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BLKÖ:Somerau-Beeckh, Maximilian Joseph Freiherr von

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Somaini, Franz
Band: 35 (1877), ab Seite: 265. (Quelle)
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Somerau-Beeckh, Maximilian Joseph Freiherr von (Cardinal-Erzbischof von Olmütz, geb. zu Wien 21. December 1769, gest. zu Olmütz 31. März 1853). Maximilian Joseph (Gottfried) war der Sohn Gottfried Wilhelms Freiherrn von Somerau-Beeckh und der vom siebenbürgischen Adel entsprossenen Frau Clara von Summern. [Ueber die Familie vergleiche das Nähere S. 271, in den Quellen.] Nach einer theils im väterlichen Hause, theils in der k. k. theresianischen Ritter-Akademie in Wien genossenen sorgfältigen Erziehung trat Maximilian Joseph nach dem ausdrücklichen Willen seiner Eltern als Cadet bei dem damaligen k. k. Infanterie-Regimente Neugebauer ein, machte den ganzen letzten Krieg gegen die Türken mit, ward bald Dragoner-Unterlieutenant und gleich darauf Oberlieutenant bei dem damals neu errichteten Degelman’schen Uhlanen-Corps. Nach geschlossenem Frieden machte er eine Reise nach Würzburg, wo eben damals die Krönung des Kaisers Leopold II. gefeiert wurde, seine daselbst befindlichen Verwandten zu besuchen, wo er unter anderen den damaligen Domdechant zu Mainz und Domherrn zu Würzburg, Georg Karl Freiherrn von Fechenbach, nachmaligen Fürstbischof von Würzburg (welcher aus der Stammfamilie seiner Urgroßmutter war), kennen lernte. Diese Bekanntschaft war insofern auf dessen künftiges Geschick von Einfluß, als sie seine schon früher vorhanden gewesene Neigung zum geistlichen Stande auf’s neue rege machte, in deren Folge er sich auch wirklich demselben widmete. Die allgemein eingetretene Säcularisirung der deutschen Reichsstifte benahm auch dem Freiherrn von Somerau die frühere Aussicht zum Eintritte in eines der deutschen Reichscapitel. Er ging nach [266] Wien, wo der damalige Wiener Erzbischof, Cardinal Graf Migazzi [Bd. XVIII, S. 244], es übernahm, für seine Ausbildung zum geistlichen Stande im Wiener Alumnate zu sorgen. S. wurde nun im Jahre 1797 Priester, zunächst Cooperator zu Pillichsdorf, Hernals, Matzleinsdorf, dann Caplan an der Pfarrkirche zu den „h. Engeln“ in der Wiener Vorstadt Wieden und genoß als ausgezeichneter Kanzelredner einen wohlverdienten Ruf, so daß er auch in der k. k. Universitätskirche die Fastenpredigten hielt. Im Jahre 1809 erhielt er von dem Wiener Fürst-Erzbischofe, Grafen Hohenwart, die Aufforderung, die errichteten drei ersten Wiener Landwehr-Bataillons für die Dauer des Krieges als Feldgeistlicher zu begleiten. Somerau folgte dem ehrenvollen Rufe, hielt bei der in Gegenwart der Majestäten, des ganzen Hofes und sämmtlicher Autoritäten in der Domkirche zu St. Stephan von dem Erzbischof Grafen von Hohenwart vollzogenen Fahnenweihe (9. März 1809) eine begeisternde Rede, welche auf ah. Anordnung in der Staatsdruckerei aufgelegt und an die Bataillone vertheilt wurde, und theilte von nun an alle Gefahren und Mühseligkeiten dieser braven Truppen auch im Getümmel der Schlacht. Wie sehr er sich ganz diesem Berufe muthvoll hingab, beweisen der von ihm als Andenken bewahrte, von einem Granatenstücke zerrissene Hut aus dieser Zeit, und das in Anerkennung seiner Aufopferung ihm zu Theil gewordene goldene Militär-Ehrenkreuz pro piis meritis, welche Decoration ihm vor den ausgerückten Bataillonen durch den k. k. Feldmarschall-Lieutenant und Divisionär