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BLKÖ:Schoeller, Alexander Ritter von

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
korrigiert
Band: 31 (1876), ab Seite: 89. (Quelle)
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Schoeller, Alexander Ritter von (Industrieller und Mitglied des Herrenhauses des österreichischen Reichsrathes, geb. zu Düren in Rheinpreußen im Jahre 1805). Nach beendeten Studien dem industriellen Geschäfte sich widmend, trat er in die Tuchfabriken seiner Verwandten ein, brachte mehrere Jahre auf Reisen zu und ließ sich im Jahre 1831 bleibend in Wien nieder, wo er [90] theils die Geschäfte der Tuchfabrik Gebrüder Schoeller in Brünn besorgte, theils Vorbereitungen zu einer selbstständig zu errichtenden Großhandlung traf, welche er auch unter seiner Namensfirma im Jahre 1833 eröffnete. Von nun an entwickelte diese Firma eine vielseitig und von glänzenden Erfolgen begleitete Thätigkeit. Im Jahre 1844 rief S. die Berndorfer Metallwaaren-Fabrik, eine der größten ihres Gleichen auf dem Continente, welche sich vornehmlich mit Erzeugung von Pakfong- und Alpaccawaaren mit oder ohne Versilberung und Vergoldung beschäftigt, in’s Leben. Von den Erzeugnissen dieser Fabrik befinden sich mehrere in den Sammlungen des österreichischen Museums für Kunst und Industrie, welche den hohen künstlerischen Aufschwung der Fabrik bekunden, darunter ein Tafelaufsatz im Renaissancestyle, Zwei andere, einem Eichbaum (gegossen) und einen Palmbaum mit Figur darstellend, dann zwei Blumenvasen, eine davon mit Schilfblättem, eine gegossene Pferdegruppe, ein geschmackvolles Kaffee-Service, zwei große Tassen, eine im orientalischen Style, eine Monstranze im gothischen Style u. m. a. Der Berndorfer Fabrik folgte die Errichtung einer Nickelfabrik zu Losoncz in Ungarn. Die Leitung beider Fabriken führte S.’s Associé Hermann Krupp, Bruder des durch seine Geschütze und ihre Trefflichkeit, besonders im letzten Kriege gegen Frankreich, berühmt und populär gewordenen Industriellen in Essen. Die mannigfachen Schwankungen auf dem Geldmarkte bewogen S., sich vom Waarengeschäfte zurückzuziehen und völlig der Industrie zuzuwenden. Im Mai 1849 kaufte Haus Schoeller den größten Theil der in Miesbach in Oberbayern gelegenen Kohlenminen, die während einer zwanzigjährigen Bearbeitung sich zu den ergiebigsten in Bayern gestalteten, und die Triestinghofer Messingfabrik im Triesting-Thale, welche energisch betrieben wurde. Im Herbste desselben Jahres kaufte das Haus die landtäflichen Güter Czakowitz, Clenitz und Miskowitz bei Prag und gründete auf ersterem die Czakowitzer Rübenzuckerfabrik und Raffinerie. Mit Gründung derselben begann daselbst eine Reihe landwirthschaftlicher Verbesserungen und Reformen, welche man geradezu als epochemachend bezeichnen darf; es wurden nämlich die ersten englischen Säemaschinen, Haupflüge, Walzen- und Samenstreumaschinen eingeführt, welche sich von da bald auf die anderen Zuckerfabriken verpflanzten; ferner wurden Dresch- und Mähmaschinen und nach der Londoner Ausstellung 1862 ein Dampfpflug, der erste in Böhmen, aufgestellt. Dabei wurden alle auf landwirthschaftlichem Gebiete praktisch befundenen Neuerungen, darunter Saturation, Verdampfungs-Apparat, Diffusionsverfahren u. s. w., in Anwendung gebracht und mit Erfolg benützt. Nun folgten sich die Herstellungen mehrerer großartiger Zuckerfabriken, u. z. 1854 zu Czaslau, 1856 einer zweiten zu Czakowitz, 1857 zu Wrdy. In der Zwischenzeit errichtete Haus S. in Gemeinschaft mit Wertheimstein und Lederer die Ebenfurther Wasser- und Dampfmühle und Rollgerste-Fabrik, welche wenige Jahre später das Haus auf alleinige Rechnung übernahm und durch eine zweite Mühle vergrößerte. Im Jahre 1862 kaufte A. Schoeller von Baron Reichenbach das Eisenwalzwerk in Ternitz, dessen Leitung Gustav Neufeldt übernahm, und wo, nachdem die Bessemer Stahlfabrication sich immer mehr verbreitete, S. in Gemeinschaft mit Neufeldt, Hermann Krupp und Joseph Hall eine Bessemer [91] Stahlfabrik in Form einer Actiengesellschaft begründete. Bald wurde dieselbe zu einer der bedeutendsten in der Monarchie