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BLKÖ:Széchenyi, Edmund Graf

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 41 (1880), ab Seite: 237. (Quelle)
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Széchenyi, Edmund [Ödön] Graf (Commandant der Feuerwehr in Constantinopel, geb. am 14. Dec. 1839). Der jüngere Sohn des Grafen Stephan und Crescentias geborenen Gräfin Seilern. Dem Grafen wird hie und da in deutschen Werken der Taufname Eduard oder auch Eugen beigelegt. Dies ist ganz unrichtig. Sein ungarischer Vorname ist Ödön, auf deutsch Edmund, während Eduard im Ungarischen Edvárd oder Ede und Eugen Jenö heißt. Des Grafen Lebensgang ist einerseits von der gewöhnlichen Laufbahn reicher Cavaliere so abweichend, andererseits praktisch so lehrreich, daß wir demselben eine etwas ausführlichere Darstellung widmen. Sein Leben ist vorherrschend dem Sport gewidmet, aber nicht dem müßigen, dem es nur zu thun ist um die Lösung des Problems: in amüsantester Weise die Zeit todtzuschlagen, sondern im Gegentheile stets einem Sport, dem ein echtes Nützlichkeitsprincip zu Grunde liegt, das er dann auch verwirklicht, mit Opfern seines Vermögens und seines physischen Eigenbehagens. Nachdem er in allen Cavalierpassionen sich tüchtig geschult hatte, trat er als Volontär bei der Donau-Dampfschifffahrts-Gesellschaft ein und erwarb sich durch die Dienste, die er bei derselben leistete, das Capitäns-Diplom. Im Ruderfahren geübt, bildete er in Pesth einen Ruderer-Club (Buda Pesti Hajós Egylet), der bald auf hundert Mitglieder anwuchs. Ganz nach seinen eigenen Angaben ließ er von Weeler in Richmond ein Wettrennboot bauen. Dasselbe wog 100 Zollpfund, war zwei Fuß acht Zoll breit und 31 Fuß lang. Das dazu verwendete Eschenholz hatte einen Zoll Dicke. Von einer Person gerudert, legte dieses Fahrzeug die 121/2 Meilen lange Wasserstraße von Passau nach Linz in 53/4 Stunden zurück, zu welcher Strecke, mit Einrechnung des Aufenthalts an der Grenze in Engelhartszell, die Donau-Passagierdampfschiffe vier Stunden brauchen. Er selbst unternahm mit diesem Ruderboote eine Reise von Pesth nach Rotterdam, auf welcher er jeden Tag zwölf Stunden rudernd zubrachte. Einige Zeit später trat er als Freiwilliger bei der Londoner Feuerwehr ein, und nachdem er anderthalb Jahre in derselben wie ein gewöhnlicher Feuerwehrmann gedient hatte, ging [238] er daran, in Pesth eine freiwillige Feuerwehr nach amerikanischem Muster zu gründen. Großes Aufsehen erregte seine im Frühling 1867 ausgeführte Dampfbootfahrt von Pesth nach Paris zur Ausstellung. Am 6. April verließ er mit seiner in Ofen von ihm und einigen Hilfsarbeitern erbauten Dampfyacht „Das Wellenmädchen“ (Hableány) die ungarische Hauptstadt und lief am 20. Mai in Paris ein. Noch Niemand vor ihm hatte die Wasserbahn von Pesth nach Paris mit einem Dampfer von den Lilliput-Dimensionen des „Wellenmädchens“ ausgeführt. Auch hatten die Reisenden, im Ganzen fünf Personen, nämlich außer dem Grafen ein Herr Alois Folmann aus Pesth und drei Matrosen, mit Sturm und Wetter und sonstigen Unbilden und mit Gefahren mannigfacher Art zu kämpfen. Gleich nach der Abfahrt – am 6. April – brach in Visegrad die Stopfbüchse der Maschine, und die Yacht mußte von dem eben vorbeifahrenden Dampfer „Orsova“ bis Wien remorquirt werden. Von da kam sie zur Ausbesserung auf die Werfte zu Korneuburg und ging am 22. April remorquirt bis nach Frankhofen, dann aber mit eigener Kraft bis nach Paris. Die Fahrt war folgende. Auf der Donau ging es zunächst bis Kehlheim. In Regensburg, wo sich auf der Brücke an 15.000 Menschen als Zuschauer eingefunden hatten, verhütete die Geistesgegenwart des Grafen das erste Unglück. Bei der ungeheueren Strömung daselbst, welche alle Dampfer nöthigt, Pferdehilfe in Anspruch zu nehmen, entstand eine Schwankung, wodurch