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BLKÖ:Stuart, Bernhard

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
korrigiert
Band: 40 (1880), ab Seite: 112. (Quelle)
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Stuart, Bernhard (Mathematiker und Architekt, geb. in Schottland 31. März 1706, gest. in Italien 22. September 1755). Er entstammt einem allen schottischen Geschlechte, dessen Verwandtschaft mit der Königsfamilie Stuart nicht ausgeschlossen bleibt. Sein Vater Johann war Herr von Boys, seine Mutter Anna aus dem alten schottischen Adelsgeschlechte der Gordon. Sein Großvater mütterlicher Seits, Alexander Herzog von Gordon, hielt ihn über die Taufe und gab ihm den Vornamen Alexander. Als der Knabe das zum Eintritte ins Gymnasium erforderliche Alter erreicht hatte, schickte ihn sein Oheim Maurus Stuart, welcher sich in Schottland als apostolischer Missionär aufhielt, mit anderen Jünglingen des schottischen Adels nach Deutschland in ein neuerrichtetes Seminar, wo neben dem Unterrichte in der Religion auch jener in allen anderen Fächern ertheilt wurde. Nachdem Stuart den Lehrcurs daselbst beendet halte, trat er 1725 in das Schottenkloster zu Sanct Jacob in Regensburg, wo er seinen Taufnamen Alexander mit dem Klosternamen Bernhard vertauschte, die Ordensgelübde ablegte und Philosophie und Theologie studirte. Im Jahre 1730 zum Priester geweiht, widmete er sich der Seelsorge, und zwar als Caplan im adeligen Frauenstifte Nonnberg zu Salzburg. In dieser Stellung setzte er seine Studien in anderen wissenschaftlichen, namentlich mathematischen Disciplinen eifrig fort, und bald richtete sich auf den strebsamen jungen Mönch die Aufmerksamkeit der Salzburger Hochschule, die ihm, nachdem er drei Jahre seinen Caplandienst auf dem Nonnberge versehen, im November 1733 das Lehramt der Mathematik übertrug. Der Umstand, daß er seine Wissenschaft, weniger von der theoretischen als von der praktischen Seite, zunächst in Anwendung auf Baukunst zu Lande und zu Wasser, auf Austrocknung der Sümpfe und Moräste, Schleußenbau u. s. w. vortrug, gewann ihm viele Zuhörer und verbreitete seinen Ruf. Im Jahre 1735 übergab er dem Erzbischofe Leopold aus dem Grafenhause Firmian [Bd. IV, S. 234] ein Promemoria, worin er auseinandersetzte: daß dem Lande Salzburg Holzmangel drohe, der nicht blos für den Bergbau insbesondere, sondern auch für die Bevölkerung im Allgemeinen von den tiefsteingreifenden und bedenklichsten Folgen [113] begleitet sein werde: daß sich aber durch den Torf, der aus den umfangreichen Moorgründen des Landes gewonnen werden könne, dem bedrohlichen Holzmangel steuern lasse. Unter Einem würden jene Moorgründe, welche man zur Gewinnung des Torfes ausbeute, ausgetrocknet und in urbares Land umgewandelt werden. Auch die in den Sumpfgegenden durch die schädlichen Dünste verpestete Luft würde durch diesen Wandel der Bodenverhältnisse gereinigt und der Gesundheit der Bewohner, welche in den bestehenden Verhältnissen eine beklagenswerthe sei, zuträglich werden. Stuart machte sich nun anheischig, alle Moorstrecken unentgeltlich auszutrocknen, wenn man ihm die Moorerde, den Torf, als Eigenthum überlasse. Nur fügte er die Bedingung hinzu, daß, wenn auch Private Moorland besäßen, es ihm allein gestattet sein solle, die wegzuräumende Moorerde entweder selbst zu verbrauchen oder nach seinem Belieben zu veräußern. Der Erzbischof nahm diesen Plan mit Freuden auf, verlangte jedoch, daß Stuart vorerst an dem großen Wildmoos, welches vom Fuße des Untersberges bis an die Riedenburg sich erstreckt, einen Versuch mache. Inzwischen aber sollte es Niemand gestattet sein, auf eigenem (!) Moorgrunde selbst auf Torf zu graben. Es wurde Stuart unterm 28. April 1735 ein förmlicher Lehenbrief