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BLKÖ:Steiner Edler von Pfungen, Joseph

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 38 (1879), ab Seite: 71. (Quelle)
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Steiner Edler von Pfungen, Joseph (Doctor der Arzneikunde, Gubernialrath und Protomedicus bei dem k. k. Gubernium zu Brünn, geb. zu Sternberg in Mähren am 26. April 1767, gest. zu Brünn in Mähren am 2. Juni 1836). Sein Vater war ein fürstlich Liechtenstein’scher Beamter. Im Jahre 1776 begann Steiner seine Studien zu Brünn, ging mit der nach Olmütz übersetzten Universität dahin und folgte endlich seinem älteren Bruder Franz nach Wien, um gleich diesem die Arzneikunde zu studiren. Barth, Jacquin, Stoll glänzten damals an der Wiener Hochschule, und bald gewann Steiner ihr [72] ganzes Wohlwollen. Barth wollte ihm zur Professur der Anatomie an der Universität in Lemberg verhelfen, Steiner lehnte diesen Antrag ab. Er wurde Stoll’s Hausgenosse, Freund, ja einem Sohne gleichgehalten, verlor ihn jedoch nur zu bald und ging, mit 21 Jahren (1788) Doctor der Arzneikunde geworden, zu seinem Bruder Franz nach Wischau in Mähren. Noch während seines Aufenthaltes als Studirender in Wien machte ihm ein vermöglicher Amerikaner den Antrag, ihm unter sehr günstigen Bedingungen nach Amerika zu folgen; Steiner aber lehnte diesen Antrag ab, ebenso wohl aus Anhänglichkeit an sein Vaterland, wie an seine Familie. Als Steiner seinen Bruder in Wischau besuchte, war es ganz und gar nicht seine Absicht, dort seinen bleibenden Aufenthalt zu nehmen; aber allmälig waren ihm die Verhältnisse lieb geworden, und so übernahm er 1792 das Physicat der Stadt und Herrschaft Wischau, verheirathete sich (1795) mit der Tochter eines vermöglichen Bürgers der Stadt, und setzte seine in Wien begonnene und sich immer mehr ausbreitende ärztliche Praxis fort. Beunruhigt durch die kriegerischen Zeiten, vertauschte er im Jahre 1799 seinen bisherigen Aufenthalt in Wischau mit Brünn. Hier begann sein Wirken jene Ausdehnung zu erlangen, in welcher sein Geist und seine Thatkraft sich gehörig entfalten konnten. Der letzte Monat des Jahres 1805 füllte nach der blutigen Schlacht bei Austerlitz die Stadt mit zahllosen Verwundeten und Kranken. Steiner erbot sich sogleich zur Hilfe und übernahm nach und nach sechs Spitäler, zugleich aber auch die ärztliche Behandlung, verheimlichte verwundete Russen, die mit großer Gefahr vor den Franzosen verborgen gehalten werden mußten. Die unausbleibliche Folge solcher ungeheueren Anstrengung war, daß Steiner selbst erkrankte; kaum genesen, erhielt er (1806) den Auftrag, die Anstalten des ganzen Landes ärztlich zu untersuchen; eine Maßregel, welche durch die schreckliche Epidemie, welche damals herrschte, für die Kranken des Civil nöthig geworden war. Diese neue Anstrengung bei geschwächtem Körper hatte eine neue schwere Krankheit zur Folge, von der er endlich genas – glücklicher als sein Bruder Franz, Physicus des Strafhauses in Brünn, welcher ein Opfer der Epidemie wurde. In Würdigung seiner Verdienste und seines opferwilligen Verhaltens bei so lebensgefährlichen Diensten verlieh ihm Seine Majestät der Kaiser die Würde eines kaiserlichen Rathes (1808), Im Jahre 1810 trat er als Physicus der allgemeinen Versorgungs-Anstalten in den Staatsdienst, und erhielt im Jahre 1813 noch das Ehrenamt eines Oberdirectors dieser Anstalten, in welcher Eigenschaft er die Schrift „Vollständige Anzeige alles dessen, was zur bestimmten Kenntniss der vereinigten Armenversorgungs-Anstalten in Olmütz und