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BLKÖ:Spaun, Joseph Freiherr (Vater)

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
korrigiert
Band: 36 (1878), ab Seite: 80. (Quelle)
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Spaun, Joseph Freiherr, der Vater (Staatsbeamter, geb. zu Linz 11. Nov. 1788, gest. ebd. 25. Nov. 1865). Ein Sohn Franz Xaver Ritter von S. [in den Quellen S. 84], ständischen Syndikus in Oberösterreich, aus dessen Ehe mit Josepha von Steyrer, verwitweten Heretmüller. Spaun’s Jugendjahre fallen in eine denkwürdige, inhaltsschwere Zeit. Bei dem Brande, der im Jahre 1800 Linz heimsuchte, verloren die Eltern die ganze Habe, und im nämlichen Jahre rückten die Franzosen in Linz ein. Im Jahre 1798 war Joseph in die lateinische Schule eingetreten, 1804 begann er das Studium der Philosophie, und war noch so glücklich, den Vortrag des begeisterten Schneller [Bd. XXXI, S. 45] zu hören. Bei Ausbruch des Krieges 1805 wollte S. in die kaiserliche Armee eintreten, was aber sein Vormund nicht zugab. Im Jahre 1806 kam er nach Wien in das k. k. Stadt-Convict und begann das Studium der Rechte. Daselbst befreundete er sich bald mit Schubert, der ihm unter schamhaften Erröthen mittheilte, daß er wohl noch Vieles componiren könnte, es fehle ihm aber an Notenpapier und auch an Geld, um es zu kaufen. Spaun, den die Musik seines Freundes von allem Anbeginn tief erfaßt hatte, half nun in dieser Noth aus und versah den armen Schubert mit ganzen Rießen Notenpapier, die Schubert in unglaublich kurzer Zeit mit seinen Compositionen gefüllt hatte. Im September 1809 hatte S. die juridischen Studien beendet und trat nun als Praktikant bei dem Kreisamte in Linz in den Staatsdienst. Er kam nach Freistadt, wo er ohne Chef zu einer Zeit den Dienst leiten mußte, als eben die Amtirung durch die abziehenden Franzosen bei den mancherlei Reclamationen, welche nun von Seite der Bewohner vorkamen, sehr erschwert war. Aber S. löste mit vollem Geschick die schwierige Aufgabe und erwarb sich die Liebe Aller, die mit ihm zu thun hatten. Im Jahre 1811 kam er als Conceptspraktikant in dos Finanzministerium nach Wien und wurde im Jahre 1813 Concipist bei der Lotto-Direction, bei welcher Stelle S. durch so viele Jahre – gegen seinen Willen – in Dienst gestanden. Er selbst schreibt darüber in seinen Aufzeichnungen: „Es war eine sonderbare Fügung, daß ich, der vor Jahren das Lottospiel verabscheute, immer ein Gegner dieses Gefälles war, nie in die Lotterie setzte oder auch nur ein Los nahm, an die Spitze dieses Gefälles gestellt wurde. Ungeachtet dieser Abneigung war [81] ich doch bemüht, dasselbe im Interesse des Staates zu leiten, so daß das Verfahren dabei das Licht des Tages nicht zu scheuen braucht“. Die Vorrückung geschah nur langsam, 1818 wurde er Hof-Concipist, 1821 Bancal-Assessor in Linz und kam 1825 in gleicher Eigenschaft nach Lemberg, wo die Abstellung mancher Mißbräuche seine Stellung sehr erschwert hatte. Schon im folgenden Jahre wurde er als Lottodirections-Adjunct nach Wien zurückberufen. Im Jahre 1835 erhielt er den Titel eines Regierungsrathes, 1837 unternahm er im Auftrage der Hofkammer eine Reise nach Venedig und Mailand, um die dortige Manipulation zu studiren und darüber geeignete Vorschläge zu machen. Am 29. Mai 1841 aber wurde er nach Ableben des Hofrathes von Mertens zum Hofrathe und Lottodirector ernannt. Aus Anlaß großer Unterschlagungen in Venedig mußte S. im Jahre 1845 eine Reise dahin antreten und die Untersuchung der Sache vornehmen. Zugleich aber bot sich ihm Anlaß, Vorschläge wegen Regelung der Geschäfte und Verbesserung der Lage der Beamten zu machen, welche vollständig genehmigt wurden. Auch hatte S. von 1840 an das General-Hoftaxamt bis zu dessen im Jahre 1850 erfolgten Aufhebung geleitet. Als S. im Jahre 1859 sein 50. Dienstjahr erreicht hatte und nun in den Ruhestand treten wollte, erhielt er an demselben Tage die Erhebung in den Freiherrnstand zugleich mit dem ausgesprochenen