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BLKÖ:Svoboda, Rudolph

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
korrigiert
Band: 41 (1880), ab Seite: 74. (Quelle)
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Svoboda, Rudolph (Landschafts- und Thiermaler, geb. in Wien 23. Jänner 1819, gest. ebenda 24. April 1859). Der Sohn einer Wiener Bürgerfamilie, nannte er sich selbst scherzweise ein Kind wohlhabender Eltern, weil diese eine Wollhandlung besaßen. In frühester Jugend hatte er das Unglück, im Hause seines Vaters von einer Stiege zu fallen, wodurch er sich das Rückgrat verkrümmte, was wohl den Grund zu seiner körperlichen Schwächlichkeit gelegt haben mag, in Folge deren ihm nur ein kurzes Leben vergönnt war. Aber in dieser schwachen Hülle lebte ein feuriger Geist und ein großer Hang zur Kunst, der durch die Arbeiten und Erfolge des älteren Bruders Eduard [S. 61] immer neue Nahrung empfing. Das Talent zum Zeichnen und Malen zeigte sich schon im Knaben. Friedrich Schlögl gedenkt in seinem trefflichen Buche „Wiener Blut“, in der Skizze „Ein paar alte Leute“, unserer beiden Künstler, deren Schwager er wurde. Zunächst bildete sich Rudolph unter Mößmer an der Landschaftschule, dann unter dem Thiermaler Dallinger [Bd. III, S. 133] an der k. k. Akademie der bildenden Künste in Wien und ging danach auf Reisen, auf welchen er Oberitalien, Frankreich, die Schweiz und Deutschland besuchte. Mit Vorliebe der Thiermalerei sich widmend, malte er namentlich Kühe mit Meisterschaft, doch führte er auch mit nicht minderem Erfolge Jagdwild und Landschaften mit entsprechender Staffage aus. In der Akademie der bildenden Künste bei St. Anna in Wien trat er 1839 – damals 20 Jahre alt – zum ersten Male mit Arbeiten auf, und nun begegnete man fast in jedem Jahre bis zu seinem 1859 erfolgten Tode seinen Gemälden sowohl in den Ausstellungen daselbst, als auch in jenen von Pesth, Prag und des österreichischen Kunstvereins. 1842 errang er mit einem Bilde – eine Waldpartie mit prächtigem Baumschlag und einer mittelalterlichen Jagdstaffage – die große goldene Preismedaille der k. k. Akademie der Künste in Venedig. Nach der Natur studirte er meist in Ungarn, Tirol und Vorarlberg, aber auch die französischen Meister seines Faches interessirten ihn, und in die besten hat er sich mit großem Fleiße vertieft. So schwächlich er war, überwand er doch durch die seltene Energie des Geistes die Beschwernisse, welche die Ausübung der Kunst seinem Körper auferlegte. Er malte überaus fleißig, und seine Bilder wanderten nach Bremen, Hamburg, Düsseldorf, Wiesbaden, ja nach Amerika, wo sie die Wände und Sammlungen reicher Privatleute schmücken. Auch sonst war sein Denken und Schaffen der Kunst und ihren Interessen zugewendet. Gegen Ende 1848 rief er mit dem Bildhauer Cesar und den Malern Steinfeld [Bd. XXXVIII, S. 87] und Waldmüller den österreichischen Kunstverein ins Leben, der nach mancherlei Wandlungen und im Concurrenzkampfe mit den Ausstellungen des Wiener Künstlerhauses zur Stunde noch fest und die Kunst fördernd dasteht. Im Jahre 1849 schrieb er eine umfassende Abhandlung über die Reform der k. k. Akademie der bildenden Künste in Wien, welche auch [75] im Drucke erschienen ist, deren Titel ich jedoch nicht auffinden konnte. Neben seiner künstlerischen Bildung besaß er auch einen gediegenen wissenschaftlichen Fond, und er kaufte und lag gute Bücher, eine in der Künstlerwelt heut zu Tage nicht zu häufig anzutreffende Erscheinung. Er war Mitglied der k. k. Akademie der bildenden Künste in Wien und gründete um die Mitte der Fünfziger-Jahre behufs geselliger Zusammenkünfte und Wahrung der künstlerischen Interessen den Albrecht Dürer-Verein, der sich viele Jahre hindurch im Hause „zum Strauß“ in der Gumpendorferstraße in Wien versammelte – vielleicht halt er noch heute