Zum Inhalt springen

BLKÖ:Szilágyi, Alexander

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
korrigiert
<<<Vorheriger
Szikszai, Valentin
Band: 42 (1880), ab Seite: 163. (Quelle)
[[| bei Wikisource]]
in der Wikipedia
Sándor Szilágyi in Wikidata
GND-Eintrag: 117679623, SeeAlso
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Linkvorlage für Wikipedia 
* {{BLKÖ|Szilágyi, Alexander|42|163|}}

Szilágyi, Alexander (ungarischer Geschichtschreiber, geb. zu Klausenburg am 30. Juli 1827), Ein Sohn des (1876 gest.) Schulmannes und Historikers Franz II. Szilágyi, dessen Lebensskizze S. 167 mitgetheilt wird. Nachdem er die Vorbereitungsstudien in seiner Vaterstadt Klausenburg beendet hatte, widmete er sich an dem reformirten Collegium (Rechtsakademie) zu Maros-Vásárhely dem Studium der Rechte. 1846, kaum 19 Jahre alt, trat er bei dem siebenbürgischen Gubernium in den Staatsdienst, kam aber in Folge der Revolutionsereignisse des Jahres 1848 nach Ungarn, wurde Journalist und schrieb nach den Octobertagen 1849 die Geschichte der eben niedergeworfenen revolutionären Bewegung. [Die bibliographischen Titel der Werke Szilágyi’s, so weit ich deren Kenntniß erlangen konnte, folgen S. 165.] Doch war Szilágyi schon früher schriftstellerisch thätig gewesen, da er Louis Fleury’s „Geschichte des Alterthums“ und Gutzkow’s Lustspiel „Zopf und Schwert“ ins Ungarische [164] übersetzt hatte. Am meisten bekannt aber wurde sein Name, als in den Jahren 1849–1851 in ungarischer, deutscher und italienischer Sprache seine Werke: „Die Männer der Revolution“ und „Die letzten Tage der magyarischen Revolution“ erschienen. Bald darauf gab er eine heftweise erscheinende Zeitschrift, in welcher er die besten literarischen Kräfte jener Zeit vereinigte, unter dem Titel: „Pesti Röpivek“, d. i. Pesther fliegende Blätter, heraus und redigirte das „Nagy-Enyeder Album“. Seine Erlebnisse aus dieser Zeit veröffentlichte er ein Vierteljahrhundert später (1876) in seinen „Skizzen aus der Zeit nach der Revolution“, welche einen nicht uninteressanten Beitrag zur Personen- und Zeitgeschichte jener wenig erquicklichen Periode bilden. Die Redaction der oben genannten „Röpivek“ brachte ihn wiederholt mit der Censurbehörde in Collision. Diesen kleinen, aber immerhin widrigen Häkeleien brach er ein- für allemal die Spitze ab, indem er der Journalistik den Rücken kehrte und eine Professur am protestantischen Gymnasium in Kecskemét annahm, von welchem er nach einiger Zeit an jenes von Nagy-Körös übertrat. Indessen blieb er immer literarisch thätig und arbeitete vornehmlich für die von dem 1850 verstorbenen Anton Csengery [Bd. III, S. 53] redigirte Monatschrift „Budapesti Szemle“, d. i. Pesth-Ofener Revue, größere historische Essays und Kritiken. Auch fällt in diese Zeit seine Herausgabe der „Geschichte von Nagy-Körös“ von Balla. Als im Jahre 1858 die k. ungarische Akademie der Wissenschaften sich neu constituirt hatte, wurde er zum correspondirenden Mitgliede derselben gewählt, und nun richtete sich seine Thätigkeit vornehmlich auf die Herausgabe ungarischer Geschichtsquellen, welche allmälig in erstaunlicher Weise anwuchsen. Es hatte sich nämlich nach dem Beispiele der Wiener Akademie der Wissenschaften auch an der ungarischen Akademie eine historische Commission gebildet, deren Aufgabe die Erforschung, Sammlung und Herausgabe ungarischer Geschichtsquellen ist. An ihren bisherigen Publicationen, dies sind: „Monumenta Hungariae historica“ in vier großen Abtheilungen: Diplomataria (bis jetzt 26 Bände), Scriptores (bis jetzt 32 Bände), Monumenta comitialia (6 Bände), Acta extera (5 Bände); ferner das Archivum Rakoczianum (7 Bände) und die Urkunden aus der türkisch-ungarischen Periode (9 Bände), an der Sichtung und Verarbeitung dieser Quellenschätze ist neben Wilhelm Fraknor, Arnold Ipolyi, Baron Albert Nyáry, Aron Szilády, Colomon Thály, Franz Toldy und Gustav Wenzel auch Alexander Szilágyi