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BLKÖ:Szilágyi, Michael

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Szilágyi, Paul
Band: 42 (1880), ab Seite: 179. (Quelle)
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9. Michael (gest. um 1459), aus der bereits erloschenen Familie der Szilágyi von Horoghszegh. Ein Sohn des Ladislaus, Obergespans von Bács, und Katharina Belléni’s, erhielt er eine sorgfältige Erziehung. Zum Manne herangereift, trat er in Kriegsdienste. Mit Auszeichnung kämpfte er unter Ladislaus V. und gewann dadurch ebenso Ansehen als mächtige Anhänger im Lande. Im Jahre 1456 befand er sich mit Ladislaus Corvinus, zu welchem er durch seine Schwester Elisabeth [S. 177, Nr. 4], die Stammmutter der Hunyaden, in nahen verwandtschaftlichen Verhältnissen stand, in Belgrad. Daselbst war auch Graf Ulrich von Cilli zugegen, der wegen seines verrätherischen Verhaltens gegen Corvinus den Vater, den er beim Könige fälschlich angeklagt hatte, und gegen die Corvinischen Söhne, welche er unaufhörlich verfolgte, von Ladislaus zur Rede gesetzt wurde. Darüber ergrimmt, zückte der Graf sein Schwert, um des Jünglings Kopf zu spalten. In diesem Momente sprang Michael mit den anwesenden Magnaten vor und hieb den Angreifer auf der Stelle zusammen. Der 24jährige Ladislaus mußte sein Auftreten gegen den Grafen mit dem Tode büßen, und auch der noch unmündige Matthias wäre wohl demselben Loose verfallen, wenn nicht seine Mutter Elisabeth alle ihr zu Gebote stehenden Mittel aufgewendet hätte, um eine Erhebung zu veranlassen, an deren Spitze ihr Bruder Michael sich stellte. Alles eilte unter seine Fahnen, seine Macht vergrößerte sich mit jedem Tage. Da starb der König. Nun ging Michaels Streben dahin, seinem Neffen Matthias die Königswürde zu verschaffen. Um seiner Absicht den gehörigen Nachdruck zu geben, rückte er mit Heeresmacht vor Pesth, wo eben der Landtag versammelt war. Er schilderte demselben in begeisterter Rede die Wichtigkeit, ja Nothwendigkeit. einen König aus ungarischem Geblüte zu wählen, und seine Rede wirkte so zündend, daß die Stände einstimmig ihn selbst zum Könige ausriefen. Er aber lehnte ab und wies auf die Verdienste des verstorbenen Johann Hunyady, dann auf seinen jugendlichen Neffen Matthias hin, der zu den schönsten Hoffnungen berechtige. Seine Rede, verbunden mit der Kriegsmacht, die unter seinem Befehle stand, wirkte mächtig; [180] der 15jährige Matthias wurde zum Könige ausgerufen, und da dieser noch zu jung war, Michael auf die Dauer von fünf Jahren zum Statthalter von Ungarn gewählt. Gegenüber dem jungen nach der Herrschaft lechzenden Könige war seine Regentschaft keine rosige. Feinde, welche ihn um sein hohes Amt beneideten, wußten ihn bei Matthias, dem er sich durch seinen Widerstand in manchen Dingen unbequem machte, zu verdächtigen, und so kam es endlich, daß der argwöhnische König seinen treuen Statthalter verhaften und nach Világosvár ins Gefängniß bringen ließ. Aus diesem entkam aber Michael durch eine List des ihm getreuen Kochs. In Freiheit, entsendete er an Matthias einige Vertraute mit einem Schreiben, in welchem er seine Unschuld darlegte. Dies blieb nicht ohne Wirkung; der König nahm ihn wieder in vollen Gnaden auf, ernannte ihn zum Präfecten Niederungarns, bald darauf zum Oberbefehlshaber der ganzen Armee, endlich zum Gouverneur der vereinigten Königreiche Croatien, Slavonien und Dalmatien. In dieser Stellung erkämpfte Michael wiederholt Siege über die Türken. Als er in Gemeinschaft mit Niclas Ujlaky den Türken, die ihm an Zahl weit überlegen waren, gegenüberstand, wurde er, nachdem er mit den Seinen lange mit Löwenmuth gekämpft, umzingelt und nach Niedermetzelung des kleinen Haufens seiner Getreuen gefangen genommen. Man schleppte ihn nach Constantinopel, wo er auf Befehl des Sultans Mohamed enthauptet ward. Seine Ehe mit Margarethe Bathory, einer Tochter des Reichsbarons Stephan Bathory, blieb kinderlos, wie auch ihre zweite nach dem Tode ihres Gatten mit Paul Bánffy geschlossene Ehe. [Teleki (Jos.), Hunyadiak kora Magyarországon, d. i. Das Zeitalter der Hunyaden in Ungarn (Pesth 1850 u. f., Gust. Emich, 8°.) Bd. III, S. 96, 165, 188, 192 und 194. – Majláth (Johann Graf), Geschichte des österreichischen Kaiserstaates (Hamburg 1844, Friedrich Perthes, gr. 8°.) Bd. I, S. 484, 485 und 486. – Porträt. Unterschrift: „Szilágyi Mihály. Tyroler gest. in Pesth (Pesth, bei Frey, 1853, 8°.).] –