Mariassy de Markus et Batisfalva umgehängt worden ist. Das Leben, welches die feindlichen Geschütze geschont, wäre jedoch bald dem Todes-Engel auf dem Krankenbette unterlegen! Denn mit Einrichtung der Spitäler zu Schmölnitz (in Ungarn) beschäftigt, wurde Maximilian Joseph vom Typhus ergriffen, und, aller Besinnung bar, nach Tyrnau gebracht. Eine eben nicht bemittelte Professorswitwe – Namens Stöhr – entdeckte den Kranken kaum im Gasthofe, als sie ihn, gerührt, in ihr Haus aufnahm, und ihn, den sie früher nie gesehen, mit wahrhaft mütterlicher Pflege der vollen Genesung glücklich zuführte. Der Caplan konnte ihr diese Liebe nie vergelten, aber – der nachmalige Erzbischof that es mit großmüthiger Hand, indem er ihr eine ansehnliche Pension anwies. Unterm 8. März 1810 sah sich S., dem inzwischen die Stelle eines ersten (ältesten) Caplans bei den „h. Schutz-Engeln“ offen gehalten worden war, durch den Magistrat zu Wien zu einer der vornehmsten dortigen Patronatspfründen – zum Pfarrer in der Leopoldstadt – berufen. In dieser Eigenschaft hat sich Maximilian Joseph besonders um das Leopoldstädter Armen-Institutswesen ausgezeichnete Verdienste erworben, und dieser wohlthätigen Anstalt einen solchen Aufschwung gegeben, daß seine dießfälligen Einleitungen von der Landesregierung bei sämmtlichen Pfarrern der Hauptstadt Wien zur Nachahmung vorgeschrieben wurden. Ueber Empfehlung des damaligen Fürst-Erzbischofs von Wien, Grafen von Hohenwart, wurde S. 1813 von Kaiser Franz zum Domherrn der Olmützer Metropolitankirche ernannt, und rückte schon 1815 in die Capitel-Residenz ein. 1821 ward er von der k. k. Studien-Hofcommission zum Prüfungscommissär des philosophischen Studiums an der Olmützer Franzens-Universität ernannt und 1827 vom Capitel einstimmig zum Propsten an der Stadt-Pfarre [267] St. Mauritz erwählt, mit welcher Würde noch die eines Schuldistrictsaufsehers, Dechants und Erzpriesters verbunden ist. Hiedurch erhielt er vielfältige Gelegenheit, die Eigenschaften seines Geistes und Herzens und seinen priesterlichen Eifer zu entfalten. In Olmütz spendete er zur Zeit der Cholera unermüdet und furchtlos bei Tag und Nacht den Kranken Trost, den Armen Hilfe, und das von ihm 1828 neu organisirte, mit Liebe gepflegte Armen-Institut, dessen Einkünfte von 4000 auf 13.000 Gulden WW. jährlicher Zuflüsse gehoben wurden, und welchem er in seinem Testamente 30.000 Gulden CM. legirte – bewahrt die bleibende Erinnerung an seinen Beförderer und Erhalter. Nach der im Jahre 1831 erfolgten Wahl des Dompropsten Grafen Chotek zum Fürst-Erzbischof wurde S. von dem Metropolitan-Capitel einstimmig zum Dompropsten erwählt. Drei Monate nach dem (durch die Cholera-Epidemie in Prag herbeigeführten) Tode des Erzbischofs, Ferdinand Maria Grafen von Chotek, schritt das Olmützer Metropolitan-Capitel kraft seines althergebrachten Rechtes zu einer neuen Wahl, und der Dompropst Freiherr von Somerau-Beeckh bestieg am 21. November 1836 den Fürstenstuhl von Olmütz, auf welchem ihn Se. päpstliche Heiligkeit alsbald bestätigte. Nachdem die Bullen Papst Gregor’s XVI. aus Rom angelangt waren, empfing Maximilian Joseph aus der Hand des Suffragan-Bischofs Anton Gindl in der Domkirche zu Brünn (18. Juni 1837) die feierliche Consecration und ward von ihm mit dem Pallium bekleidet. Nachdem er noch am 22. Juni in der k. k. Hofburg zu Wien von Kaiser Ferdinand I., als König von Böhmen, mit dem Lehensfürstenthume des Erzstiftes Olmütz feierlich investirt worden – zog der damals