daselbst seine Zusammenkünfte – und manche herrliche Künstlerfeste gab, denen auch Schreiber dieses wiederholt beiwohnte. Zur Vervollständigung unserer Skizze folgt hier eine Uebersicht derjenigen Bilder Svoboda’s, welche in Ausstellungen zu sehen waren, und zwar in den Jahresausstellungen der k. k. Akademie der bildenden Künste bei St. Anna in Wien: im Jahre 1839: „Thiergruppe“. dieses, wie alle folgenden, Oelgemälde; – 1840: „Zwei Thierstücke“; – 1841: „Pferdestall“; – „Thiergruppe mit einem Hirten in einer idealen Landschaft“– „Kühe auf der Bergweide der Sonnenuntergang“; – 1842: „Ländliche Scenen“; – „Tihány am Plattensee“; – „Die Ueberfuhr zu Tihány am Plattensee“; – 1843: „Kühe in einem Stalle“; – „Viehtränke auf der Alpe“ (80 fl.); – „Ideale Landschaft“; – 1844: „Hirsche in einer Donau-Au“; – „Viehweide“; – „Ideale Waldpartie“; – 1846: „Ein österreichischer Bauernhof“; – „Ein Schafstall“ (250 fl.); – „Ruine der Klosterkirche Heisterbach bei Bonn am Rhein“ (200 fl.); – 1847: „Ideale Landschaft bei Sonnenuntergang mit ruhenden Pilgern“ (400 fl.); – „Ein Schafstall“ (250 fl.); – 1848: „Winterlandschaft mit Jagdstaffage“; – „Rehe“ (Eigenthum des Grafen Wladimir von Mittrowsky); – „Aasgeier mit einer Gemse“; – „Schafe“; – 1850: „Besuch erwartende Sennerinen“; – „Landschaft“ (350 fl.); – „Ein von Wölfen verfolgtes verwundetes Schlachtross“ (350 fl.); – 1858: „Ruhende Heerde auf einer Weide“ (350 fl.); – „Ein gehetzter Hirsch“ (550 fl.); – 1859: „Heimziehende Heerde beim Gewitter“ (400 fl.); – „Kletternde Alpenkühe“ (100 fl.); – in den Monatsausstellungen des österreichischen Kunstvereins, im Jahre 1850: „Landschaft mit mittelalterlicher Staffage“ (250 fl., gekauft vom Brünner Filial-Kunstverein); – „Vorpostengefecht der Peschiera“ (100 fl.); – 1851: „Partie aus dem Bakonyerwalde mit Zigeunern“ (gekauft um 450 fl. vom Vereine, gewonnen von Herrn Sosthenes Niebauer); – „Hochwild an einem Gebirgssee lagernd“ (200 fl.); – „Waldesstille“, das Innere eines Waldes mit Rehen (400 fl.); 1852, im Jänner: „ Heimkehr von der Alpe“ (400 fl., vom Kunstverein angekauft); – im April: „Rudolph von Habsburg begegnet dem Priester am Waldbach. Gewitterlandschaft“ (450 fl.); – im Mai: „Am Plattensee in Ungarn“ (220 fl.); – im November: „Aufgeschrecktes Hochwild“ (120 fl.) beide letzteren vom Kunstverein angekauft; – im December: „Gebirgslandschaft mit Thieren“ (150 fl.); – 1853, im März: „Ein Waldbrand“ (700 fl.); – im April: „Pferdestall“ (220 fl.); – im Juni: „Schafstall“ (360 fl., vom Kunstverein angekauft); – im Juli: „Der Hirsch im Korn“ (120 fl.); – im September: „Aupartie bei Salzburg“ (250 fl.); – 1854, im Jänner: „Viehtrieb durch einen Bach“ (350 fl.); – im Februar: „Sonntagmorgen im Schwarzwald“ [76] (350 fl.); – im April: „Der Stier und die Vogelscheuche“ (180 fl.); – im Juli: „Landschaft aus dem Hochgebirge“ (180 fl.); – im August: „Der Abend im Dorfe“ (250 fl.); – im December: „Sonnenuntergang nach dem Gewitter im Hochgebirge“ (350 fl.); – 1855, im Jänner: „Waldesstille“ (140 fl., vom Kunstverein angekauft); – im April: „Ungarische Bauernpost“ (100 fl.); – im Juli: „Ein Hirsch, seinen Nebenbuhler entdeckend“ (350 fl.); – „Ueberfuhr am Plattensee“ (200 fl.); – im September: „Der Unterberg bei Salzburg“ Aqu. (30 fl.); – im November: „Felsenpartie“ Aqu. (4 Ducaten); – „Baumgruppe“ Aqu. (6 Ducaten); – „Felsenschlucht“ Aqu. (6 Ducaten); – im December: „Wasserfall“ Aqu. (40 fl.); – „Partie aus dem Salzburgischen“ Aqu. (25 fl.); – 1856, im Jänner: „Ein schleichender Fuchs“ (300 fl.); – im Februar: „Bauernhof im Hochgebirge“ (420 fl.); – im März: „Vieh am Bache“ (150 fl.); – im April: „Der Weg von Salzburg nach Aigen“ (200 fl.); – im Mai: „Ziegen auf der Weide“ (80 fl.); – „Esel auf der Weide“ (50 fl., vom Kunstverein angekauft); – im Juni: „Landschaft“ (100 