Zum Inhalt springen

BLKÖ:Stubenberg, Rudolph (I.)

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
korrigiert
Band: 40 (1880), ab Seite: 135. (Quelle)
[[| bei Wikisource]]
Rudolf von Stubenberg in der Wikipedia
Rudolf von Stubenberg in Wikidata
GND-Eintrag: 1031936130, SeeAlso
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Linkvorlage für Wikipedia 
* {{BLKÖ|Stubenberg, Rudolph (I.)|40|135|}}

32. Rudolph (I.) (gest. 1620). Sohn Johanns (VI.) (S. 132, Nr. 23] und Benignas von Schärffenberg. Er wird 1588 als Kämmerer des Erzherzogs Mathias genannt. Durch dieses [136] Dienstverhältniß wurde er später zum Parteimanne seines Fürsten gegen Kaiser Rudolph. In seiner Jugend mochte er in Ungarn gelebt haben, wie wir dies aus einem Bildnisse vermuthen, das ihn in jugendlichem Alter und ungarischem Costum darstellt. Seine erste Frau war die im Jahre 1569 geborene Tochter des Freiherrn Georg Khevenhüller, Elisabeth, welche bald nach ihrer Vermälung starb. Dann ehelichte er die Freiin Katharina aus dem berühmten böhmischen Geschlechte derer von Smiřitz. Diese Verbindung sollte später, als er nach dem Ableben Katharinas im Jahre 1612 in seiner dritten Ehe, mit Justina von Zelking, Vater des Dichters Johann Wilhelm von Stubenberg [S. 132, Nr. 25] geworden war, seinen tragischen Untergang herbeiführen. Durch Katharina von Smiřitz erwarb Rudolph Herrschaft und Stadt Neustadt an der Mettau nächst Josefstadt, während ihr Bruder außer Jičin noch eine Reihe anderer Güter seinem einzigen Sohne Albert hinterließ. Dieser, an dem Prager Fenstersturze betheiligt, fiel am 18. December 1618 bei der Belagerung von Pilsen, als der Letzte des Mannesstammes. Da von Alberts Schwestern Katharina und Salome, vermälten Albert Slavata Herrn von Koschumberg, die Erstere schon von ihren Eltern aus unbekannten Gründen zu Kumburg bei Jičin zwölf Jahre eingesperrt gehalten worden und noch immer daselbst gefangen saß, so trat die Letztere allein die große Erbschaft an. Johann Baron von Wartenberg aber warf sich zum Ritter der Gefangenen auf, erstieg die Kumburg, befreite Katharina, heiratete sie und nahm dann in ihrem Namen von der Herrschaft Jičin Besitz. Im Proceßwege verlor Wartenberg, wurde nach Prag gefordert und da auf Befehl des Winterkönigs eingekerkert. Zugleich schickte derselbe Commissäre nach Jičin, um Katharinen die Herrschaft wieder abnehmen zu lassen. Unter den Abgesandten nun befand sich auch Katharinas Vetter Rudolph von Stubenberg. Während der Inventur im Schlosse sammelte diese eine kleine Schaar Söldner, um die Commissäre zu vertreiben und sich gewaltsam im Besitze des Schlosses zu erhalten. Bei der Vertheilung des Pulvers entzündete sich dasselbe, und es flog am 1. Februar 1620 das Schloß mit Katharina, den Commissären und allen anderen Bewohnern in die Luft. Herr von Wartenberg starb darüber zu Prag vor Schreck und Kummer, aber auch Salome Slavata von Koschumberg erfreute sich nicht lange des Besitzes, denn sie mußte sich nach der Schlacht am weißen Berge flüchten und die Confiscation ihrer Güter über sich ergehen lassen. Jičin erhielt Wallenstein, der nachmalige Herzog von Friedland, dessen Mutter Margaretha eine Frau von Smiřitz war, und er erbaute auf der Stätte des alten Schlosses die großartige neue Residenz, in welcher er nach seiner Absetzung auf dem Kurtage zu Regensburg sein fürstliches Hoflager hielt. Rudolph von Stubenberg wurde unter den Trümmern ohne Haupt aufgefunden, nach Neustadt überführt und daselbst neben seiner Gemalin bestattet. Da er zu den Anhängern des Winterkönigs gezählt hatte, so erfolgte nach der Prager Katastrophe die Confiscation seiner Herrschaft, welche zuerst Graf Trczka, nach dem Egerer Blutbade 1634 aber der an diesem betheiligte Oberst Leslie als Lohn erhielt. [Zeiller (Martin), Topographie von Böhmen, S. 30 und 74, in den Artikeln: „Gitschin“ und „Schmirsitz“. – Porträt. Unterschrift: „Rudolph Herr von Stubenberg auf Kapfenberg, Erbschenk in Steyer, Keysers Rudolphi II. und Mathiae Kammerherr“. Kleines Brustbild in ungarischer Magnatentracht J. Franck sc. Von demselben Kupferstecher ist auch das Bildniß von Rudolphs zweiter Gemalin, mit der Unterschrift: „Katharina Herrin von Stubenberg, geborene Herrin von Smirsiz“, gestochen.] –