achtundsechzigjährige priesterliche Oberhirt am 28. Juni des nämlichen Jahres auf solenne Weise in Olmütz ein und ward am folgenden Tage, dem Feste der h. Apostel Peter und Paul, in der Olmützer Kathedralkirche inthronisirt. Maximilian Joseph stand nunmehr an der Spitze der mährisch-schlesischen Kirche und in der Reihe der höchsten Würdenträger der Christenheit. Das Bedürfniß einer Erweiterung des Olmützer Clerical-Seminariums war schon lange fühlbar, da nur ein Theil der Theologen in demselben Unterkunft fand, die übrigen aber in der Stadt unter Bürgerfamilien zerstreut wohnen mußten. Um diesem Uebelstande für eine berufsmäßige Heranbildung des Klerus zu beseitigen, faßte schon der Fürst-Erzbischof Graf von Chotek den Entschluß, den erforderlichen Umbau des Seminariums vorzunehmen. Doch hatte dessen Tod die Ausführung unterbrochen und dem Fürsten Maximilian blieb es vorbehalten, dieses schöne Unternehmen auszuführen. Nachdem das Olmützer Alumnat auf dem seitdem „Max Josephs-Platz“ genannten Platze vollendet war, erwirkte er demselben eine angemessene Dotation aus dem Religionsfonde. Ferner hatte S. in dem Badeorte Ischl dem Andenken des Erzherzogs und Cardinal-Erzbischofs Rudolph ein Monument gestiftet, das er am 22. August 1840 an Ort und Stelle selbst eingeweiht. Um sich von dem Zustande seiner ausgedehnten Diöcese durch den Augenschein zu überzeugen, bereiste er jährlich einen Theil derselben. Im Jahre 1841 nahm er auch in den im königlich preußischen Antheile Schlesiens liegenden vier Decanaten die canonische Visitation vor und erstattete den Bericht darüber an den König. Ununterbrochen wurden Kirchen [268] und Schulen nebst anderen Patronats-Gebäuden auf Maximilian Joseph’s Kosten gebaut, ärmere Kirchen mit heiligen Gefäßen und Paramenten ausgestattet. Insbesondere war es die St. Mauriz-Collegiatkirche zu Kremsier, welche der Fürst mit einem Aufwande von mehr als 100.000 Gulden CM. zu einem der herrlichsten Gotteshäuser des Landes umschuf, indem sämmtliche Altäre mit neuen Altarbildern geschmückt, die Kanzel, die Orgel etc. von ihm angekauft wurden. Zur besseren Subsistenz der Kanoniker an dieser Kirche machte er eine Stiftung von 24.000 Gulden, sowie für die Vicarien 6000 Gulden CM.; auch fundirte er einen Organisten für das prachtvolle neue Orgelwerk daselbst. Auch nach anderer Richtung entwickelte S. den rastlosesten Eifer. In der Verwaltung der zehn Güter, die das Olmützer königlich böhmische Kronlehen bilden, setzte er die umfassendsten Verbesserungen in allen Zweigen in’s Werk. Durch die Einführung des Pensionssystems für erzbisthümliche Beamte und Diener hat er sich ein unvergängliches Monument errichtet. Die Regulirung des erzbisthümlichen Archivs durch den Archivar Dr. Georg Branowitzer war eine seiner ersten Verfügungen, und die historischen Schätze, welche in seinen 40.000 Urkunden enthalten sind, wurden zum Besten der Wissenschaft schon oft benützt. Die Melioration der Wirthschafts-Gebäude, zeitgemäße Vermehrung des fundus instructus und ein geregelter Betrieb in allen Zweigen der Landwirthschaft waren Gegenstände, worauf er seine Sorgfalt unablässig richtete. Vorzüglich aber erfreute sich Kremsier, wo er gern verweilte und seinen Sommer-Aufenthalt nahm, seiner besonderen Gunst. Die Residenz-Gebäude haben sowohl von innen als außen manche Zierde erhalten. Die Wasserleitungen, sowohl für die Stadt Kremsier als für die obrigkeitlichen Gärten, sind verbessert, vermehrt und mit einem schönen, in den