ein Seil in das Rad der Maschine gerieth. Die Gefahr war augenscheinlich, aber der Graf kappte sofort das Seil und warf ein neues aus, dadurch alle weitere Gefahr beseitigend. Von Kehlheim ging es auf dem Altmühlfluß bis Dittfurt, dann auf dem Ludwigs Canal durch 109 Schleußen über Nürnberg bis Bamberg. Nun wurde die Fahrt auf der Rechnitz, dann auf dem Main abwärts bis Würzburg fortgesetzt und von da in einem Tage die großartige Tour nach Frankfurt, dann weiter nach Mainz, Worms, Mannheim und Straßburg auf dem Rhein gemacht. Letztere Strecke, welche noch nicht regulirt ist, bot immense Schwierigkeiten. Von Straßburg fuhr die Yacht auf dem Rhein-Marne-Canal durch acht Tunnels bis nach Châlons, dann auf dem Canal latéral nach Nancy, von da nach Cumier in der Champagne, die Marne abwärts nach Maux und bei Paris am Pont Napoléon in die Seine. Nun glitt die Yacht, achtzehn Brücken passirend, von dem ungarischen Ausstellungscommissär eingeholt, unter dem fortwährenden Feuer der zwei kleinen Schiffskanonen bis zum Ausstellungspalaste beim Pont Jena, worauf sie als Ausstellungsobject ausgestellt wurde. Während der ganzen Fahrt, in der Dauer von nahezu sieben Wochen, hatten die Reisenden nur drei Rasttage gemacht und waren täglich von 3 Uhr Morgens bis 10 Uhr Abends in Arbeit. Außer dem widrigen Wetter und den bereits gemeldeten Gefahren, gleich bei der Ausfahrt und später bei Kehlheim, überstand das Boot auch glücklich die nicht ungefährliche Passage in den 109 Schleußen des Ludwig-Canals, in dessen 99., welche nur wenig breiter war als das Boot selbst, es nach zwei vergeblichen Versuchen erst bei dem dritten einzulaufen vermochte. Die Tunnels befuhr es bei Fackelbeleuchtung. Bei Straßburg gerieth es in Folge schlechter Leitung des Piloten auf die Sandbank, aber der Graf und seine [239] Begleiter stiegen rasch bis an die Brust ins Wasser, und in einer Viertelstunde war das „Wellenmädchen“ flott und tanzte wieder lustig auf den Wellen. Széchenyi machte diese merkwürdige Fahrt zur Pariser Ausstellung nicht etwa als bloßen Sport, er wollte dem Handel Oesterreichs und Frankreichs einen billigen Wasserweg zeigen. Eben damals hatten die Güter Ybbs und Waidhofen, welche an eine französische Gesellschaft verpachtet waren, derselben bereits Gelegenheit gegeben, 600.000 Centner Bretter per Eisenbahn nach Straßburg zu senden, und ein Verkehr dieser Art, meinte der Graf, könnte ungleich billiger zu Wasser unterhalten werden. Im Jahre 1874 begab er sich nach Constantinopel. Die häufigen und manchmal sehr verheerenden Feuersbrünste in dieser Stadt erweckten in ihm den Gedanken, das dortige Löschwesen zu reorganisiren. Nachdem er die Erlaubniß dazu erhalten hatte, ging er sofort an die Ausführung seiner Idee, und schon nach einem Jahre stand eine tüchtig geschulte Feuerbrigade fertig da, welche noch bei allen Gelegenheiten ausgezeichnete Dienste geleistet hat. Ungeachtet nun der Graf durch seine opferwillige Reorganisirung der türkischen Feuerwehr der Stadt Constantinopel eine unschätzbare Wohlthat erwiesen hatte, wurde er doch nach einem Brande (im November 1876), vor welchem er mit seiner Feuerwehr eine schon sehr bedrohte Moschee geschützt, ohne weitere Förmlichkeit und ohne Angabe eines Grundes seines Postens als Commandant der Feuerbrigade enthoben und derselbe an seinen Stellvertreter übertragen. Der damalige österreichische Botschafter Graf Zichy ließ aber diese Angelegenheit nicht ohneweiters auf sich beruhen, sondern verlangte durch seinen Dragoman Aufschluß über dieselbe bei Mahmud Pascha, der als Director des Artillerie- und Festungswesens auch den Oberbefehl über die Feuerwehrbrigade führte, und Rücknahme des Befehls, welche auch nach Untersuchung des ganzen Vorganges erfolgte. Zwei Jahre später, im Februar 1878, berichteten die