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BLKÖ:Seyfried, Ferdinand Ritter

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 34 (1877), ab Seite: 175. (Quelle)
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Seyfried, Ferdinand Ritter (Schriftsteller, geb. in Wien, Geburtsjahr unbekannt, gest. ebenda 9. Oct. 1865). Er war ein Sohn des ehemaligen Redacteurs Joseph Ritter von S. [S. 188] und ein Neffe des bekannten Componisten Ignaz Ritter von S. [S. 176]. [Ueber die Familie im Allgemeinen vergleiche die Quellen.] Wie sein Oheim, besaß auch der Neffe reiches musikalisches Talent, aber von Jugend auf kränklich, konnte er es nicht im Spiel eines Instrumentes, etwa Piano oder Violine, zur Geltung bringen und so warf er sich auf die Kritik, die er neben seinem dienstlichen Berufe – er war Beamter in der k. k. ersten österreichischen Sparcasse – mit einer seltenen Ausdauer, und wir glauben das rechte Wort zu gebrauchen, Harmlosigkeit ohne Gleichen, Jahre lang ausübte. Er redigirte nämlich das aus dem Besten, was ausländische Blätter brachten, zusammengesetzte Journal „Sammler“ und seit dem Jahre 1844 den „Wanderer“, der aus einem belletristischen Blatte vor 1848 nach oder richtiger schon im Jahre 1848 in ein politisches Blatt sich verwandelte und in der nun folgenden Periode politischerseits verschiedene Phasen durchmachte, während er in jenem der Theaterkritik eine Stabilität bewahrte, wie eine ähnliche kein zweites Wiener Blatt aufzuweisen hatte. Und das kam daher, weil Ferdinand S. die Seele dieses Theiles des Blattes war. Aus seiner Feder stammten die zahllosen größeren Theaterkritiken und das Feld der Theaternotizen wurde von S. wahrhaft mit dem Fleiße einer Biene gepflegt und immer wohl versorgt. S. war darin geradezu eine Specialität, und mit Recht nennt ihn einer seiner Biographen, im Hinweis auf die Biene, welche auf dem Frontispice des Wiener Sparcassengebäudes auf dem Graben, in welchem Seyfried bedienstet war, sichtbar ist, die „Theaternotizen-Biene“ Wien’s. Dabei war der Charakter dieser Notizen, im Gegensatze zu dem in anderen Journalen immer im hohen Grade wohlwollend. Als nomineller Redacteur des Blattes war er aber, nachdem dasselbe ein politisches geworden, auch für den politischen Theil des Blattes verantwortlich und hatte, obgleich er sich weder um Deak oder Eötvös, es hätte denn Einer oder der Andere ein Stück geschrieben, weder um Centralisten, Dualisten noch Föderalisten kümmerte, in Folge seiner Stellung als genannter und verantwortlicher Redacteur manche unangenehme Situation, in welche ihn Andere versetzt hatten, zu überstehen. Aber bei seiner harmlosen, ungemein gutmüthigen Weise verwand S. alles Ungemach, das über ihn, als politischen Strohmann, unverschuldeter Weise hereinbrach. Nur eine Entrüstung Seyfried’s ist in den betheiligten Kreisen bekannt worden und dieser hatte er rückhaltlos Worte geliehen, als man ihm nämlich – wie allen Redactionen der Wiener Journale – den sogenannten, bekanntlich unentgeltlichen Redactionssitz im Hof-Operntheater entzogen hatte. „Seit 30 Jahren“ rief er aus, „ging ich täglich in dieses Theater, ich setze fortan keinen Fuß mehr hinein.“ Sprach’s und wir denken, er hat es gehalten. Seit dem Jahre 1849 war S. einseitig gelähmt, dessenungeachtet aber arbeitsfähig; seit dem Jahre 1859 unausgesetzt an das Krankenlager gefesselt. Nachdem sich S. krankheitshalber von der Redaction des „Wanderer“ [176] zurückgezogen, sammelte er seine Erinnerungen, die, wie er im Vorworte selbst bemerkt, das Ergebniß eines beinahe fünfzigjährigen, fast täglichen Besuches der Wiener Theater sind. Sie erschienen als: „Rückschau in das Theaterleben Wien’s seit den letzten fünfzig Jahren“ (Wien 1864, Selbstverlag des Verfassers, 8°.) im Drucke. Sie enthalten durchaus Erlebtes oder Gesehenes und als auf Wahrheit basirt, konnten sie auch dem Autor dieses Lexikons mitunter als Quelle dienen. Ferdinand S. ist gestorben, aber die Theaternotiz, welche in Seyfried ihren Zieh- und Pflegevater anerkennen muß, wird wohl fortleben, doch nicht mehr in dieser Ueppigkeit, Mannigfaltigkeit und Unantastbarkeit, wie unter S.’s Feder. – Ein Bruder Ferdinand’s, Heinrich, trat nach jenes Ableben in die beim „Wanderer“ entstandene Lücke eines Theater-Notizschreibers und blieb bei dem Blatte, bis dasselbe von der polnischen Partei erworben und für deren Zwecke zu Tode redigirt wurde. Heinrich S. war auch längere Zeit – und ist es vielleicht noch – ständiger Correspondent der „Berliner Theater-Chronik“.

Hoffinger (J. Ritt. v.), Oesterreichische Ehrenhalle (Wien 1866, Schwaiger u. Co., gr. 8°.) [Separatabdruck aus dem Volks- und Wirthschafts-Kalender für 1867] Bd. III (1865), S. 79. – Neue freie Presse (Wien Fol.) 1865, Nr. 412: „Zwei Wiener Kritiker“ [Adami und Seyfried]. – Wiener Abendpost (Beilage der amtlichen Wiener Zeitung) 1865, Nr. 232, in der „Kleinen Chronik“. Die Seyfried sind eine deutsche Beamtenfamilie und erhielten den Adel im Jahre 1781, in welchem er mit Diplom vom 25. Jänner dem Kanzler des Gotteshauses Salmannsweiler, Johann Willibald Seyfried, mit dem Prädicate Edler von verliehen wurde. Von Johann Willibald stammen vier Söhne: Willibald Edler von Seyfried (geb. 1766), großherzoglich badischer Justizamtmann zu Salem; – Eugen Edler von S. (geb. 1768), fürstlich Thurn- und Taxis’scher Hof- und Justizrath in Regenburg [in die Adelsmatrikel des Königreiches Bayern eingetragen]; – Joseph Edler von S. (geb. 1767), fürstlich Hohenlohen’scher Hofrath und Vater der beiden folgenden Ignaz und Joseph Ritter von S.; – Johann Baptist Edler von S. (geb. 1775), früher markgräflich badischer Kammerrath, dann großherzoglich badischer geheimer Hofrath.