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BLKÖ:Straßer (Henker)

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 39 (1879), ab Seite: 277. (Quelle)
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5. Noch führt den Namen Straßer eine traurige Berühmtheit. Näheres über dieselbe schrieb Jokai [Bd. X, S. 246] als politischer Flüchtling unter dem Pseudonym Sajó. Dieser Straßer war ursprünglich ein vermögender Handelsmann in Pesth, verlor aber in Folge widriger Schicksalsschläge allmälig sein ganzes Hab und Gut, so daß er zur Fristung seines Lebens sich genöthigt sah, als Marketender mit den Truppen in den französischen Revolutionskrieg zu ziehen. Das Geschäft war einträglich, und er kehrte nach dem Einmarsche der Alliirten in Paris als wohlhabender Mann in seine Heimat zurück. Aber das Wandern hatte ihm nicht nur zu Vermögen verholfen, sondern auch den Hang zu einem wüsten, regellosen Leben in ihm geweckt, welches er in Pesth so lange fortsetzte, bis er wieder als Bettler dastand. Um diese Zeit verliebte er sich in ein schönes Mädchen, in die Tochter des – Scharfrichters. Der ehemalige Handelsmann und Marketender wurde nun der Eidam des Henkers, dann Gehilfe und zuletzt Nachfolger desselben. Als solcher hatte er die traurige Aufgabe, am 6. October 1849 an neun von den dreizehn Opfern von Arad sein Henkeramt zu üben. Indem nämlich Dessewffy, Kiß, Oberstlieutenant Lazar und Schweidel den Soldatentod durch Erschießen fanden, wurden Aulich, Damianich, Knezich, Lahner, Leiningen, Nagy Sándor, Pöltenberg, Török und Vecsey durch den Strang hingerichtet. [278] Seit dieser Execution ging mit dem Henker Straßer allmälig eine große Veränderung vor sich. Er verfiel endlich in Tiefsinn. Die letzte Zeit verlebte er als Pfründner in Pest, und an einem Maitage des Jahres 1868 fand man den siebzigjährigen Henker Straßer entseelt im Garten des Elisabetheums daselbst. Er hatte sich selbst den Tod gegeben. [Neues Familien-Journal (Wien, 4°.) 1868, Nr. 44: „Ein Henkerleben“. – Neues Wiener Tagblatt, 1868, Nr. 142: „Ueber den Selbstmord des früheren Scharfrichters Straßer“. – Fremden-Blatt. Von Gustav Heine (Wien, 4°.) 1868, Nr. 141. – Süddeutsche Post (Klagenfurter polit. Blatt) 1868, Nummer vom 28. Mai.] –