erzbisthümlichen Eisenwerken angefertigten Saug- und Druckwerke versehen worden. Die Stadt genießt nun auch die Wohlthat, daß ihr in einer über 600 Klafter langen eisernen Röhrenleitung köstliches Quellwasser zugeführt wird. Neben anderen schönen, auf der Herrschaft Kremsier vollzogenen Wasserbauten muß der Bau eines neuen, 42 Klafter langen Wehres in dem Marchstrome erwähnt werden, der einen Aufwand von 100.000 Gulden CM. erfordert hat. Zu den sehenswerthen Zierden Mährens gehören die Kremsierer Gärten mit ihren prächtigen Gewächshäusern und übrigen architektonischen Objecten, welche ihr Dasein dem Fürst-Erzbischofe verdanken. Ganz vorzügliche Verdienste erwarb sich der Fürst um die erzbisthümlichen Eisenwerke zu Friedland und Czeladna auf der Herrschaft Hochwald, die einen neuen Aufschwung erhielten und unter die vorzüglichsten Industrie-Werkstätten des Landes gehören. Gegenwärtig gehören die Friedländer Eisenwerke zu den ausgedehntesten des Landes und liefern ein Erzeugniß von 40.000 Centner Roheisen, welche zugleich auf die mannigfaltigste Weise in verkäufliche Waaren verarbeitet werden. Die Vergrößerung der Gußhütten zu Friedland und Czeladna, der Bau eines neuen Hochofens mit einer Dampfmaschine, eines neuen mechanischen Werkstätten- und Beamten-Gebäudes, einer Dampfkesselwerkstätte, die Ueberbauung und Einrichtung sämmtlicher Frischfeuer zur Benützung und Anwendung der erwärmten Luft, ein neues Haus für den Werksarzt und ein neues für die Kanzleien, eine Capelle, ein neues, aus Steinmaterial erbautes, mit einem Flußrechen [269] verbundenes 100 Klafter langes Wehr, die Vollendung der von seinem Vorfahrer begonnenen, über das Gebirge bis an die ungarische Grenze führenden schönen Commerzialstraße, die Anlage neuer Fahrwege in den Gebirgsforsten zur Ausfuhr der Kohlen, dann neue Clausen und Flößvorrichtungen sind sämmtlich Schöpfungen des Fürsten Maximilian, welche der Nachwelt zu Statten kommen. Der neue riesige Hochofen in Czeladna erhielt den Namen des Kaisers Franz Joseph. Die Waldcultur erfreute sich einer besonderen Sorgfalt. Der kaiserlich russische Staatsrath Maßlow erstattete über den Stand derselben einen so günstigen Bericht an die Ackerbau-Gesellschaft in Moskau, daß Maximilian Joseph zum Ehrenmitgliede dieses Institutes ernannt wurde. Als die Hungerjahre schwer auf den Gebirgsbewohnern Mährens und Schlesiens lasteten, wies der Erzbischof zur Unterstützung der Hochwäldler allein den ganzen einjährigen Ertrag der Hüttenwerke in Friedland an und ließ verschiedene gemeinnützige Arbeiten vornehmen, wofür den Bedürftigen mehrere Tausend Metzen Getreide und Hülsenfrüchte verabreicht wurden. Als Mitglied aller inländischer Kunst-, Wissenschafts- und Humanitäts-Vereine zählte Maximilian Joseph zu den größten Wohlthätern der letzteren und den eifrigsten Beförderern der ersteren. Im Jahre 1842 wurde S. von Kaiser Ferdinand I. mit dem Großkreuze des österreichischen Leopold-Ordens geschmückt und ihm unter Einem die geheime Rathswürde verliehen. Am 13. September 1845 nahm er die feierliche Einweihung des Klosters und der Kirche der Barmherzigen Schwestern in Kremsier vor, wobei die Kaiserin Karolina Augusta, den Grundstein legte, das Kloster verdankte seiner Munificenz die Baustelle und die Gartenräumlichkeiten, dann eine Wasserleitung und ein Altarblatt von Kuppelwieser. Im Jahre 1847 feierte S. sein 50jähriges Priesterjubiläum, bei welcher Gelegenheit ihm unter anderen Ehren vom Papst Pius IX. ein