Zum Inhalt springen

BLKÖ:Tausche, Anton

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
korrigiert
<<<Vorheriger
Tausch, Joseph
Band: 43 (1881), ab Seite: 140. (Quelle)
[[| bei Wikisource]]
Anton Tausche in der Wikipedia
Anton Tausche in Wikidata
GND-Eintrag: [1], SeeAlso
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Linkvorlage für Wikipedia 
* {{BLKÖ|Tausche, Anton|43|140|}}

Tausche, Anton (Mitglied des Abgeordnetenhauses des österreichischen Reichsrathes, geb. zu Teplitz in Böhmen am 27. Juli 1838). Nach Vollendung seiner Studien an der landwirthschaftlichen Akademie zu Ungarisch-Altenburg trat er 1864 sofort in den praktischen Dienst, und zwar als Inspectionsadjunct auf den freiherrlich Zeßner’schen Gütern im Saazer Kreise Böhmens. 1868 übernahm er als Wirthschaftsinspector die Leitung des im ehemaligen Taborer Kreise gelegenen Gutskörpers Weselicko und wirkte während seines achtjährigen Aufenthaltes daselbst auch als Mitglied der Bezirksvertretungen von Mühlhausen und Bochin. Als im Jahre 1876/77 das Erz- und Riesengebirge wieder von einem Nothstandwinter heimgesucht wurde und man mit allerlei Palliativmitteln dem Elende zu steuern versuchte, trat Tausche, welcher sich im Sommer vorher auf einer längeren Reise durch diese beiden Gebirge Einblick in deren leidige Verhältnisse verschafft hatte, an den Landesculturrath für Böhmen, sowie an das Comité für Hebung der Erwerbsthätigkeit der Erz- und Riesengebirgsbewohner, mit Vorschlägen zur dauernden Besserung der traurigen Lage vieler Kreise der Bevölkerung heran. Diese Vorschläge wurden gutgeheißen, und behufs Anbahnung der zu ihrer Ausführung angenommenen Maßregeln, so weit dieselben die Landwirthschaft betrafen, hielt er im Frühjahre 1877 eine große Zahl von Vortragen im Erz- und Riesengebirge, insbesondere über Kartoffel- und Leinbau, und rief eine Menge größerer und kleinerer landwirthschaftlicher Vereine hervor, durch welche seine Neuerungen und Verbesserungen vollends realisirt werden sollten. So konnte er sich des Verdienstes rühmen, in diesen, was Landescultur betrifft, ganz vergessenen Gebieten der Bethätigung landwirthschaftlichen Fortschrittes Bahn gebrochen zu haben. Im Jahre 1876 übernahm er aus eigenem Antrieb die Aufgabe eines landwirthschaftlichen [141] Wanderlehrers, und die uneigennützige Hingebung, mit welcher er diesem mühevollen, von allerlei Beschwernissen durchkreuzten Geschäfte nicht ohne Erfolg sich unterzog, bestimmte im Jahre 1877 das kaiserliche Ackerbau-Ministerium, ihm die Functionen eines Landes-Wanderlehrers des Landesculturrathes, und zwar für fast sämmtliche deutsche Bezirke Böhmens zu übertragen. Als er aber 1879 aus den Wahlen für das Abgeordnetenhaus des österreichischen Reichsrathes als Vertreter der Landgemeindenwahlbezirke Eger, Wildstein und Asch hervorgegangen war, sah er sich im September dieses Jahres von seiner Stelle enthoben, da der Ackerbau-Minister die Uebernahme eines Mandats mit den Functionen eines staatlich bestellten Wanderlehrers unvereinbar fand. Tausche ist ferner in seinem Fache auch schriftstellerisch thätig und durch seine populäre Schreibweise hat er seinen fachlichen Arbeiten und Vorschlägen bei den Landwirthen große Verbreitung geschafft und auch in dieser Richtung für die Förderung der landwirthschaftlichen Cultur und eine rationelle Bewirthschaftung von Grund und Boden nicht unwesentlich beigetragen. Von seinen Schriften nennen wir die im Buchhandel erschienenen: „Anleitung zum Kartoffelbau“ und „Gemeinfassliche Anleitung zur rationellen Düngerlehre“ (1879). Viele landwirthschaftliche Vereine haben Tausche zum Ehrenmitgliede, die Stadt Sonnenberg (wo?) in Anerkennung seiner Verdienste um das Erzgebirge ihn zum Ehrenbürger ernannt. Tausche gehört der verfassungstreuen Partei an.

Porträt. Holzschnitt auf dem Gruppenbilde: „Das Abgeordnetenhaus des österreichischen Reichsrathes. Zweite Serie“ (der Sechste in der obersten Reihe) in der „Neuen Illustrirten Zeitung“ (Wien, Zamarski, kl. Fol.) VIII. Jahrg. (1879/80) Bd. I, Nr. 22.