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BLKÖ:Starhemberg, Rüdiger (VII.)

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
korrigiert
Band: 37 (1878), ab Seite: 191. (Quelle)
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64. Rüdiger (VII.) (gest. 24. Juni 1480), ein Sohn Gundakars (VII.) und Elisabeths von Hohenberg. Mit Erzherzog Friedrich, nachmaligem Kaiser, unternahm Rüdiger eine Wallfahrt nach Palästina. Bei Kaiser Albrechts II. Leichenfeier trug er das Scepter des Königreichs Böhmen. Im Jahre 1441 wurde Rüdiger Landmarschall in Oesterreich und im Jahre 1451, als Kaiser Friedrich nach Rom reiste, um die Kaiserkrone von Papst Nicolaus V. zu empfangen, Mitglied der von dem Kaiser während seiner Abwesenheit eingesetzten Regentschaft, die jedoch nur von kurzer Dauer war, da ein großer Theil der Landstände den Umstand, daß der Kaiser ohne Rath und Einwilligung der Stände bloß aus dem Heerstande und mit Ausschließung der Prälaten, des Adels und der Städte diese Regentschaft eingesetzt, benützte und eine andere einsetzte, an deren Spitze Ulrich von Eyzing gestellt wurde. Rüdiger hielt aber treu zum Kaiser, alle Anträge der rebellischen Stände ablehnend. Als nun diese von dem Kaiser forderten, daß er ihnen sein Mündel, den König Ladislaus Posthumus, ausfolge, und da der Kaiser als Vormund dieses Verlangen nicht erfüllte, lehnten sich die Bürger Wiens, durch Ulrich von Eyzing und den Grafen von Cilli aufgeregt, gegen den Kaiser auf und belagerten ihn in seiner Burg. In dieser gefährlichen Lage war, wie Papst Silvius berichtet, „Rüdiger von S. der Einzige, dem der Kaiser seine Befreiung von den Waffen der Aufrührer verdankte“. Mit 2000 Mann, die er auf eigene Kosten gesammelt, eilte er dem Kaiser zu Hilfe. Im Jahre 1453 wurde Rüdiger Rath und Kämmerer des Königs Ladislaus Posthumus, und 1457 an die Spitze der Gesandtschaft gestellt, welche an den Hof von Frankreich zog, um die Prinzessin Magdalena, Tochter König Karls VII. von Frankreich, als Braut des Ladislaus abzuholen. Da aber, während die Gesandtschaft am königlichen Hofe sich befand, Ladislaus starb, so blieb diese Sendung erfolglos. Des Königs Ladislaus Tod brachte Uneinigkeit zwischen Kaiser Friedrich und seinem Bruder Albrecht VI. hervor. Diese Feindseligkeit drohte in öffentliche Gewaltthätigkeit auszubrechen, da war es nun Rüdiger von Starhemberg, welcher auf dem Landtage zu Tuln 1462 die Streitigkeiten zwischen den beiden fürstlichen Brüdern beilegte. Auch als Mathias Corvinus erschien und viele Herren und Edle Oesterreichs sich demselben ergaben, hielt Rüdiger treu zum Kaiser. Auch sonst noch wirkte Rüdiger in verschiedenen Streitfällen jener Tage vermittelnd und versöhnend. Auf der Bittschrift an Papst Paul II. um Heiligsprechung des Herzogs Leopold von Oesterreich ist auch Rüdiger unterzeichnet. Interessant ist das dem Rüdiger, seinen Vettern Ulrich, Hans und Kaspar und ihren Erben mit Diplom vom Margarethenberge 1467 verliehene Privilegium, roth zu siegeln. Denn in jenen Tagen siegelten Kaiser, Könige, Fürsten mit weißem Wachs, von den Herzogen von Oesterreich siegelte Herzog Rudolph im Jahre 1364 zuerst mit rothem Wachs, Grafen und Freiherren mit gelbem oder grünem und der niedere Landadel mit schwarzem. Nur besondere kaiserliche Gnade gewährte das Vorrecht, roth siegeln zu dürfen. Erst mit Einführung [192] des spanischen Wachses hörte dieses Vorrecht der Siegelfarbe auf. Auch seine Hausmacht vermehrte Rüdiger durch Erb- und andere Verträge in ansehnlicher Weise. Eine Haupterwerbung war jene der Herrschaft Wolfgerstorf im Jahre 1423 durch Herzog Albrecht, nachmaligen Kaiser Albrecht II. Rüdiger war seit 1431 mit Christine von Puchheim vermält, welche ihm fünf Söhne und drei Töchter gebar, von denen alle, mit Ausnahme Rüdigers (VIII.), jung starben. Dieser starb auch bereits 1476, also vier Jahre vor seinem Vater, und sein mit Margaretha von Pottendorf 1463 erzeugter Sohn Georg starb, erst 18 Jahre alt, 1481, ein Jahr nach des Großvaters und fünf Jahre nach des Vaters Tode. –