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BLKÖ:Schwind, Franz Ritter von

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 33 (1877), ab Seite: 124. (Quelle)
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Schwind, Franz Ritter von (k. k. Bergrath, geb. in Wien um 1805), Bruder des Freiherrn August und des Malers Moriz. Dem technischen Wissenszweige sich zuwendend, beendete er zunächst die Studien an dem k. k. polytechnischen Institute in Wien und entschied sich alsdann für das Bergwesen. Zu diesem Zwecke hörte er die entsprechenden Fachgegenstände an der Bergschule in Schemnitz und kam nach deren Beendigung, 1828, als Praktikant zur Eisenwerks-Direction nach Eisenerz. Dort, 1828–1832, mit der Ausführung großer geometrischer Arbeiten betraut, lieferte er dieselben in so entsprechender Weise, daß ihm dafür eine besondere Belohnung zuerkannt wurde. Im Jahre 1832 kam er als Praktikant zur k. k. allgemeinen Hofkammer, wurde im März 1835 Concipist des Salinen-Oberamtes Gmunden und im Mai 1838 als Bergmeister nach Ischl berufen. In den drei Jahren seiner Leitung wurde der Betrieb in seinen wesentlichsten Einrichtungen völlig umgestaltet. Eine Eisenbahn, neu hergerichtete Werkstätten, geschulte Arbeiter, geordnete Wasservertheilung, eine originelle Lastenhebungsmaschine gaben die Mittel zur zweckmäßigen Führung jenes Baues und als nachmals große Unfälle eintraten, zur Rettung desselben. Auf Grund seiner [126] in einer besonderen Denkschrift niedergelegten Ideen: „Ausführung eines Hauptförderungsschachtes und senkrechte Lagerung der Soolenwerke“ wurde es möglich, den Ischler Berg zu betreiben. In Würdigung seiner daselbst geleisteten Dienste rückte Sch. 1841 vom Ischler Bergmeister zum Salinenverwalter in Hallstadt vor, eine Beförderung, wie sie bisher nicht vorgekommen. Von einer Reise, welche Sch. zur Erweiterung und Vervollkommnung seiner Kenntnisse im Betriebe des Bergbaues unternommen, zurückgekehrt, griff nun Sch. auch in seinem neuen Wirkungskreise verbessernd und dem technischen Fortschritte der Gegenwart folgend ein. Es fehlte nicht an auszeichnender Anerkennung seiner vorgesetzten Behörde und im Jahre 1844 wurde Sch. zur Leitung der Saline Ischl berufen. Schon in früheren Jahren daselbst in ersprießlichster Weise thätig, war ihm nun neue Gelegenheit geboten, seine Tüchtigkeit zu erproben, und vor allem wurde der von ihm entworfene und ausgeführte ingeniöse Plan der neuen Maschinen-Werkstätte Gegenstand behördlicher Anerkennung. Durch diese letztere wurde seither die ganze Technik umgestaltet und gehoben, und manche Verbesserung, die bis dahin unterbleiben mußte, ermöglicht und erleichtert; auch in der Siedemanipulation wurden Vereinfachungen eingeführt und endlich wurden von ihm die Pläne zur Ordnung der sämmtlichen Berggebäude vorgelegt. Im Februar 1847 wurde Sch. zum Salinenverwalter in Aussee ernannt – und daselbst warteten seiner nicht geringe Aufgaben, an deren Lösung er aber mit gewohnter Energie herantrat. So mußten plötzlich die Fabrication des landwirtschaftlichen Salzes eingeleitet, neue großartige Mühlwerke, die in Oesterreich ihres Gleichen nicht haben, ausgeführt werden; heftige Brüche im Salzberge erforderten großartige Hilfsmittel; es galt die noch im argen und verrotteten Zustande von altersher liegende Technik in entsprechender Weise zu heben. An die Stelle des chaotischen Durcheinanders von Magazins- und anderen Bauten trat, ohne daß einen Augenblick der Verschleiß gestört wurde, ein ausgedehntes, in seinem Innern planmäßig unterabgetheiltes Gebäude; unter ihm wurde die Abtrennung des Forst- und Verschleißwesens durchgeführt, das Rentenwesen von der Salinen-Verwaltung übernommen und die Arbeiten zur Grundlasten Ablösung in Angriff genommen. In Würdigung dieser verdienstvollen Leistungen wurde ihm im Jahre 1850 Titel und Rang eines k. k. Bergrathes verliehen. Auch der gänzliche Umbau der Saline Hallein fand auf Grundlage und nach den wesentlichsten Zügen des von Sch. entworfenen Programms Statt. Im November 1851 erfolgte seine Uebersetzung zum referirenden Rathe der Berg-, Salinen- und Forst-Direction in Salzburg, dabei wurde ihm der Auftrag zur Leitung der in Hallein über den Salinenbau berathenden Commission und die Aufforderung zur thätigsten Mitwirkung bei dem Baue daselbst. Betrachtet man Sch.’s Wirken in seinem Fache in seiner Gesammtheit so sind die Erfolge aller Richtungen seiner amtlichen Thätigkeit bezeichnet durch: kräftige Handhabung geordneten Amtsganges; besonnene Lenkung großen Personals in sehr bedenklicher Zeit; eigene aufopfernde Anstrengung; beharrliche Entfaltung und Anwendung von Kenntnissen, speciell im Berg-, Siede-, Forst-, Bau- und Maschinenwesen; umfassende Ansicht, tüchtige Darstellung; Regelung der Werke; Errichtung neuer nützlicher Anstalten und [127] allgemeine, zum Nutzen des Aerars durchgeführte Hebung der Technik. Auch hat Schwind verschiedene technische Zweige literarisch bearbeitet und wurden diese Arbeiten den Montan-Lehranstalten amtlich zum Vortrage empfohlen. Von denselben sind durch den Druck veröffentlicht: „Vademecum des österreichischen praktischen Mechanikers. Enthaltend die bequemsten Formeln und Tabellen über die Bewegung des Wassers und der Luft u. s. w., u. s. w., nebst einer Sammlung von Beobachtungsresultaten“. Nach Morin’s Aide Memoire, 4. Orig.-Ausg., übersetzt und für das österr. Mass und Gewicht vollständig umgerechnet von Franz von Schwind.“ Mit 15 in den Text eingedr. Holzschnitten (Wien 1856, Braumüller, gr. 8°.); – „Der Wasserdampf. Mit 32 Tabellen“ (ebd. [Leipzig, Brockhaus] 1856, gr. 8°., mit Holzschn. im Texte); – „Das Verlängerungs-Mass. Ein logarythmischer Rechenschieber in praktischen Auffindung aller räumlichen Beziehungen der Kochsalzlösung, mit besonderer Anwendung für die Werkswässerung in unreinen Salzlagern, verwendbar für jedes beliebige Masssystem.“ (Prag 1870, Calve, gr. 8°.) Gegenwärtig lebt Franz von Schwind, der für seine Verdienste mit dem Ritterkreuze des Franz Josephs-Ordens ausgezeichnet wurde, als pensionirter Bergrath zu Innsbruck.

Handschriftliche Notizen und Acten.