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BLKÖ:Schwegel, Joseph Freiherr von

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Schweigl, Thomas
Band: 32 (1876), ab Seite: 354. (Quelle)
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Schwegel, Joseph Freiherr von (geb. zu Obergörjach bei Veldes in Krain 29. Februar 1836). Seine in Obergörjach ansässigen Eltern betrieben Landwirthschaft und Handel. Den ersten Unterricht [355] genoß er in der Dorfschule seiner Heimat und später in Villach. Das Gymnasium besuchte er in Laibach, wo er durch fünf Jahre im Collegium Aloysianum seine Erziehung genoß. Nach beendetem Gymnasium und nachdem er dann durch kurze Zeit am Josephinum in Wien medicinische Studien betrieben, trat er im Jahre 1854 in die orientalische Akademie, die er nach fünf Jahren verließ, um in auswärtige Dienste in Verwendung zu treten. Ende 1859 kam er als Consulareleve zum k. und k. Generalconsulate nach Alexandrien (Egypten). Bei diesem Amte verblieb er eilf Jahre und bekleidete bei demselben, theils in Alexandrien und theils in Cairo, nach einander die verschiedenen Stellungen als Vicekanzler, erster Dolmetsch, Kanzler und zuletzt von 1869 bis 1870 als Consul. Während dieser Zeit unternahm er auch größere Reisen in Europa, in Egypten und jenseits der Grenzen dieses Landes nach Süden und Osten. Nach der Eröffnung des Suezcanales und nachdem er dem Ausbaue dieses Werkes vom Beginne an bis zu seiner Vollendung in unmittelbarer Nähe gefolgt war, wurde er als Consul und Commerzkanzleidirector der k. und k. Botschaft nach Constantinopel berufen, welchen Posten er von 1870 bis 1872 bekleidete. Gegen Ende 1871 erging an ihn der Ruf zur Uebernahme der Leitung der orientalischen Abtheilung der Wiener Weltausstellung von 1873 und zugleich erfolgte seine Ernennung zum k. und k. Generalconsul. Indem er diesem Rufe unter Belassung in seiner Stellung in Constantinopel folgte, fiel ihm die Aufgabe zu, im Jahre 1872 verschiedene Länder des Orients, von Egypten an, Syrien und Kleinasien, sowie die europäische Türkei zu bereisen, um die nöthigen Vorbereitungen für die seiner Leitung übertragene Abtheilung der Ausstellung, die unter der Türkei und ihren Vasallenländern auch Marocco, Persien und die Länder Ostasiens umfaßte, durchzuführen und später seinen bleibenden Aufenthalt in Wien zu nehmen. Inmitten dieser Thätigkeit wurde er im März 1873 zur Dienstleistung in das k. und k. Ministerium des Aeußern berufen, zum Hof- und Ministerialrathe ernannt und mit dem Referate der landespolitischen Angelegenheiten als Nachfolger des Baron Max Gagern betraut. In dieser Stellung mir erweitertem Wirkungskreise als Chef der handelspolitischen Section dieses Ministeriums, ist der Genannte noch heute thätig. Sch. war schon in frühester Jugend auf literarischem Gebiete thätig. Verschiedene slovenische Publicationen in Prosa und Versen sind von ihm, zum Theile unter dem Pseudonym Radoniević, in der Zeit von 1850–54 erschienen. Später widmete er sich mit Vorliebe volkswirthschaftlichen und vorzugsweise handelspolitischen und den einschlägigen geographischen Studien. Es gelangten von ihm in die Oeffentlichkeit mehrere Monographien und Abhandlungen über volkswirtschaftliche Materien, die Handelsbeziehungen und den Schifffahrtsverkehr zwischen Oesterreich und Egypten betreffend, über die Cultur und den Handelsverkehr der Baumwolle, über den Suezcanal und das Rothe Meer, u. a. m. Während der Weltausstellung 1873 publicirte er eine Folge von volkswirthschaftlichen Studien über einzelne der wichtigsten Handelsemporien des Orients; unter seiner unmittelbaren Leitung wurde jene über Constantinopel und Tunis zusammengestellt. Ebenso gelangten unter seiner Zeitung zwei große Karten, eine Generalkarte und eine Culturkarte der Länder des ottomanischen Reiches, sowie eine in sehr großem Maßstabe plastisch [356] ausgearbeitete Reliefkarte des Bosporus und von Constantinopel zur Ausführung und im Jahre 1873 zur Ausstellung. Endlich veranstaltete Sch. in demselben Jahre in einem eigenen Pavillon (Cercle oriental) eine Specialausstellung zur Illustration des orientalischen Handels, als Theil der Darstellung des Welthandels. Für diese