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BLKÖ:Steinbach von Kranichstein, Otto

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Steinacker (Maler)
Band: 38 (1879), ab Seite: 47. (Quelle)
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Steinbach von Kranichstein, Otto (Abt des Cistercienser-Stiftes Saar in Mähren, geb. zu Rosenberg in Böhmen am 13. November 1751, gest. in Wien 19. Febr. 1791). Entstammt einer [48] alten deutschen, nachmals nach Böhmen übersiedelten Familie, über welche die Quellen auf S. 50 Näheres enthalten, S. ist ein Sohn des Anton Thaddäus S. von Kranichstein, Oberstwachtmeisters in der kaiserlichen Artillerie, und der Barbara Logov von Netky. Seine Taufnamen waren Thaddäus Nepomuk Bonifacius, welche er später mit dem Klosternamen Otto vertauschte. Im Jahre 1769 trat er zu Saar in Mähren in den Cistercienser-Orden, legte 1770 die Ordensgelübde ab und hörte nun im Kloster die philosophischen, in Prag aber seit 1774 in dem damaligen Ordensseminar zu St. Bernhard die theologischen Studien. Im Jahre 1775 erlangte er die Priesterweihe und wurde nun sofort zum Secretär und Stiftsarchivar, im J. 1782 aber, obgleich er erst 31 Jahre zählte, zum Abt des Stiftes gewählt. Nach kaum zweijähriger Leitung desselben traf ihn das Loos des Brandes und die Aufhebung (1784) des Stiftes, worauf seine Ernennung zum geistlichen Rath und Referenten in geistlichen Angelegenheiten in Prag erfolgte. Auf diesem Posten blieb Steinbach bis an sein Lebensende thätig. Dieses aber war schon im Jahre 1791 eingetreten, in welchem S. im schönsten Mannesalter von erst 40 Jahren dahingerafft wurde. Als Archivar und Abt war Steinbach ein rastloser Förderer der Landesgeschichte, und wurde darin von dem Iglauer Forscher Johann Heinrich Marzy [Band XVII, S. 74] auf das fleißigste unterstützt. Auch in Prag, als geistlicher Referent, widmete er alle Muße, die sein amtlicher Beruf ihm übrig ließ, historischen Arbeiten und der Sammlung von Materialien zur Geschichte Mährens. Damals geschah es, daß er das Vertrauen eines anderen Forschers mißbrauchte. Franz Joseph Schwoy[WS 1] [Bd. XXXIII, S. 195] nämlich hatte ihm eine Topographie Mährens übergeben, welche S. durchzusehen und die ihm darin vorkommenden Unrichtigkeiten zu verbessern versprach. Der Prälat ging aber weiter. Ohne Schwoy[WS 2] zu fragen, eigenmächtig die geschichtlichen Theile der Einleitung weglassend, gab er ohne Angabe des Autors das Werk im Drucke heraus. Diesen literarischen Gewaltstreich abgerechnet, hat Steinbach in verdienstlichster Weise gewirkt und mehrere als Quellenschriften noch heute brauchbare Werke veröffentlicht. Die Titel derselben sind: „Nomina religiosorum in Mio fontis S. Mariae prope Zaram“ (Pragae 1781, 8°.); – „Epitome memorabilium hujus monasterii pro usu domestico“ (Brunae 1781); – „Kurze Geschichte des Markgrafenthums Mähren, für die Jugend der auf den Saarer Stiftsgütern und in der Grafschaft Gross-Meseritz errichteten k. k. Normalschulen, aus den besten Schriftstellern gesammelt.“ (Prag u. Wien 1783, 8°.), erschien im nämlichen Jahre auch in čechischer Sprache; die dabei befindliche Landkarte hat Steinbach selbst gezeichnet; – „Diplomatische Sammlung historischer Merkwürdigkeiten aus dem Archive des gräflichen Cistercienserstiftes Saar in Mähren“ 2 Bände (Wien und Leipzig 1783, 8°.); diese als Quellenwerk noch immer brauchbare Sammlung, enthält eine historisch-genealogische Abhandlung über die Stifter des Klosters Saar, die Grafen von Berneck und Nidda, dann Herrn von Kunstadt und Podiebrad; weiter die Geschichte des Klosters mit steter Rücksicht auf die Landesgeschichte und die Geschichte der Cistercienser-Klöster Mährens; – „Urkundenbuch zur diplomatischen Sammlung historischer [49] Merkwürdigkeiten aus dem Archiv des Stiftes Saar in Mähren“ (Prag und Wien 1784, 8°.); – „Lexikon aller in den österreichischen Staaten wirklich bestehenden landesfürstlichen Verordnungen und Gesetze im geistlichen Fache. Gesammelt und geordnet von O. S. v. K.