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BLKÖ:Supiński, Joseph

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 40 (1880), ab Seite: 331. (Quelle)
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Supiński, Joseph (philosophischer Schriftsteller, geb. zu Romanów bei Lemberg im Jahre 1804). Sein Oheim war der polnische General Joseph Mroziński, der im Jahre 1816 den zwölfjährigen Knaben mit sich nach Warschau nahm, wo derselbe zunächst das Lyceum, dann aber die verwaltungsrechtliche Abtheilung der Alexander-Universität besuchte. 1826 erlangte der Neffe das Doctorat der Rechte und trat bei der Commission für innere Angelegenheiten in den öffentlichen Dienst, in welchem er bis 1830 die Stelle eines Secretärs versah. Als im genannten Jahre die polnische Revolution ausbrach, übernahm er den Posten eines Secretärs bei General Chlopicki [Bd. II, S. 346], trat aber bald darauf in die Dienste der Armee. Nach der Unterdrückung des Aufstandes durch die russischen Bajonnete ging er nach Frankreich, wo er, um sich und seine Familie zu erhalten, als Rechnungsvorstand in der Departementalcasse zu Lyon arbeitete; später aber wurde er Director einer der ansehnlichsten in der Nähe von Paris gelegenen Fabriken. Im Jahre 1844 kehrte er nach Galizien zurück, ließ sich in Lemberg nieder und erhielt in der Sparcasse daselbst die Stelle eines Buchhalters, welche er noch im Jahre 1867 inne hatte. Literatur, Poesie und Nationalökonomie waren ihm von seinen Jugendtagen her eine liebe Beschäftigung geblieben. Insbesondere aber war es die Dichtkunst, die ihn mit ihren Idealen immer wieder aus dem Wirrsal des Lebens herauszog. Als er noch die Universität besuchte, verfaßte er schon das größere Gedicht „Karpaty“, d. i. Die Karpathen, das nachmals durch mehrere Vorlesungen den Gegenstand erläuternder Besprechung des Dichters Casimir Brodzinski [Bd. II, S. 156] bildete. Später widmete er sich dem Drama und schrieb zwei Theaterstücke, deren eines, betitelt „Aries“, Trauerspiel in 5 Acten, auf dem Theater in Warschau zur Aufführung gelangte. Es erschien auch gedruckt (Warschau 1828) und dann noch einmal, zugleich mit dem zweiten Drama „Regulus“ (Lemberg 1861). Nach seiner Rückkehr ins Vaterland im Jahre 1848 wurde er Mitredacteur des „Dziennik narodowy“, d. i. Nationales Tageblatt, schrieb aber zugleich für andere Journale Artikel über die sociale Frage. Doch bald trat er auch mit einem größeren Werke über diesen Gegenstand in die Oeffentlichkeit, welches unter dem Titel: „Myśl ogólna fizyologii powšzechnej“, d. i. Allgemeine Idee einer Physiologie der Gesellschaft (Lemberg 1860, 8°.) erschien und durch die Originalität der Behandlung seines Gegenstandes sich bemerkbar machte. Es ist sozusagen eine Philosophie der Gesellschaft, eine Lehre [332] von der Zusammensetzung der Gesellschaft, ihren Kräften, Arbeiten und Endzielen. Nicht minder bedeutend und originell war das nächste Werk, welches er zwei Jahre nach dem Erscheinen des ersten folgen ließ; es behandelte die nationalökonomische Frage und erschien unter dem Titel: „Szkola polška gospodarštwa spolecznego. Tomi II“, d. i. Polnische Schule der gesellschaftlichen Volkswirthschaft, zwei Bände (Lemberg 1862 und 1865, 8°.). Diese beiden Bände bilden kein abgeschlossenes Ganzes, denn der über die Gleichgiltigkeit des Publicums nichts weniger denn erbaute Verfasser erklärte schon mit dem Erscheinen des zweiten Bandes, daß seine schwindende Gesundheit und Sehkraft ihn hindere, seine gelehrten Arbeiten fortzusetzen.

Rycharski (Łucyan Tomasz), Literatura polska w historyczno-krytycznym zarysie, d. i. Polnische Literatur im historisch-kritischen Abrisse (Krakau 1868, Himmelblau, gr. 8°.) S. 355.
Porträt. Unterschrift: Facsimile des Namenszuges „J. Supiński“. Ohne Angabe des Zeichners und Xylographen. Guter und sehr ähnlicher Holzschnitt.