seine Leistungen auf handelspolitischem Gebiete wurde ihm sodann von der internationalen Jury der Weltausstellung 1873 die höchste Auszeichnung, das Ehrendiplom, zuerkannt. Für seine Wirksamkeit auf geographisch-commerciellem Gebiete ist er später nach Schluß der internationalen geographischen Ausstellung in Paris, bei welcher er durch mention honorable ausgezeichnet wurde, von der französischen Regierung zum Officier d’instruction, ernannt worden. Während der Weltausstellung 1873 begründete Sch. das Comité für den Orient und Ostasien, das, nach Schluß der Ausstellung, auf seine Anregung und unter seiner Leitung in das „orientalische Museum“ umgestaltet wurde, das heute unter den Instituten ähnlicher Art einen hervorragenden Rang einnimmt. Sch. bekleidet im orientalischen Museum die Stelle eines Vicepräsidenten. Von der k. k. geographischen Gesellschaft in Wien, die Sch. bereits im Jahre 1869 zu ihrem correspondirenden Mitgliede ernannt hatte, wurde derselbe im Jahre 1873 in den leitenden Ausschuß gewählt, in dem er noch heute thätig ist. Außerdem ist Sch. vom egyptischen Institute, sowie von mehreren anderen gelehrten Gesellschaften des In- und Auslandes zum Mitgliede gewählt worden. In seinen amtlichen Wirkungskreisen war Sch. in Egypten sowohl während seines dortigen Aufenthaltes als auch später insbesondere in der Frage des Suezcanals, in jener der Justiz- und Finanzreform und auf administrativem Gebiete in hervorragender Weise thätig. Die österr.-ungar. Consulargemeinde in Alexandrien ließ zum Andenken an seine dortige Wirksamkeit als Consul eine goldene Medaille mit seinem Bildnisse prägen. In Constantinopel verdankt die österr.-ungar. Colonie seiner Initiative die Constituirung als Gemeinde und Handelskammer; unter seiner Leitung wurde die dortige Nationalschule erweitert; im Verkehr mit der Pforte war er sowohl auf dem judiciellen Felde als auch insbesondere bei der Revision des Zolltarifs thätig. In seinen amtlichen Wirkungskreis in Wien entfielen bisher alle seit 1873 stattgefundenen Negociationen handelspolitischer Natur mit dem Auslande. Im Gefolge Sr. Majestät des Kaisers ging Sch. i. J. 1874 nach St. Petersburg und im folgenden Jahre nach Venedig zu den Zusammenkünften mit dem Kaiser von Rußland und dem König von Italien. Im Winter von 1875 auf 1876 negocirte er in Rom den neuen Handelsvertrag mit Italien, nachdem er vorher jenen mit Rumänien abgeschlossen hatte. An den Ausgleichsverhandlungen zwischen Oesterreich und Ungarn war Sch. vom Herbst 1875 an und bis zum Abschlusse in hervorragender Weise betheiligt. Im Jahre 1869 wurde Sch. von Sr. Majestät dem Kaiser durch die Verleihung der eisernen Krone III. Classe ausgezeichnet und in Folge dessen im nächsten Jahre durch den Ritterstand geadelt. Nach Schluß der Weltausstellung 1873 erhielt er das Ritterkreuz des St. Stephanordens und wurde später, im Jahre 18753, in den erblichen Freiherrnstand erhoben. Schwegel ist seit 1868 mit Maria von Battisti di San Giorgio vermählt. Von seinen fünf Geschwistern, von denen der älteste i. J. 1874 verstorbene [357] Bruder Dr. A. Schwegel auf medicinischem Gebiete als Schriftsteller thätig und anerkannt war, leben nur noch ein Bruder und eine Schwester als Gutsbesitzer in Krain, wo auch Baron Schwegel als Großgrundbesitzer auf Grimschitzhof bei Veldes begütert ist.

Freiherrenstands-Diplom vom Jahre 1875. – Der Osten (Wien, 4°.) 1871, Nr. 21: „Consul Schwegel und die österreichische Colonie in Constantinopel“. – Wappen. Von Blau und Silber gevierteter Schild mit einem blauen Mittelschilde. In diesem eine ruhende silberne Sphynx, überstiegen von einem goldenen Sterne. Das 1. und 4. blaue Feld durchzieht schrägrechts ein goldener, mit fünf verschränkten, silbern bespitzten, roth befiederten und umwundenen Pfeilen belegter Balken. 2. und 3. zeigt in Gold eine schwebende rothe Wiege, deren unterem, dem Rande des Schildes zugekehrtem Ende ein natürlicher Edelfalke, einwärts gekehrt aufsitzt. Devise: Labor concordia. Auf dem Schilde ruht die Freiherrnkrone, mit blauen, silbernen und goldenen Decken umgeben. Die Helmkrone trägt Adlerflügel, denen ein goldener Stern eingestellt ist. Schildhalter: Goldene Greifen.