Journale, der Graf habe seine Entlassung als Commandant der freiwilligen Feuerwehr in Constantinopel genommen, jedoch muß dies ein falsches Gerücht gewesen sein, da sich derselbe noch im März 1880 auf seinem Posten befand. Bei dieser Gelegenheit wurden allerdings Klagen über die Unregelmäßigkeit in der Auszahlung der Gage gemeldet, zugleich aber hinzugefügt, daß diese Unordnungen schon beglichen seien, daß die türkische Regierung, wie die Constantinopler Bevölkerung die großen Verdienste Széchenyi’s zu würdigen wisse, und daß dessen Erhebung zum General in der türkischen Armee – zu jener Zeit bekleidete er als Feuerwehr-Commandant nur Oberstenrang – demnächst bevorstehe, und thatsächlich ist im Mai d. J. Graf Edmund zum Range eines Pascha in seiner Stellung als Feuerwehr-Commandant erhoben worden. Wie ernstlich der Graf seine Aufgabe auffaßte, erhellt daraus, daß er in diesem Fache schriftstellerisch thätig war, denn er hat folgende Schrift herausgegeben: „Tűzoltás körül tett átalános tapasztatok. Megyék, városok, községek, és különösen az ezekben alakuló tűzoltó egyletek figyelmébe ajánolva“, d. i. Bewährte Erfahrungen über das Feuerlöschwesen. Den Comitaten, Städten, Bezirken und besonders den daselbst entstandenen Feuerlöschvereinen zur Beachtung empfohlen (Pesth 1864, Moriz Rath, 8°., 64 S.). Der Graf ist [240] überdies ein trefflicher Musiker und auch auf seiner Fahrt zur Pariser Weltausstellung im Jahre 1867 befand sich in der reizend ausgestatteten Cajüte des „Wellenmädchens“ ein Harmonium, auf welchem er, wenn er von der Arbeit ausruhte, seinen musikalischen Improvisationen sich hingab. Auch hat er bereits mehrere seiner Compositionen im Druck erscheinen lassen, und zwar: „Ez az élet gyöngy élet. Csiki Csárdás“ (Pesth 1864, Rózsavölgyi); – „Hajós egyleti Polka“ (ebd. 1866); – „Hableány-Polka (l’ondine)“ (ebd. 1867); – „Regatta, Négyes“ (ebd. 1867) und „Pull on Galopp“ (ebd. 1868). Im Mai 1880 befand er sich in Pesth und wohnte am 23. g. M. der Enthüllungsfeier des seinem Vater daselbst gesetzten Denkmals bei. Graf Edmund, Herr der Herrschaften Ságh im Oedenburger und Kehida im Szalader Comitate hat sich zu Gran am 10. Jänner 1864 mit Fräulein Irma von Almay (geb. 19. September 1844), einer Tochter Rudolphs von Almay, Herrn der Herrschaften Almas, Bogyest und Al-Csill im Arader Comitate, und Adelens geborenen Freiin Fellner von Feldegg, vermält, aus welcher Ehe bisher keine Kinder vorhanden sind. Die vom Cardinal-Primas unter zahlreicher Assistenz vollzogene Trauung, bei welcher viele ungarische Magnaten in ihrer reichen und glänzenden Tracht zugegen waren und das Brautpaar in herrlichster Gewandung erschien, gab, wie ein Augenzeuge berichtete, mit seinem imposanten Zuge in den majestätischen Räumen der Graner Basilika ein Bild von den pomphaften Aufzügen vergangener Jahrhunderte. Ein Bildniß der Gräfin Irma nach Marastoni, von Rusz in Holz geschnitten und ein Brustbild, mit einer biographischen Skizze von Emerich Áldor enthält das Pesther Journal „A Divat“, d. i. Die Mode, im zweiten Jahrgange (1867) S. 77. Die Gräfin dürfte wohl auch die 1867 bei L. Kugler in Pesth im Stich erschienenen „6 Romances“, welche für eine Singstimme mit Pianobegleitung componirt sind, verfaßt haben. Es sind folgende Romanzen: 1) „Le Cendrillon“ von Etienne; 2) „Si j’étais petit oiseau“ von Béranger; 3) „Aubade“ vom Grafen Sollotrub; 4) „S’il l’avait su“ von Mme. Desbordes-Valmore; 5) „Maudit printemps“ von Béranger und 6) „Si j’étais Roi“ von Victor Hugo.

Fremden-Blatt. Von Gustav Heine (Wien 4°.) 1862, Nr. 200; 1876, Nr. 324 und 332, und 1880, Nr. 83, in der Rubrik „Tagesneuigkeiten“. – Presse (Wiener polit. Blatt) Local-Anzeiger vom 1. März 1878, Nr. 59. – Magazin für die Literatur des Auslandes. Redigirt von J. Lehmann (Leipzig, 4°.) 1866, S. 70.