befindlichen Familiengruft beigesetzt.

Wiener Zeitung, 1844, Nr. 273: „Nekrolog“.