“ (Prag 1790, 8°.); nur mit den eben angegebenen Initialen seines Namens hat Steinbach seine Autorschaft dieses Lexikons angedeutet; in den „Abhandlungen der böhmischen Gesellschaft der Wissenschaften“: „Ueber die in Mähren gefundenen römischen und griechischen Münzen“ [1786] und „Versuch einer Geschichte der alten und neuen Toleranz in Böhmen“ [1785]. Außer einer zahlreichen Kupferstich- und Büchersammlung, welche 1791 in Katalogen verzeichnet und öffentlich zu Prag veräußert wurden, hinterließ Steinbach Sammlungen von Gegenständen und historischen Daten, Diplomen u. s. w., den Cistercienser-Orden und die Cistercienser-Klöster in Böhmen und Mähren betreffend, in chronologischer Ordnung, mit Urkunden von eigener Hand sehr nett geschrieben und sauber von seiner Hand gezeichneten Sigillen versehen, zehn Foliobände, welche nach seinem Tode das Cistercienser-Stift Ossek in Böhmen, und einige weitere Bände der 1842 als Oberstkanzler verstorbene Graf Mitrowsky, gekauft haben. Manches zur Charakteristik Steinbach’s erfahren wir aus der „Oesterreichischen Biedermannschronik“: so z. B. „daß Steinbach, um die Aufnahme und Verbreitung der deutschen Sprache zu befördern, die Normalschule eingerichtet habe. Sein oben erwähntes Werk „Diplomatische Sammlung historischer Merkwürdigkeiten u. s. w.“ hatte er noch bei Lebzeiten seines Vorgängers in der Prälatenwürde vollendet, aber es nicht für rathsam gehalten, es drucken zu lassen. Denn der Prälat Otto Logov von Netky sammelte Marienbilder und hatte deren mehrere tausend zusammengebracht, S. aber hatte in dem oben bezeichneten Werke die Fabel, daß nämlich Maria dem Gründer dieses Stiftes, Bozko Grafen von Berneck und Burggrafen von Znaym, über einem Brunnen, an dem Orte, wo dermal im Kreuzgang, dem Refectorium gegenüber, eine Fontaine steht, persönlich erschienen sei, ganz weggelassen, worüber er auch sofort als Ketzer und Freidenker erklärt wurde. In seinem Convente, meldet die „Biedermannschronik“, nahm er mancherlei nützliche und große Veränderungen vor. So schickte er zur wissenschaftlichen Ausbildung sieben Stiftsgeistliche auf die Prager Universität, gab den Mönchen Correpetitoren, hielt sie, jeden nach seiner Fähigkeit, zu Studien und Arbeiten an, unterstützte die Lernbegierigen, beförderte die Tüchtigen, setzte die Faullenzer zurück und schaffte das nächtliche Chorsingen ab. Dergleichen Reformen erregten freilich viel Aufsehen, in manchen Kreisen auch Unwillen; aber Steinbach ließ sich dadurch nicht beirren und handelte, unbekümmert um den Lärm der Zeloten, nach seiner Einsicht und Ueberzeugung, und hat sich dadurch das Andenken eines aufgeklarten Prälaten aus der Josephinischen Periode erworben und erhalten.

Oesterreichische National-Encyklopädie von Gräffer und Czikann (Wien 1837, 8°.) Bd. V, S. 138. – Abhandlungen der königlich böhmischen Gesellschaft der Wissenschaften aus dem Jahre 1795. – Brünner Wochenblatt 1825, S. 301. – Meusel (Johann Georg), Lexikon der vom Jahre 1750 bis 1800 verstorbenen teutschen Schriftsteller (Leipzig 1813, Gerh. Fleischer d. Jüng., 8°.) Bd. XIII, S. 326.
[50] Porträt. Unterschrift: „Otto Steinbach a Kranichstein | Celeberr. et Antiquiss. Coenobii Zarensis | Ordinis Cisterciensis Abbas, Marchionatus | Moraviae Praelatus Infulatus ec. ec. | Amico suo Professor Zlobicky“. Caspar pinx. J. E. Mansfeld sc. 1783.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: Franz Joseph Schwarz.
  2. Vorlage: Schwarz.