Brünn führen, und jeden in den Stand setzen kann, über die mancherlei Arten der Aufnahme in die verschiedenen Institute sich selbst zu belehren“ (Brünn 1814) veröffentlichte, deren Zweck im Titel deutlich ausgesprochen, im Texte getreu erfüllt ist. Im Jahre 1817 wurde er, der einige Zeit früher schon als ordentliches beisitzendes Mitglied der k. k. mährisch-schlesischen Gesellschaft zur Beförderung des Ackerbaues, der Natur- und Landeskunde angehörte, Versuche zur Vorbeugung des Ausbruches der Löserdürre beim Rindvieh angestellt, und deren Ergebnisse [73] in einer Druckschrift, betitelt: „Heil- und Schutzcur der Löserdürre, auf eigene Erfahrungen und Versuche gegründet“ (Brünn 1817), niedergelegt hatte, zum Kanzler (Directors-Stellvertreter) dieser Gesellschaft gewählt, welche Stelle er neun Jahre bekleidete. Während dieser Zeit richtete er das von dem Gouverneur Anton Grafen Mittrowsky gegründete Franzens-Museum ein, förderte das Gedeihen des meteorologischen Vereines und wirkte in Gemeinschaft mit dem Director Hugo Altgrafen Salm [Bd. XXVIII, S. 140] und dem Secretär Christian Karl André [Bd. I, S. 35] für den Aufschwung der Gesellschaft nach allen ihren Seiten. Endlich, nachdem er seit Jahren schon wiederholt nebst allen seinen übrigen ausgebreiteten Arbeiten auch das Sanitätsreferat des Guberniums versehen hatte, verlieh ihm der Kaiser im Jahre 1824 die erledigte Stelle eines Gubernialrathes und mährisch-schlesischen Protomedicus, welche er bis zu seinem Tode bekleidete. In diese Zeit fielen die erdrückenden Geschäfte, welche der erste Ausbruch der Cholera-Epidemie (1831) veranlaßte, wo die Anschauungen über die Natur dieser Krankheit bei den Aerzten und den Laien, sowie bei der Staatsverwaltung, noch keine Klarheit und Festigkeit gewonnen hatten. Der einzelnen, durch seinen Beruf entstandenen Schriften, wurde bereits gedacht. In früherer Zeit huldigte S. auch fleißig der schönen Literatur, und außer mehreren kleineren Arbeiten in mährischen Taschenbüchern veröffentlichte er selbständig die romantischen Erzählungen: „Louise Maar oder die Thurmuhr von Rauhenstein“ 2 Bände (Wien, Haase); – „Der alte Flock ...“ (ebenda); – „Warnende Bilder des stillen Thalbewohners“ (ebd.); versuchte sich auf dramatischem Gebiete, und brachte ein Stück „Die Leimruthe“ auf der Brünner Bühne zur Aufführung. Schon früher Mitglied der medicinischen Facultät an der Universität in Wien, wurde er nach und nach zum wirklichen Mitgliede der landwirthschaftlichen Gesellschaft in Wien, zum Ehrenmitgliede und später Assessor der Societät für gesammte Mineralogie in Jena, zum Ehrenmitgliede der schlesischen Gesellschaft für vaterländische Cultur in Breslau, der märkischen ökonomischen Gesellschaft in Potsdam u. s. w. gewählt. Seine in den oberwähnten amtlichen Stellungen erworbenen Verdienste wurden von Seiner Majestät dem Kaiser im Jahre 1820 durch die Erhebung in den Adelstand mit dem Prädicate Edler von Pfungen (dem Namen des ehemaligen Besitzthums eines adeligen Schweizergeschlechtes der Steiner bei Zürich) belohnt. Aus seiner Ehe mit Katharina geborenen Perautka, hinterließ Steiner zwei Söhne, von welchen der ältere, Eduard, Ministerialrath bei dem Ministerium des Innern in Wien, der jüngere, Wilhelm, Hofrath bei dem österreichischen Oberlandesgerichte wurde. – Ersterer wurde im Jahre 1874 jubilirt, und in Würdigung der Verdienste, welche er sich bei Abwicklung der Geschäfte über die Vergütung der Kriegsschäden aus dem Jahre 1866 erworben, mit ah. Entschließung vom 28. Jänner 1873 in den Freiherrenstand erhoben.

