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BLKÖ:Schuster, Joseph Freiherr

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 32 (1876), ab Seite: 249. (Quelle)
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Schuster, Joseph Freiherr (k. k. General-Major und Ritter des Maria Theresien-Ordens, geb. zu Regensburg im Jahre 1769, gest. zu Wien 4. November 1853). Im September 1787 trat er als Ex propriis in das Infanterie-Regiment Preiß Nr. 24, in welchem er im November des folgenden Jahres Fähnrich wurde. Im Jänner 1790 kam er als Unterlieutenant in das damalige 3. Dragoner-Regiment, in welchem er alle Chargen bis zum Obersten durchgemacht, durch 34 Jahre bis zu seiner Eintheilung in die Arcieren-Leibgarde gedient und von 1794 die Feldzüge der französischen Revolutionsperiode mitgekämpft hatte. Schon im Jahre 1794, damals Unterlieutenant, zeichnete sich S. aus, als er sich in der Abtheilung des Regiments befand, welche unter Commando des Rittmeisters Frossard zur Verstärkung der Besatzung in der Festung Luxemburg commandirt worden. Er hatte nämlich bei der ersten feindlichen Action, bei dem Ausfalle auf den Posten von Mondorf, am 15. August, mit solcher Bravour gefochten, daß er in der Relation unter den Helden des Tages genannt wurde. Im Feldzuge des Jahres 1796 stand er mit zwei Divisionen im Corps des Generals Grafen Latour in Bayern, im Jahre 1797 aber mit einer Division bei der Armee in Italien und zeichnete sich bei Tarvis, 22. März, aus. Der im Flitscher Thale vom Feinde eingeschlossene General-Major Graf Gontreuil wollte um jeden Preis nach Tarvis sich durchschlagen und unseren Artillerie-Park retten. Oberlieutenant Schuster, der mit einer Abtheilung von 30 Dragonern auf Recognoscirung ausgeschickt worden, hatte nun den Entschluß gefaßt, nach Tarvis vorzudringen, ehe der Feind Zeit gewann, Verstärkungen an sich zu ziehen. Er führte sein Vorhaben mit großer Kühnheit aus, bestand zwei heftige feindliche Attaquen, und obgleich verwundet, hielt er gegen das Andrängen des immer wüthender kämpfenden Feindes so lange Stand, bis Unterstützung herankam. Schuster, durch zwei Säbelhiebe verwundet, behauptete muthig seinen Platz, und in der That [250] rückte General Gontreuil Abends in Tarvis ein. Am 6. März 1799, als der Feind in Graubündten, ohne den Waffenstillstand gekündet zu haben, die Vorposten überfiel, erhielt Schuster Befehl, die Position bei Erns zu vertheidigen. S.’s Abtheilung bestand aus 18 Grenadieren von Brechainville-Infanterie und 16 Dragonern. Da er mit dieser Truppe gegen die andringenden feindlichen Bataillone sich nicht halten konnte, munterte er die in Waffen stehenden Bürger und Bauern auf, sich ihm anzuschließen, setzte die Tambours auf Pferde, ließ sie durch die ganze noch unbesetzte Position sprengen, Lärm schlagen, so daß der Feind glaubte, die Stellung sei bereits von einem übermächtigen Gegner genommen; indessen machte er selbst mit seinen Dragonern eine Attaque auf die gegen das Dorf vordringende feindliche Cavallerie, warf sie, während die Infanterie sich schon früher, durch die Kriegslist getäuscht, zurückgezogen hatte. Nun ließ S. die naheliegenden Waldungen durch die Landleute besetzen. Am folgenden Tage griff der Feind in aller Frühe die Hauptposition bei Chur an, ohne die von Schuster behauptete Stellung zu beunruhigen. Als Schuster davon Nachricht erhielt, ging er selbst nach Chur, um sich von der Lage der Dinge durch den Augenschein zu überzeugen. In der That fand er Chur besetzt, unseren General Baron Auffenberg gefangen und unsere Truppen im vollen Rückzuge begriffen. Die Position bei Erns war nun von den Unseren ganz abgeschnitten. Sie bestand aus einer Division Grenadiere von Brechainville-Infanterie, 300 Mann Grenzern, einem Flügel von Modena- und einem Zuge Erzherzog Johann-Dragoner und einer großen Menge bewaffneten Landvolkes. S., der die Gegend um Chur herum kannte, bot sich nun an, die ganze Mannschaft durch Gebirgswege zu führen und so vor feindlicher Gefangenschaft zu erretten. Zuvor noch ließ er die Kanonen vergraben und die Munition vernichten. Glücklich führte er die Truppen, ohne einen Mann zu verlieren, durch’s Gebirge und rettete sie so vor Gefangenschaft. In der 66. Promotion (vom 18. August 1801) wurde S. für seine Waffenthaten mit dem Ritterkreuze des Maria Theresien-Ordens ausgezeichnet. Im Jahre 1805 focht er bei Lambach, dann bei Olmütz und in der Schlacht bei Austerlitz; 1809 in jener bei Aspern, wo er schwer verwundet wurde. Im September g. J. rückte er zum Major, vor Beginn der russischen Campagne zum Oberstlieutenant vor. Auch in den Feldzügen der Jahre 1813 und 1814 kämpfte sein Regiment mit der Bravour, durch welche es sich immer ausgezeichnet hatte, und im October 1815 wurde S. dessen Oberst. Er blieb in dieser Charge, bis im Jahre 1824 seine Ernennung zum ersten Wachtmeister in der Arcieren-Leibgarde erfolgte, welchen Posten er durch 26 Jahre bekleidete. Im März 1850 trat er, 81 Jahre alt, in den Ruhestand, den er noch drei Jahre genoß. Schon im Jahre 1810 war er den Statuten des Maria Theresien-Ordens gemäß in den Freiherrnstand erhoben worden.

Freiherrnstands-Diplom ddo. Wien 2. März 1810. – (Thürheim, Andreas Gf.), Die Reiter-Regimenter der k. k. österreichischen Armee (Wien 1862, Geitler, gr. 8°.) I. Bd.: Die Kürassiere und Dragoner, S. 223, 228, 236 u. 237. – Oesterreichischer Militär-Kalender, herausg. von Hirtenfeld (Wien, 8°.) Jahrg. 1855, S. 125. – Oesterreichischer Soldatenfreund (Wien, 4°.) VI. Jahrg. (1853), S. 719: Nekrolog. – Hirtenfeld (J.), Der Militär-Maria Theresien-Orden und seine Mitglieder [251] (Wien 1857, Staatsdruckerei, kl. 4°.) S. 626 u. 1743. – Wappen. Von Silber und Schwarz quergetheilter Schild. In der oberen silbernen Hälfte ein gespannter Bogen mit drei roth gefiederten Pfeilen; in der unteren schwarzen Hälfte sieht man ein goldenes Posthorn. Auf dem Schilde ruht die Freiherrnkrone, auf welcher ein in’s Visir gestellter gekrönter Turnierhelm sich erhebt. Die Krone des Helms trägt zwei von einander gekehrte Büffelhörner, deren rechtes schwarz über Gold, linkes silbern über schwarz quergetheilt ist und welchen ein rothgekleideter Mann mit weißer Binde, rother Zipfelmütze, der einen rothbefiederten Pfeil auf dem Bogen zum Abschuß bereit hält, eingestellt ist. Die Helmdecken sind beiderseits schwarz, rechts mit Gold, links mit Silber unterlegt. Schildhalter: zwei goldene aufgerichtete Löwen, welche den Schild mit ihren Vorderpranken anfassen.