betheiligt. Sein Antheil an diesen Arbeiten ist ein sehr großer, so edirte er in Gemeinschaft mit Aron Szilády (1861–1872) neun Bände türkisch-ungarischer Urkunden, die Memoiren des David Rozsnyai, das Urkunden-Magazin des Peter Alvinczi, den Briefwechsel der beiden Georg Rákóczy, Georg Rákóczy und die europäische Diplomatie, welches Werk bei seinem weit über Ungarn hinausreichenden Interesse auch in französischer Sprache erschien unter dem Titel: „Actes et documents pour servir à l’histoire de l’alliance de George Rakoczy prince de Transylvanie avec les Français et les Suédois dans la guerre de trente ans“. In den Jahren 1876 und 1877 gab er die geschichtlichen Werke des Szamosközy [165] in drei Bänden heraus; die ungarische Akademie beauftragte ihn dann mit der Herausgabe der Diarien der siebenbürgischen Landtage und mit der Abfassung der Geschichte der letzteren. Ueberhaupt bildet Siebenbürgen das Specialgebiet der geschichtlichen Studien und Forschungen Alexander Szilágyi’s. So erschienen denn auch 1864 aus seiner Feder eine Geschichte dieses Landes in zwei Bänden und zehn Jahr später: Skizzen und Studien aus der Geschichte Siebenbürgens. Besonders werthvoll sind seine kleineren historischen Monographien, von denen hier genannt seien: die Geschichte des siebenbürgischen Fürsten Gabriel Bethlen (1867), die Geschichte der Verschwörung Peter Zrinyi’s und seiner Genossen (1867), die Thronbesteigung des Fürsten Gabriel Bethlen (1867), das Zeitalter der Rákóczy in Siebenbürgen (1869), Rákóczy und Pázmány (1871), die Bündnisse Gabriel Bethlen’s (1872), Peter Révay und die ungarische St. Stephanskrone (1875), die erste Gesandtschaft des Thomas Nádasdy in Siebenbürgen (1876), die diplomatische Thätigkeit in Siebenbürgen in den Jahren 1594–1598 (1877). Die meisten der vorgenannten Abhandlungen und noch zahlreiche kleinere historische Aufsätze, Kritiken u. dgl. erschienen theils in den Schriften der ungarischen Akademie der Wissenschaften, theils im „Századok“, d. i. Jahrhunderte, dem Organ der ungarischen historischen Gesellschaft, deren Mitglied er ist, welche ihn auch 1875 zu ihrem Secretär gewählt und als solchen mit der Redaction ihrer Zeitschrift betraut hat. Als im Jahre 1867 die Einsetzung eines selbstständigen ungarischen Ministeriums erfolgte, wurde er zum Ministerialsecretär im Ministerium für Cultus und Unterricht ernannt, in welcher Stelle er noch zur Stunde thätig ist. 1874 ernannte ihn die ungarische Akademie zu ihrem ordentlichen Mitgliede, von 1872 bis 1875 wirkte er auch als Professor der Geschichte an der militärischen Ludovica-Akademie. In den letzteren Jahren las er in der ungarischen Akademie der Wissenschaften seine Untersuchungen über den Kaschauer Reichstag von 1644 und die auf diesen folgenden Friedensverhandlungen, worin neues Licht fällt auf das Verhältniß Georg I. Rákóczy’s zu Torstensohn, und theilte er die Ergebnisse seiner Forschungen mit über den Sturz Andreas Bathory’s, worin er eine der interessantesten Partien der Geschichte Siebenbürgens behandelt.

Uebersicht der Werke Alexander Szilagyi’s nach ihren bibliographischen Titeln. „Hajdankor történetei“, d. i. Geschichte der alten Zeit (Klausenburg 1844); ungarische Bearbeitung eines französischen Werkes von Fleury, welche er mit 17 Jahren hatte drucken lassen. – „Czoff és Kard“, d. i. Zopf und Schwert (ebd. 1847), Uebersetzung des bekannten Stückes von Gutzkow. – Görgey fegyverletétele“, d. i. Görgey’s Waffenstreckung (Pesth 1850). – „Egy honvéd naplója“, d. i. Das Tagebuch eines Honvéd (ebd. 1850). – „Emléklapok 1848/9-ből“, d. i. Erinnerungsblätter aus den Jahren 1848 und 1849, sechs Hefte (ebd.). – „Magyar nők a forradalomban“, d. i. Ungarns Frauen in der Revolution (Pesth 1850). – „Magyar irók albuma“, d. i. Album ungarischer Schriftsteller, vier Hefte (Pesth 1851).