Beglückwünschungsschreiben nebst einem Breve, welches ihn zum Episcopus solio Pontifico adsistens, zum päpstlichen Prälaten und römischen Grafen (comes romanus) ernannte und vom König von Preußen der rothe Adlerorden erster Classe, begleitet von einem sehr verbindlichen Handbillete, zu Theil wurden. So hatte S., die heiligen Pflichten seines Standes übend, dem Vaterlande, der Menschheit seine ungealterte Kraft und Thätigkeit, der Kunst, Wissenschaft und Natur seine geistreiche Muße widmend, während seines zwölfjährigen Waltens die Summe von zwei Millionen Gulden CM. blos auf gemeinnützige Bauten verwendet und stand ohne Vermögen da, als die Stürme der Revolution des J. 1848 die Welt erschütterten. Der greise Kirchenfürst trat als Vorkämpfer der kirchlichen Interessen mit offenem Visier auf das Wahlfeld und legte ein Memorandum auf den Tisch der Kronräthe nieder. Man hatte ihm all sein Thun mit bitterem Undank vergolten, doch hörte S. nicht auf, den arbeitenden Classen Brod zu verschaffen. Die Einschränkungen, welche er als nothwendig erachtete, betrafen nur seinen eigenen Haushalt und Hof. Nun geschah es, daß der kaiserliche Hof, aus der vom Aufruhre entflammten Kaiserstadt fliehend, in die fürsterzbischöfliche Residenz zu Olmütz zog. In dieser Sturm- und Drangperiode erging an Maximilian Joseph ein Handbillet von Seiner Majestät dem Kaiser Ferdinand am 12. October 1848, demzufolge der Fürst-Erzbischof [270] sein zweites Residenzschloß in Kremsier für die Zwecke des österreichischen Reichstages einrichten ließ; der darin vom 22. November bis zum 7. März tagte. Am 2. December fand in dem Lehnsaale der fürsterzbischöflichen Residenz der weltgeschichtliche Act der Thronentsagung des Kaisers Ferdinand I. und Thronbesteigung Franz Joseph I. Statt. Als später Kaiser Franz Joseph aus Olmütz schied, schenkte er dem Fürst-Erzbischof sein Bild und verlieh ihm das Großkreuz des St. Stephans-Ordens, begleitet mit einem sehr schmeichelhaften Handbillete. Im September 1850 wurde Maximilian Joseph vom Papste zum Cardinal ernannt. Am 23. October 1850 empfing der neue Cardinal das Barett aus der Hand Seiner Majestät des Kaisers in der Hofcapelle zu Wien. Obgleich der Erzbischof über 80 Jahre zählte, wurde seine geistige Kraft und Thätigkeit doch von den Einflüssen des hohen Alters so wenig berührt, daß er im Juni 1849 der Versammlung vaterländischer Bischöfe in Wien beiwohnte und sich lebhaft an allen Berathungen der Synode betheiligte. Im August desselben Jahres unterzeichnete er auf Grund seines Diöcesan-Bezirkes in Preußisch-Schlesien das Memorandum der Bischöfe in Betreff der durch die Verfassung vom 5. December 1848 festgesetzten Verhältnisse zwischen Staat und Kirche. In der letzten Zeit kränkelte der Fürst und am 31. März Abends um 63/4 Uhr, im Alter von 84 Jahren, erlosch sein reiches, werkthätiges Leben. Virtute clarescunt! war Maximilian Josephs Wahlspruch, den er auch auf der Inthronisationsmünze über die Embleme seiner geistlichen und weltlichen Würden gesetzt hat. Er spiegelt die Größe, Milde und Demuth seiner Gesinnungen am richtigsten ab. Der Leichnam des Verblichenen wurde einbalsamirt. Am 5. April, Morgens 9 Uhr, fand die Leichenfeier Statt, zu welcher Cardinal Friedrich Fürst Schwarzenberg aus Prag sich eingefunden hatte, sodann wurde die von dem Pontifikanten eingesegnete Leiche nach Kremsier überführt und am 8. April Früh um 9 Uhr aus dem Kremsierer Schlosse in die Collegiatkirche übertragen und in der Taufcapelle beigesetzt.