Oesterreichische National-Encyklopädie von Gräffer und Czikann (Wien 1837, 8°.) Bd. V, S. 140 – Schrader-Hering, Biographisch-literarisches Lexikon der Thierärzte aller Zeiten und Länder (Stuttgart 1863, Ebner und Seubert. Lex.-8°.) S. 409. – Medicinische Jahrbücher des k. k. österreichischen Staates (Wien, 8°.) 12. Bd. [74] (1837): „Nekrolog“. – Neuer Nekrolog der Deutschen (Weimar 1838, B. F. Voigt, 8°.) XIV. Jahrg. 11836), Bd. II, S. 911, Nr. 293. – d’Elvert (Christian von), Geschichte der k. k. mähr.-schles. Gesellschaft zur Beförderung des Ackerbaues, der Natur- und Landeskunde mit Rücksicht auf die bezüglichen Culturverhältnisse Mährens und Schlesiens (Brünn 1870, gr. 8°.) S. 114, 157, 190, 225, 239, 243, 399 und in den Beilagen S. 130.
Wappen der Freiherren von Pfungen. Mit ah. Entschließung ddo. Theresienstadt 7. Juni 1820 erhielt der Arzt Johann Steiner den Adelstand mit dem Prädicate und Ehrenworte „Edler von Pfungen“; sein Sohn Eduard mit Diplom ddo. 7. Juni 1373 den Freiherrenstand. Das freiherrliche Wappen zeigt einen gevierten Schild mit Herzschild. Dieser letztere ist silbern und von drei oben gewölbten Querbalken durchzogen. Hauptschild. 1. In Blau ein pfahlweise gestellter, von einer Schlange vierfach einwärts umwundener goldener Aesculapstab. 2. und 3. Das silberne Feld durchzieht ein rother, mit vier Rauten hintereinander durchbrochener schrägrechter Balken. 4. In Blau ein goldener Felsenberg, überstiegen von einem goldenen Sterne. Auf dem Hauptrande des Schildes ruht die Freiherrenkrone mit drei gekrönten Turnierhelmen. Die Krone des mittleren Helmes trägt einen offenen, rechts von Gold über Blau und links von Roth über Silber quer getheilten Adlerflug, welchem eine silberne Raute eingestellt ist. Aus der Krone des rechtsseitigen Helmes gehen zwei Büffelhörner mit von einander gekehrten Mundlöchern hervor; das rechte ist von Silber über Blau und das linke von Grün über Silber quer getheilt; dazwischen steht ein nach innen gekehrter, wachsamer Kranich. Aus der Krone des linksseitigen Helmes wächst ein natürlicher Weinstock. Die Helmdecken des rechten Helmes sind rechts blau, links grün, beiderseits mit Silber unterlegt; des mittleren rechts blau mit Gold, links roth mit Silber unterlegt; des linken Helmes beiderseits blau mit Gold unterlegt. Schildhalter. Zwei gegengekehrte, goldene, rothbezungte Greifen. Devise. Unter den Greifen verbreitet sich eine Goldarabeske, welche ein blaues Band trägt, worauf in goldener, gothischer Schrift „Treu der Pflicht“ zu lesen ist.