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BLKÖ:Schiavone, Michael

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Schez, Peter
Band: 29 (1875), ab Seite: 252. (Quelle)
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Schiavone, Michael (Maler und Kupferstecher), lebte im 18. Jahrhunderte und stammt nach einem von ihm vorhandenen Porträte aus Dalmatien, von wo er nach Chioggia nächst Venedig kam und sich dort seßhaft machte. Man nannte ihn deßhalb auch Chioggotto und Chiozzotto, wie er andererseits wieder als Sciavonus und Schiavin erscheint. Er stammt nach den Ansichten Einiger unmittelbar von dem berühmten Andreas Schiavone (Medulić), der somit der Stammvater einer ungemein zahlreichen Künstlerfamilie wäre, die sich in den verschiedenen Städten Oberitaliens und der südslavischen Länder theils seßhaft, theils durch Kunstwerke einen Namen gemacht. Jedenfalls ist Michael Schiavone – er heißt noch Schiavone, während seine Enkel sich Schiavoni schrieben – der Stammvater der berühmten Malerfamilie Schiavoni, zu welcher Natalis, dann dessen Söhne Felix und Johann und des ersteren Töchter Karoline und Julie [siehe die folgenden Artikel] gehören. Die Abstammung ist folgende: Michael’s Sohn war Felix, ein Schiffbauer, dessen Sohn ist der berühmte Maler und Kupferstecher Natalis, dessen Nachkommenschaft schon oben genannt worden. Im Ganzen war Michael, über dessen Lebens- und Bildungsgang fast gar keine Nachrichten vorliegen, ein mittelmäßiger Künstler und sein größtes Verdienst möchte wohl sein, daß er der Stammvater einer tüchtigen [253] Künstlerfamilie ist. An Werken seiner Hand ist eben kein Mangel, so in Venedig in der Kirche San Francesco di Paula: „Der H. Franciscus“; – zu Oleo nächst Venedig in der Kirche San Giovanni das Altarbild: „Die HH. Aloisius Gonzaga, Cajetan und Philippus Nerius zwischen zwei Engeln“, im Jahre 1766 gemalt; – in der Kirche San Geremia in Venedig in der Sacristei ein kleines Altarbild: „Der H. Petrus, dem Christus die Schlüssel des Himmelreiches übergibt“; – in derselben Kirche: „Die Zerstörung Jerusalems“, in der Höhe der zürnende Jehova, auf den Trümmern der wehklagende Jeremias; als Mauerverzierungen ebenda sind von seinem Pinsel die vier Propheten; – in der Kirche San Pietro di Castello in Venedig das Altarbild: „Das Martyrium des h. Johannes des Evangelisten“, dieses Bild hat S. eigentlich nur restaurirt, denn es ist ursprünglich von dem Paduaner Maler Alexander Varotari (gest. 1596) gemalt, und da es schon sehr schadhaft war, von Michael ausgebessert worden, wie dieß aus dem auf dem Bilde befindlichen Distichon erhellet: Saeva Varotari quod pinxit perdidit aetas | ScIavonus Michael, quod rapit illa dedit, und in der Pfarrkirche zu Chioggia hatte Michael ein Altarbild und die Decke der Capelle gemalt. Von seinen Kupferstichen erwähnt einige der venetianische Geschichts- und Kunstforscher Emanuel Anton Cicogna [Bd. II, S. 368], welche derselbe im Museo Correr gesehen. Es befanden sich darunter einige Stiche nach Gemälden von Paul Veronese und die Bildnisse der HH. Marcus, Marcellinus und Sebastian, bezeichnet: Inc. da Michele Schiavone.

Cicogna (Eman. Ant.), Delle Inscrizioni Veneziane (Venezia 1824, gr. 4°.) Vol. IV, p. 233. – Paoletti, Il fiore di Venezia (Venezia 1837), tomo I, p. 81. – Moschini (Gianantonio), Guida di Venezia (Venezia 1815, Alvisopoli, 12°.) Tomo I, p. 12, 23, 128; tomo II, p. 49.