fl.); – im Juli: „Schafe in einem Stalle“ Privateigenthum (300 fl.); – „Ein Hirsch am Seeufer“ (60 fl.); – im December: „Erntescene auf der Puszta“ (100 fl., vom Kunstverein angekauft); – „Das Treten. Erntebrauch auf der Puszta“ (100 fl.); – 1857, im Februar: „Fahrt zur Jagd. Winterlandschaft“ (150 fl.); – „Katzen“ (100 fl.); – im März: „Ein Fuchs“ (80 fl.); – „Kunstfreunde auf der Alpe“ (60 fl.); – im Mai: „Ruhende Thiere“ (200 fl.); – November-December: „Schafe“ (120 fl., vom Kunstverein angekauft); – 1858, im Februar: „Der hohe Göll und die Salzach bei Hallein“ (110 fl.); – im März: „Eine Scheune“ (50 fl.); – „Morgenritt im Park“ (150 fl.); – im April: „Der ungebetene Gast“ (150 fl.); – im Mai: „Schafe auf einem Hügel“ (80 fl.); – im Juli: „Thiere am Brunnen“ (80 fl.); – im November: „Stier und Kuh auf einem Hügel lagernd“ (150 fl.); – 1859, im Jänner: „Thiere auf der Weide“ (500 fl.); – im Mai: „Einlass begehrende Hausthiere“ (des Künstlers letztes Werk) (300 fl.); – in den Kunstausstellungen in Pesth außer mehreren von Wiener Ausstellungen bekannten Bildern: im Jahre 1841: „Kuh und Ziege an einer Quelle“ (angekauft um 40 fl.); – 1842: „Ruine Csesnek mit der Aussicht auf den Martinsberg“ (angekauft um 90 fl.); – 1855: „Ueberfuhr zu Tihány bei Füred“ (angekauft um 200 fl.); – 1857: „Raaber Markt“ (angekauft um 280 fl.); – in der Prager Kunstausstellung, im Jahre 1855: „Der hohe Göhl an der Salzach in Salzburg“ (150 fl.); – 1857: „Junge spielende Katzen“ (100 fl.); – „Winterlandschaft mit Jagdscene“ (150 fl.). – In der Gemäldesammlung des Dr. C. Esterle (Auction, März 1870) befanden sich von unserem Künstler: „Huszaren im Dorfe“ signirt, auf Holz gemalt [Breite 13″ 16′′′, Höhe 11″]; – „Das gestörte Frühstück“ signirt, Carton [Breite 81/2″, Höhe 11″]; – in einer von den Kunsthändlern Miethke und Wawra im März 1870 veranstalteten Auction moderner Meister sah man von ihm „Schafe auf der Weide“, bezeichnet R. Svoboda [Leinwand, Höhe 15″, Breite 18″]; – „Stier und Kuh auf einer Anhöhe“, bezeichnet wie das vorige und von gleichen Dimensionen; – in der XVI. Kunstauction, veranstaltet von A. Posonyi, im Jahre 1869: „Sumpf von Pflanzen umgeben“, treffliche Naturstudie in Oelfarben. Rudolph Svoboda, den wir [77] in den Künstlerlexicis vergeblich suchen, war ein trefflicher Künstler; ein feiner Beobachter der Natur in der Landschaft, wie im Thierleben, verstand er es, das Erfaßte treu und künstlerisch wiederzugeben; er war kein Idealist, kein Stimmungsmaler, er gab die Natur, wie sie leibt und lebt, aber er wußte sie in ihren besten Stunden zu belauschen und immer anmuthige und ansprechende Bilder zu schaffen. Die Blütezeit seines Schaffens fällt in den Anfang der Fünfziger-Jahre. In den letzten Jahren seines Lebens zeigt sich in Folge seiner zunehmenden Kränklichkeit dann und wann auf seinen Bildern künstlerisches Ermatten. 1850 vermälte er sich mit Josepine Schlögl, der Schwester Friedrich Schlögl’s, Verfassers des trefflichen Buches „Wiener Blut“. Sie hatte sich der Bühne gewidmet, mußte sich aber schon nach einigen Jahren in Folge eines Halsleidens, das sie durch Ueberanstrengung sich zugezogen, von derselben zurückziehen.

Kataloge der Jahres-Ausstellung der k. k. Akademie der bildenden Künste bei St. Anna in Wien (8°.) 1839–1844, 1846–1848, 1850, 1858 und 1859. – Monats-Verzeichnisse der Ausstellungen des österreichischen Kunstvereins (Wien, 8°.) 1850; 1851; 1852, Jänner, April, Mai, November und December; 1853, März, April, Juni, Juli und September; 1854, Jänner, Februar, April, Juli, August und December; 1855, Jänner, April, Juli, August, September, November und December; 1856, Jänner, Februar, März, Mai, Juni, Juli und December; 1857, Februar, März, Mai und November-December; 1858, Februar, März, April, Mai, Juli und November; 1859, Jänner und Mai.