ausgestellt, welcher in Koch-Sternfeld’s „Historisch-staatsökonomischen Notizen über Straßen- und Wasserbau des Herzogthums Salzburg“ (S. 120) abgedruckt steht. Ungeachtet aber Stuart Alles erreichte, was er gewünscht, machte er doch von der ihm verliehenen Belehnung keinen Gebrauch, und so beschränkt sich sein Verdienst nur darauf, die erzbischöfliche Regierung aufmerksam gemacht zu haben, daß aus den Moorgründen ein Brennstoff gewonnen werden könne, was jedoch erst Jahrzehnte nach seinem Ableben und auch da nichts weniger als systematisch zur Ausführung gelangte. Der Fürsterzbischof aber ernannte den jungen Priester – dieser zählte damals 30 Jahre – zum geistlichen Rathe und zum Director aller öffentlichen Bauten, namentlich aber des Schlosses Leopoldskron, dieses Prachtbaues, welcher im Jahre 1736 von Fischbach – wohl dem Stammvater der Künstlerfamilie Fischbach – vollendet worden. Ueberdies behielt Stuart seine Stelle an der Universität bis zum J. 1741 bei, ohne jedoch ordentliche Vorlesungen noch zu halten, indem er daran sowohl durch die praktischen Arbeiten, welche ihm in Salzburg vermöge seines neuen Amtes oblagen, als durch die starke Inanspruchnahme seiner Baukenntnisse von Seite des Adels aus der Umgebung und dem Auslande verhindert wurde. Im Jahre 1742 folgte er einem Rufe nach St. Petersburg, wo einer seiner Brüder die Würde eines Feldmarschalls bekleidete. Den Antrag, an den russischen Schulen das Studium der Mathematik, das noch viel zu wünschen übrig ließ, zu überwachen und auf eine höhere Stufe zu bringen, lehnte er ab, da seine nicht allzu feste Gesundheit das rauhe nordische Klima nicht vertrug. Er kehrte daher nach Deutschland zurück. Im folgenden Jahre, 1743, wurde er Abt in seinem Stifte, über welches seit einem Jahrhundert immer nur Administratoren gesetzt waren. Zauner’s „Chronik von Salzburg“ berichtet Seite 480, „daß er 1743 zum Abt seines Stiftes erwählt und vom Erzbischof und Kurfürsten von Mainz zum Abte ernannt worden“. [Was ist das Richtige, denn beides kann füglich [114] nicht gelten, erwählt oder ernannt?] Im Jahre 1755 begab er sich seiner geschwächten Gesundheit wegen nach Ferrara, wo aber selbst die Kunst des berühmten Arztes Tosto ihm nicht zu helfen vermochte. Da es mit seiner Gesundheit immer schlimmer ging, berief er seinen Bruder, welcher Prior bei den Schotten in Würzburg war, zu sich. Von diesem wurde er auf seiner Reise nach Rom begleitet, wo er bei dem päpstlichen Stuhle einige Angelegenheiten in Betreff der schottischen Missionsanstalt und seines eigenen Klosters zu betreiben hatte. Aber er erreichte Rom gar nicht, sondern starb auf der Reise dahin, erst 49 Jahre alt. Stuart erwarb sich um Salzburg manches Verdienst. Nach Zauner soll sogar das Schloß Leopoldskron, als dessen Erbauer wir oben Fischbach bezeichnet haben, sein Werk gewesen sein. Klesheim bei Salzburg wurde durch ihn wesentlich verschönert. Auch brachte er im Jahre 1738 für Salzburg eine neue Wasserleitung, welche vom Untersberg aus die Stadt mit Wasser versorgen sollte, in Antrag, welcher indeß unberücksichtigt blieb. Lorenz Hübner gibt im ersten Theile seiner „Beschreibung von Salzburg“ (S. 173 und 275) Nachricht von Stuart’s Uhr in der Winterresidenz und von dessen im Chiemseer Hofe zu Salzburg aufgestellter Sonnenuhr mit der Aufschrift: „Memorare novissima“. Füßli meldet in seinem „Künstler-Lexikon“ (Zürich 1810) Seite 649 kurzhin, daß Stuart zu Augsburg die Wassergebäude untersucht und im Jahre 1739 bei den Jesuiten den stattlichen Schauspielsaal gebaut habe, welchen später Joseph Georg Bergmüller mit schönen Fresken ausschmückte.

Zauner (J. Th.), Verzeichniß aller akademischen Professoren zu Salzburg von 1728 bis 1811 (Salzburg 1811, Mayr, 8°.) S. 17 und 18.