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BLKÖ:Sziglavy, Paul

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Szigligeti, Eduard
Band: 42 (1880), ab Seite: 153. (Quelle)
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Sziglavy, Paul. Unter diesem Autornamen erschien im Jahre 1876 ein Werk, betitelt: „Fata Morgana. Federzeichnungen“ (Wien 1876, Hügel [Bruno Zappert], 8°., 288 u. 318 S.), welches in wenigen Wochen mehrere nach Tausenden zählende Auflagen erlebte, nicht durch seinen ästhetisch-literarischen Werth, sondern durch das ungeheure Aufsehen, welches es wegen der geschilderten Persönlichkeiten, in denen man allerlei Gestalten der Wiener und Pesther Aristokraten und anderer Welt erkennen wollte, in den höheren Gesellschaftskreisen der beiden Hauptstädte machte. Dazu gesellte sich noch das Geheimnisvolle, womit sich der Autor unter seinem Pseudonym umgab und wohinter man mit Bestimmtheit eine den vornehmsten Kreisen angehörige Dame vermuthete. Noch aber hatte sich das mit allerlei Empfindungen gemischte Erstaunen nicht gelegt, als schon im nämlichen Jahre von derselben Feder ein zweites Attentat auf den guten Geschmack verübt wurde, welches sich „Die Tochter des Fürsten. Roman in drei Bänden von Paul Sziglavy“ betitelte und gleichfalls bei Hügel in Wien erschien. Seit dem Erscheinen der „Dissolving views“ von Leo Wolfram [Ferdinand Prantner, Bd. XXIII, S. 195, Nr. 1] zu Anfang der Fünfziger-Jahre hat nichts auf dem Gebiete literarischer Production in Oesterreich die öffentliche Meinung so aufgeregt, als die beiden Werke „Fata Morgana“ und „Die Tochter des Fürsten“. Beide sind ohne den Schlüssel zu den unter verkappten Namen in ihnen auftretenden Persönlichkeiten nicht verständlich und somit interesselos, sie wurden aber im Hinblick auf ihren ästhetischen Werth von der Kritik einstimmig nicht nur als völlig verfehlt, sondern geradezu als ungenießbar bezeichnet. Und nicht blos dem eigentlich ästhetischen Gefühl, auch der Sittlichkeit wird in beiden Werken, insbesondere im dritten Bande des letzteren, förmlich ins Gesicht geschlagen. Daß es aber auch an gegentheiligen Stimmen nicht fehlt, ist bei dem Stande und den Verhältnissen der heutigen Kritik zu bemerken überflüssig. Als Verfasserin wurde Eleonore Friederike Ludmilla geborene Freiin von Bors (geb. 29. Januar 1838), Tochter des herzoglich sachsen-altenburgischen Kammerherrn, Geheimrathes und vormaligen Minister-Residenten in Wien aus seiner Ehe mit Eleonore geborenen Gräfin Harrach (geb. 19. Jänner 1817, gest. zu Wien 26. April 1856), genannt. Ein Widerruf, welcher diese allgemeine Annahme als völlig aus der Luft gegriffen und als irrig bezeichnet hätte, erfolgte nie. Freiin Eleonore welche seit Jahren in Ungarn lebt, war in früherer Zeit Hofdame Ihrer königlichen Hoheit der Prinzessin Clementine von Sachsen-Coburg und Gotha, geborenen Prinzessin [154] von „Orleans. Die Bombe“ brachte unter der Ueberschrift „Paul Sziglavy“ ihr Bildniß.

Die Bombe (Wiener Spott- und Witzblatt, VI. Jahrg. (30. Juli 1876), Nr. 30.
Porträt. Ebenda. Lith. von Gabor.