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BLKÖ:Tököly, Helena

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Tököly, Emmerich
Band: 45 (1882), ab Seite: 234. (Quelle)
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5. Emmerich Tököly’s mehrerwähnte Gemalin Helene oder wie sie ungarisch heißt, Ilona, Witwe Franz Rákóczy’s I., war als Tochter des wegen Hochverrathes enthaupteten Grafen Zrinyi wohl von nicht zu unterschätzendem Einfluß auf ihren Gatten, den sie mit der ganzen Energie ihres Geistes in seinen feindseligen Unternehmungen gegen Oesterreich nicht nur förderte, sondern immer wieder von Neuem aufstachelte. Sie war es, welche, während ihr Gatte in Constantinopel gefangen gehalten wurde, in der Festung Munkács, dem wichtigsten Punkte der Tököly’schen Partei, den hartnäckigsten Widerstand leistete. Mit Energie und Umsicht vertheidigte sie diese letzte Stütze ihres Gemals. Drei Jahre hielt sie die Belagerung aus, allen Drohungen des kaiserlichen Generals Caraffa Hohn entgegensetzend. Da kam ihr eines Tages ein Brief ihres Gatten zu, welcher ihr rieth, die Verwendung des Papstes zu erbitten, selbst seinen Uebertritt zur katholischen Religion – Tököly war Protestant – zu versprechen, wenn dadurch angemessene Bedingungen zu erlangen seien. Der Brief war in Chiffern geschrieben, welche Helene nicht kannte, sie übergab denselben daher ihrem Vertrauten Absalon zur Entzifferung. Dieser aber, selbst ein eifriger Protestant, entsetzte sich über [235] den Inhalt, der seinen Glauben bedrohte. Den Verräther wollte Absalon nicht spielen, aber um alle Verhandlungen Tököly’s unmöglich zu machen, verdarb und verschleuderte er den Vorrath an Lebensmitteln, und durch dieses Gebaren eines Fanatikers sah sich Helene zur Uebergabe der Festung, welche sie über drei Jahre gehalten, endlich gezwungen. Sie und ihre Kinder erster Ehe – darunter der nachmals seinem Stiefvater ebenbürtige Franz Rákóczy II. – wurden nach Wien gebracht. Später, als für Tököly Alles verloren war. folgte sie ihm freiwillig in sein Exil in Kleinasien, wo sie ein paar Jahre vor ihm starb.