– „Nagyenyedi-Album“, d. i. Album von Straßburg (Nagy-Enyed) (ebd. 1851). – „Nők könyve“, d. i. Das Buch der Frauen (ebd. 1852). – „A magyar forradalom története 1848 és 49-ben“, d. i. Geschichte der ungarischen Revolution in den Jahren 1848 und 1849 (Pesth 1861, Heckenast, 8°., VIII und 424 S.). – „A magyar forradalom férfiai 1848 és 49-ben. 2. átdolgozott kiadás egy kötetben“, d. i. Die Männer der ungarischen Revolution in [166] den Jahren 1848 und 1849. Zweite durchgesehene Ausgabe in Einem Bande (ebd. 1861, 8°., 344 S., mit Autographen). – „A Rákóczy család a XVII-ik században s a XVIII-ik elején“, d. i. Die Familie Rákóczy im 17. und im Anfang des 18. Jahrhunderts (Pesth 1861, Pfeifer, 8°., 60 S.). – „A magyar forradalom napjai 1849 Julius 1-sője után“, d. i. Die Tage der ungarischen Revolution nach dem 1. Juli 1849, dritte Auflage (Pesth 1861, Heckenast, 12°., 192 S.); davon eine deutsche Uebersetzung unter dem Titel: „Die letzten Tage der magyarischen Revolution. Enthüllungen der Ereignisse in Ungarn und Siebenbürgen seit dem 1. Juli 1849. Unter der Mitwirkung des Verfassers ins Deutsche übertragen“ (Pesth 1850, Heckenast, gr. 8°.), und eine italienische: „Gli ultimi giorni della rivoluzione ungherese. Versione del Dottore Da Nei etc.“ (Modena 1851, Carlo Vincenzi, gr. 8°.). – „Egyetemes történet. Magyar és erdélyországi közép tanodák algymnásiumok és magánintézetek számára“, d. i. Allgemeine Geschichte für die mittleren Classen der Gymnasien von Ungarn und Siebenbürgen und für Privatinstitute, drei Hefte (Pesth 1864. F. Pfeifer, 8°.). – „Igazgatói jelentés a máramaros szigeti reformatus főtanoda állásáról 1862/63-ban“, d. i. Directorial-Nachricht über den Stand der Marmaros-Szigeter Hauptschule am Schlusse 1862/63 (Sárospatak 1864). – „Erdélyország történetetekintettel mivelődésére. Két kötet“, d. i. Geschichte Siebenbürgens mit Rücksicht auf seine Cultur, zwei Bände (Pesth 1865, Heckenast, XV und 462 S.; VIII und 511 S.). – „Zrinyi Péter és társai ligája s a rendkivüli törvényszékek. Történeti rajz“, d i. Die Verschwörung Peter Zriny’s und seiner Genossen (Pesth 1867, Pfeifer, 12°., 122 S.). – „Vértanúk a magyar történetből. Történeti tanulmányok“, d. i. Märtyrer aus der ungarischen Geschichte (Pesth 1867, Heckenast, gr. 8°., 495 S.). – Bethlen Gábor fejedelem trónfoglalása“, d. i. Regierungsantritt Gabriel Bethlen’s (Pesth 1867, Eggenberger, 8°., 74 S., auch 1870). – „A Rákóczy ak kora Erdélyben. Első kötet“, d. i. Das Zeitalter der Rákóczy in Siebenbürgen (Pesth 1868, Pfeifer, gr. 8°., 328 S.). – „Török Magyarkori történelmi emlékek“, d. i. Ungarisch-türkische Geschichtsquellen. Gemeinschaftlich mit A. Szilády, neun Bände mit Register (Budapesth 1863 bis 1873, gr. 8°.). – „I. Rákóczy György és a diplomaczia“, d. i. Georg Rákóczy I. und die Diplomatie (Pesth 1878); Separatabdruck aus dem siebenten Bande der Schriften der historischen Gesellschaft. – „Monumenta Comitialia Regni Transylvaniae. Erdélyi országgyülési Emlék“ (Siebenbürger Landtagsacten) Bd. I–IV (Budapesth 1875–1878), worüber Hunfalvy’s „Berichte aus Ungarn“ [Bd. III, 1879, S. 162–171) ausführliche Nachricht bringen. Außerdem schrieb Szilágyi Novellen, Reisebilder, biographische Skizzen u. dgl. m. für verschiedene schöngeistige Blätter in Ungarn, war in der Zeit von 1849–1850 Mitredacteur des „Hölgyfutár“ (Damen-Courier) und im Jahre 1852 des „Viszhang“ (Echo).
Quellen zur Biographie. Literarische Berichte aus Ungarn. Herausgegeben von Paul Hunfalvy (Budapesth, Franklin-Verein, gr. 8°.) Bd. I (1877), S. 67, 376 und 377; Bd. II (1878), S. 141 und 636; Bd. III (1879), S. 162 u. f. – Magyar irók. Életrajz-gyüjtemény. Gyüjték Ferenczy Jakab és Danielik József, d. i. Ungarische Schriftsteller. Sammlung von Lebensbeschreibungen. Von Jacob Ferenczy und Joseph Danielik (Pesth 1855, G. Emich, 8°.) Bd. I, S. 556. – Az ország tükre, d. i. Der Reichsspiegel (Pesth, gr. 4°.) 1863, Nr. 15.
Porträt. Unterschrift: „Szilágyi Sándor“. Marastoni J. 1863 (lith.), im „Az ország tükre“ 1863, Nr. 15.