und vergrößerte sich im Jahre 1871 noch durch Ankauf der dem Grafen Henckel von Donnersmarck gehörigen, in Zwischenbrücken nächst Wien gelegenen Kronprinz Rudolph-Hütte, in welchen vereinigten Fabriken die Erzeugung von Schienen, Achsen, Tyres (Bandagen) u. s. w. auf das Schwunghafteste und in großartigen Dimensionen betrieben ward. Nun kaufte das Haus Schoeller – denn da mit Alex. Schoeller sich seine Neffen und Verwandten Gustav Schoeller, Paul Ritter von Schoeller als öffentliche Gesellschafter und Philipp von S. [s. d. S. 96] als Procuraführer verbanden, so wurde die bisherige Firma „Alex. Schoeller“ in die Firma „Schoeller u. Comp.“ umgeändert – die Herrschaft Levenz im Ausmaße von circa 20.000 Joch und rief daselbst mit französischen Apparaten die Erzeugung von hochgrädigem, rectificirtem Rübenspiritus in’s Leben. Diese Industrie erhebt sich besonders durch den Umstand zu hoher Bedeutung, daß dabei 60 Percent des nominellen Gewichtes der Rüben in Futter gewonnen werden, welches Jahre lang in Gruben aufgehoben werden kann, ein Vorgang von großer Bedeutung in einem Lande, wo so häufig Futtermißwachs stattfindet. In neuester Zeit liefert das Haus geschnittene Eichen-Dimensionshölzer, welche es mit eigenen Remorqueuren und Schleppschiffen von der unteren Donau nach Wien schafft und daselbst für den Export vorrichtet, ein großartiger, in volkwirthschaftlicher Beziehung wichtiger Betrieb. Noch sei bemerkt, daß der im Jahre 1834 angekaufte Schoellerhof in Wien von Alexander Schoeller beinahe ausgebaut ward und der große Bellegardehof in Wien Eigenthum S.’s ist. Alexander Schoeller erhielt für seine großartigen, auf die Hebung der Industrie in Oesterreich einflußreichen Leistungen schon auf der Pariser Industrie-Ausstellung des Jahres 1855 die Medaille 1. Classe, ebenso auf der Londoner Ausstellung 1862, auf welcher er auch österreichischer Seits mit dem Orden der eisernen Krone 3. Classe ausgezeichnet wurde; für seine zwölfjährige Dienstleistung als Handelsgerichts-Beisitzer wurde ihm der Titel eines kais. Rathes zu Theil und im Jahre 1868 erfolgte seine Berufung als lebenslängliches Mitglied in das Herrenhaus des österreichischen Reichsrathes. S.’s Name gehört in Oesterreichs Industriegeschichte zu den bedeutendsten. Wenngleich jede Neuerung im Maschinenwesen nach sorgfältiger Prüfung, sobald sie sich bewährt hat, in seinen Industrien zur Anwendung kommt, so beschäftigt er nichtsdestoweniger immer auch Arbeiter nach Tausenden, denn allein schon in der Nickelfabrik zu Berndorf kommen an 1000 Arbeiter in Verwendung, das ungeheure administrative Personale in den Niederlagen, Verkaufslocalen, Agenturen u. s. w. ungerechnet. Auf der Wiener Ausstellung des Jahres 1873 war die Firma Schoeller mit allen Industrien und Landwirthschaften in großartiger Weise vertreten.

Bericht über die allgemeine Agricultur- und Industrie-Ausstellung zu Paris im J. 1855. Von Dr. Eberhard Jonak (Wien 1857/58, Staatsdruckerei, gr. 8°.) I. Classe: Rohproducte des Mineralreichs u. s. w., S. 163; XI. Classe: Bereitung und Aufbewahrung von Nahrungsmitteln, S. 12, 94, 95, 109. – Oesterreich auf der internationalen Ausstellung 1862. Im Auftrage des k. k. Ministeriums für Handel u. s. w. Von Prof. Dr. Jos. Arenstein (Wien 1862, Staatsdruckerei, Lex. 8°.) S. 34, Nr. 353. – Oesterreichischer [92] Bericht über die internationale Ausstellung in London 1862. Herausgegeben unter der Leitung von Prof. Dr. Jos. Arenstein (Wien 1863, Staatsdruckerei, schm. 4°.) S. XLVIII, 134, 309. – Internationale Ausstellung zu Paris 1867, Katalog der österreichischen Abtheilung. Herausgegeben vom k. k. Centrcal-Comité für die Pariser Ausstellung (Wien, 8°.) Zweite Auflage, S. 91, Nr. 61; S. 204, Nr. 138; S. 210, Nr. 68. – Weltausstellung 1873 in Wien. Amtlicher Catalog der Ausstellung der im Reichsrathe vertretenen Königreiche und Länder Oesterreichs (Wien 1873, Druckerei des Journals „Die Presse“, 8°.) S. 31, Nr. 13; S. 265, Nr. 561, u. S. 266, Nr. 584. – Porträt. Unterschrift: Alexander Ritter von Schoeller. Holzschn. o. Ang. d. Z. u. Xyl. Auf der Rückseite das Facsimile des Namenszuges.