Wunsche, noch fernere Dienste zu leisten. Sehr bezeichnend ist folgende Stelle im Freiherrnstands-Diplom. „Er sei“, heißt es darin, „bewährt als Mann des biedersten und redlichsten Charakters, umfassender Kenntnisse und Bildung, regsten Diensteifers, der aufopferndsten Thätigkeit und der unverbrüchlichen Anhänglichkeit an das Kaiserhaus, dessen musterhafte Verwendung zugleich mit namhaften pecuniären Vortheilen für den Staatsschatz verbunden war“. Damals gab es noch neidlose Vorgesetzte, die ihren Untergebenen volle Gerechtigkeit zollten. Spaun kam diesem Wunsche noch einige Zeit nach, aber im Jahre 1861, nach 52 Dienstjahren, zog er sich in den Ruhestand zurück, den er nur etliche Jahre mehr genoß. Nun verlebte er den Sommer jeden Jahres in Traunkirchen, und fand seine besondere Freude daran, jungen Leuten Schwimmunterricht zu ertheilen. So betrug in seinem Todesjahre die Zahl seiner Zöglinge über 200. Als er im November 1865 seine Villa in Traunkirchen verließ, um nach Wien zurückzukehren, machte er bei seiner Tochter Constanze von Roner in Linz Halt, fühlte sich aber bereits unwohl. Sein Zustand verschlimmerte sich rasch und in wenigen Tagen war S. eine Leiche. Er war 77 Jahre alt geworden. S. hat ziemlich umfangreiche Aufzeichnungen, welche er im Jahre 1864 niedergeschrieben, hinterlassen. Dieselben führen den Titel: „Einiges über mein Leben, für meine Kinder“. Sie sind bei dem innigen, freundschaftlichen Verkehre, in welchem S. mit Männern wie: Theodor Körner [Bd. XII, S. 243], Friedrich Gottlieb Mayer [Bd. XVIII, S. 113, Nr. 41], Abt von St. Florian, Johann Mayrhofer [Bd. XVII, S. 186], Franz von Schober [Bd. XXXI, S. 62], Joseph Kenner [Bd. XI, S. 167], Freiherr von Rueskefer [Bd. XXVII, S. 239], Franz Schubert [Bd. XXXII, S. 30], Moriz von Schwind [Band XXXIII, S. 127] u. A. seit früher Jugend gestanden, von mannigfachem Interesse. Insbesondere in Bezug auf Schubert [82] geben sie Aufschlüsse über seine Jugendgeschichte. Spaun war es, der Schubert mit seinem Freunde Witteczek bekannt machte, welch Letzterer in Begeisterung für Schubert’s Compositionen eine vollständige Sammlung derselben anlegte und dieselbe später an Spaun hinterließ, jedoch unter der Bedingung, daß sie nach Spaun’s Ableben an die Gesellschaft der Musikfreunde in Wien zu übergehen habe. Das ist auch geschehen, und die Wiener Gesellschaft der Musikfreunde ist nun Besitzerin dieses musikalischen Schatzes. Ein schönes Charakterbild Spaun’s zeichnet J. Ritter von Hoffinger in der unten in den Quellen genannten „Oesterreichischen Ehrenhalle; welche leider ihre Fortsetzungen eingestellt hat. Noch sei bemerkt, daß Freiherr von Spaun Ehrenbürger der Stadt Wien war. S. hatte sich am 24. April 1828 mit Fanny von Roner aus Calliano in Tirol vermält. Von den Kindern dieser Ehe ist Constanze mit Philipp von Roner vermält; ihre Schwester Marie ist ledig; ein Sohn, Hermann, trat in die Marine ein, bekleidet zur Stunde den Rang eines Fregatten-Capitäns in Sr. Majestät Kriegs-Marine und ist k. k. Marine-Attaché bei der österreichisch-ungarischen Botschaft am königlich großbritannischen Hofe in London. Im Jahre 1866 ist S. mit dem Orden der eisernen Krone 3. Classe ausgezeichnet worden. Ueber den zweiten Sohn Joseph siehe den folgenden Artikel. Noch sei bemerkt, daß Moriz von Schwind, Spaun’s Freund, dessen Grab in Traunkirchen in einer Sepia-Zeichnung ausgeführt hat, welche sich im Besitze der Witwe Schwind’s [Bd. XXXIII, S. 165, Nr. 254] befindet.

Wiener Zeitung 1866, Nr. 57, S. 744: „Nachruf“. Von Ludwig Ritter von Köchel. – Hoffinger (Joseph Ritter von), Oesterreichische Ehrenhalle (Wien 1865, Schwaiger u. Co., gr. 8°.) [Separat-Abdruck aus dem Volks- und Wirthschafts-Kalender für 1865] Bd. III (1865), S. 36. – Freiherrnstands-Diplom ddo. Wien 2. November 1859.
Porträt. Unterschrift: Joseph Ritter von Spaun | k. k. wirkl. Hofrath, Lottogefâlls-Director etc. etc. | Kuppelwieser pinx. F. Herr (lith.). Gedruckt bei Karl Gerold (Fol.).