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BLKÖ:Szombathy, Johann

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Szolnay, W.
Band: 42 (1880), ab Seite: 243. (Quelle)
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Szombathy, Johann (Schulmann, geb. zu Großsteffelsdorf im Jahre 1749, gest. 5. October 1823). In seinem Geburtsorte genoß er seine wissenschaftliche Vorbildung, dann betrat er die akademische Laufbahn in Patak, wo die beiden Michael Szathmáry-Paksi [Bd. XLI, S. 204], Martin Szilágyi [siehe S. 179], Johann Szentes [S. 79], Stephan Szentgyörgyi [S. 79] seine Lehrer wurden. 1774 ging er ins Ausland, besuchte daselbst mehrere Universitäten, unter diesen jene zu Zürich und Utrecht, dann auch die zu Leyden und Franeker. Nach seiner Heimkehr im Jahre 1778 lebte er zunächst als Erzieher bei verschiedenen Familien, bis ihn im Juli 1782 die Direction des Sárospataker Collegiums an Stelle des verstorbenen Johann Szentes zum Professor des Naturrechtes, der Geschichte und Redekunst ernannte, worauf er zu Beginn des nächsten Jahres mit der Inaugurationsrede: „De meritis historiae profanae in religionem“ seine Vorträge eröffnete. Auf diesem Posten wirkte er viele Jahre lang, bis er im Alter von 74 Jahren jener Anstalt, zu deren Zierden er zählte, durch den Tod entrissen wurde. Die Zahl der von ihm herausgegebenen Schriften ist gering. Die Titel derselben sind: „Dissertatio de praescientia futurorum contingentium cujus, Deo a Socinianis denegatae exemplo, demonstratur, quam male doctrinae eorundem cum ratione recta conveniat“ (Trajecti ad Rhenum 1778, 4°.); – „A legfőbb jórúl való rövid beszélgetés“, d. i. Eine kurze Darstellung von dem höchsten Gute (Kaschau 1787), eigentlich eine Leichenrede auf Ladislaus Szemere, gehalten am 9. September 1787; – „ABC-könyvecske“, d. i. [244] ABC-Büchlein (Preßburg 1797); – „Catena genealogica Stirpis Arpadianae“ (Sárospatak 1809); – „A Sárospataki ref. koll. rövid historiája“, d. i. Kurze Geschichte des Sárospataker reformirten Collegiums (Sárospatak 1809); – „Historia regni Hungariae breviter exposita“ (Sárospatak 1817); außerdem in der „Tudományos gyüjtemény“, d. i. Wissenschaftliche Sammlung, eine kurze Abhandlung über die ungarische Krone (1821, 12. Heft) und in der von Franz Pethe [Bd. XXIII, S. 83] während dessen Aufenthaltes in Holland nach der Uebersetzung von Károlyi zu Utrecht herausgegebenen Bibel als Einleitung eine Abhandlung über die heilige Schrift. Die wissenschaftliche Ausbeute, welche aus Szombathy’s durch den Druck veröffentlichten Arbeiten resultirt, ist im Verhältniß zu seiner übrigen geistigen Thätigkeit eine sehr geringe. Sein bescheidenes, zurückhaltendes Wesen ließ ihn nur schwer aus sich heraus in die Oeffentlichkeit treten. So blieb er denn, obgleich ein Gelehrter von nicht minder tiefem als umfassendem Wissen, lange ebenso unbekannt wie ungewürdigt. Erst als Bücher seiner einstigen Bibliothek in andere Hände gelangten und man in denselben seine Randglossen, seine Notizen, seine Bemerkungen über das Gelesene oder Studirte kennen lernte, erst da erkannte man seine reiche Gelehrsamkeit und gewann sein Wissen und der tiefe Schatz seiner Kenntnisse die rechte Bedeutung. Zu seinen Freunden gehörte der berühmte ungarische Poet und Schriftsteller Franz Kazinczy [Bd. XI, S. 97], der nicht allein große Stücke auf ihn hielt, sondern in seinen Werken sich öfter auf ihn berief und ihn als Autorität anerkannte. Danielik erzählt im zweiten Theile seiner ungarischen Schriftsteller (Magyar irók), daß der berühmte Literarhistoriker Franz Toldy, als derselbe im Herbst 1856 die Bibliothek des Sárospataker Collegiums zum Zwecke seiner literarhistorischen Arbeiten besuchte, über den daselbst aufbewahrten handschriftlichen Nachlaß Szombathy’s im höchsten Grade erstaunte, denn er fand darunter Manuscripte, die Szombathy bereits 33 Jahre früher vollendet hatte, als Toldy an seine eigenen Arbeiten, welche den gleichen Gegenstand behandelten, gegangen war. Von diesen werthvollen Manuscripten seien genannt: „Historia brevis illustr. Collegii helv. Confessionis addict. Sarospatakiensis. Partes duo exhibentes biographiam Professorum“, eine umfangreiche über ein halbes Tausend Blätter enthaltende Handschrift; – ferner eine Geschichte der Reformation, der reformirten Kirchen und Schulen Ungarns (1799) in ungarischer Sprache; – eine Geographie Asiens, Afrikas und Indiens. Außerdem fanden sich vor: zahlreiche handschriftliche Collectaneen zur Geschichte und Literatur Ungarns, ferner ein mit großer Treue und Sorgfalt geführtes Diarium der Begebenheiten und Ereignisse in Sárospatak, endlich mehrere Gelegenheits- und Leichenreden, letztere auf Eva Szentpéteri über die Unsterblichkeit der Seele, auf Martin Szilágyi: das Bild des christlichen Philosophen, auf Franz Hunyadi über die irdische Unsterblichkeit oder mens manet et virtus, caetera mortis erunt. Im Collegium zu Sárospatak, in welchem Szombathy zu dessen und zu eigenem Ruhme in so verdienstlicher Weise gewirkt, ist sein Bildniß aufgestellt.

Magyar irók. Életrajz-gyüjtemény. Gyüjték Ferenczy Jakab és Danielik [245] József. Kiadja a Szent-István-Társulat, d. i. Ungarische Schriftsteller. Sammlung von Lebensbeschreibungen. Von Jacob Ferenczy und Joseph Danielik. Herausgegeben vom St. Stephans-Vereine (Pesth 1856, Gustav Emich, 8°.) Zweiter den ersten ergänzender Band, S. 324.