Unckhrechtsberg (Eduard von), Trauerrede auf den Tod des hochwürdigen Herrn Cardinals und Fürst-Erzbischofs von Olmütz M. J. Freiherrn von Somerau-Beeckh. (Olmütz 1853, 8°.). – Libussa. Jahrbuch für 1852, Herausg. von Paul Alois Klar (Prag, Taschenb., 12°.) S. 235: „Das böhmische Lehensfürstenthum Olmütz und dessen erzbischöflicher Lehenhof unter Max. Jos. Freiherrn von Somerau-Beeckh. Von P. A. Klar. – Oesterreichischer Volksfreund (Wiener polit. Parteiblatt) Jahrg. 1853, Nr. 29: „Biographische Skizze“. – Der österreichische Volksbote (Wien, kl. Fol.) V. Jahrg. (1853), Nr. 77: „Maximilian Joseph, Erzbischof von Olmütz“. – Meyer (J.) Das große Conversations-Lexikon für die gebildeten Stände (Hildburghausen, Bibliogr. Institut, gr. 8°.) Supplement-Band V, S. 818. – Katholische Blätter aus Tirol. Redigirt von M. Huber (Innsbruck, Wagner, 8°.) Jahrg. 1853, Bd. I, Nr. 4, S. 94 und Nr. 15, S. 359, in den „Kirchlichen Mittheilungen aus Olmütz“. – Tagesbote aus Mähren (Brünner Localblatt) 1868, Nr. 204, im Feuilleton: „Ein Erzbischof, der auch rechnen kann“. [Ein höchst belehrender Beitrag zur Geschichte der Kirchenrechnungen und zur Charakteristik des gegenwärtigen Erzbischofs von Olmütz Landgrafen von Fürstenberg. Vorher schon gedruckt im „Neuen Wiener Localblatt“ 1868, Nr. 240.] – Moravia (Brünner Zeitschrift, 4°.) 1840, Nr. 72, 73, 97, 98; 1841, Nr. 7, 8; 1843, S. 409, und 1844, Nr. 8, S. 77. – Wolny, Kirchliche Topographie Mährens. Erste Abtheilung. Bd. I, S. 116 bis 119. – Oesterreichische militärische Zeitschrift, herausg. von M. Streffleur (Wien, gr. 8°.) VI. Jahrg. (1865), Bd. I, [271] S. 337: „Aus dem Leben des Kardinals Somerau-Beeckh“. – Taschenbuch für die vaterländische Geschichte (Wien 1814, Anton Doll, 12°.) IV. Jahrg., S. 153, im Aufsatze: „Der 9. und 10. März 1809“. – Der Kamerad (Wiener Soldatenblatt, 4°.) 1865, Nr. 27: „Aus dem Militärleben des Cardinals Freiherrn von Somerau-Beeckh“. – Oesterreichischer Soldatenfreund (Wien, 4°.) 1853, S. 221. – d’Elvert (Christian von), Geschichte der k. k. mähr.-schles. Gesellschaft zur Beförderung des Ackerbaues, der Natur- und Landeskunde u. s. w. (Brünn 1870, gr. 8°.), in den Beilagen S. 240. – Derselbe, Geschichte der Musik in Mähren und Oesterreichisch-Schlesien u. s. w. (Brünn 1873, Winiker, gr. 8°.), in den Beilagen S. 42. – Oesterreichischer Zuschauer. Von Ebersberg (Wien, 8°.) Jahrg. 1839, Bd. IV, S. 1207: „Artistisches“ [die auf den Cardinal geprägte Medaille].
Porträt. Unterschrift des Namenszuges „Maximilian Joseph“, dann folgt in fünf Zeilen der ganze Titel, in einer sechsten Zeile: „geb. zu Wien den 21. December 1769“. Kuppelwieser pinxit. Carl Mayer sc. Nbg. (4°.) [auch Beilage zu Klar’s Taschenbuch „Libussa“].
Medaillen. 1) Avers. Unterschrift „MAXIMILIANVS JOSEPHVS D. G. PRINC. ARCHIEPISC. OLOMVC. DVX.“, Brustbild mit dem Orden pro piis meritis am Bande. Unten klein: I. Schön. Revers: Auf dem Abschnitte ein altarförmiges Postament mit erzbischöflichen Ornamenten, Fürstenhut und Scepter, in der Mitte des Piedestals zwei sich kreuzende Oelzweige. Ringsum die Ueberschrift: „VIRTVTE CLARECVNT“. Im Abschnitte die Jahreszahl MDCCCXXXVII. In Silber und in Kupfer – 2) Dieselbe etwas kleiner und im Revers das Pectorale an einer Perlenschnur, statt an der Gliederkette hängend. Diese Medaillen wurden anläßlich der Inthronisation des Erzbischofs im Jahre 1839 geprägt. In Silber zwei Loth, von der Größe eines gewöhnlichen Thalers.