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BLKÖ:Schey von Koromla, Friedrich Freiherr

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 29 (1875), ab Seite: 243. (Quelle)
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Schey von Koromla, Friedrich Freiherr (Finanzmann und Humanist, geb. zu Güns im Eisenburger Comitate Ungarns 5. März 1815). Die Eltern, wohlhabende Handelsleute, ließen dem Sohne eine tüchtige Erziehung zu Theil werden. Er beendete die Gymnasialclassen in seiner Vaterstadt, besuchte alsdann das juridische Lyceum in Oedenburg und kam 1832 im Alter von 18 Jahren nach Wien, wo er am Polytechnicum seine Ausbildung vollendete. Der höheren finanziellen Laufbahn sich zuwendend, trat er im Jahre 1835 in das Bankhaus von Wertheimstein in Wien, nach einiger Zeit aber in das Geschäft seiner Familie in Güns; später, 1839, wurde er Theilhaber im Geschäfte seines Schwiegervaters J. Landauer, nach dessen Tode er im Jahre 1855 als k. k. priv. Großhändler seine eigene Firma „Friedrich Schey“ begründete. Mehrere Jahre hindurch betrieb er auch in Slavonien die Seidenindustrie. Für die Hebung der Seidenzucht in Ungarn war ihm kein Opfer zu gering, und die von seinen Filanden in der slavonischen Militärgrenze in der Londoner internationalen Ausstellung des Jahres 1862 vorgewiesenen dreigalettigen Greggien (unfilirte Seide) und Organsins waren von so vorzüglicher Schönheit und Güte, daß ihm von der Jury die höchste Auszeichnung, nämlich die Medaille, zuerkannt wurde. Doch nicht das industrielle, [244] sondern das finanzielle Gebiet ist es, auf welchem S. seine volle Thätigkeit entfaltete und jene Höhe erreichte, auf welcher er gegenwärtig sich befindet, da sein Name wohl in der vordersten Reihe der Finanzcapacitäten des Continents verzeichnet steht. Es ist nicht die Aufgabe dieses Lexikons, finanzielle Operationen zu schildern und ihren Werth zu prüfen. Wenn von irgend etwas, so gilt von denselben, wie überhaupt von allen Unternehmungen, auf welchem Gebiete diese stattfinden mögen – der Erfolg. Um die Macht, den Einfluß und die Bedeutenheit S.’s darzuthun, genügt es zu verzeichnen, wie er allmälig in dieses und jenes Unternehmen eingetreten und dasselbe nicht blos durch das Gewicht seines Namens, sondern auch durch seinen Scharfblick in Ergreifung der zweckentsprechenden Mittel und seine schöpferische Kraft gehoben hat. Seit dem Jahre 1854 ist S. Director der Vöslauer Kammgarnfabrik; seit 1856, also seit dem Bestehen der Bahn, Verwaltungsrath der Theißbahn und der Kaiserin Elisabethbahn, an welcher er seit 1862 als Präsident fungirt; seit 1857, also gleichfalls seit ihrer Begründung, Präsident der Wiener Handels-Akademie, zu deren eifrigsten Stiftern und Förderern S. zählt, wie denn überhaupt dieses mit jedem Jahre glänzender prosperirende Institut das eigentliche goldene Blatt im Verdienstkranze S.’s bildet; seit 1858 Rath der k. k. Börsekammer, und seit 1864 Vice-Präses derselben; seit 1865, also seit ihrem Bestehen, Verwaltungsrath der Rückversicherungsgesellschaft „Securitas“, an welcher er 1869 Vice-Präses wurde; seit 1871 Verwaltungsrath der allgemeinen ungarischen Bodencredit-Actiengesellschaft; endlich seit 1871, also auch seit dessen Errichtung, Präsident des Wiener Stadttheaters. Indem S. in den vorgenannten Stellungen zur Stunde noch thätig ist, hatte er vordem noch manches andere wichtige Amt bekleidet und war von 1856 bis 1867 Mitglied der n. ö. Handels- und Gewerbekammer und Schätzungs-Commissär bei dem Handelsgerichte; von 1855 bis 1861 Censor der k. k. priv. Nationalbank; von 1861 bis 1869 Director derselben; von 1859 bis 1861 Verwaltungsrath der n. ö. Escompte-Gesellschaft. dann durch mehrere Jahre Verwaltungsrath der ungarischen Creditbank, Präsident des Vereins der Wiener Kaufleute „Union“, Beirath der israelitischen Cultusgemeinde Wien, des israelitischen Handwerkervereins und Taubstummen-Institutes; im Jahre 1873 Mitglied der Weitausstellungs-Commission; von 1855 bis 1871 großherzoglich hessischer General-Consul, nach Auflassung dieses Consulates erhielt er den Titel eines großherzoglich hessischen Geheimrathes. Ein reiches Blatt in S.’s Thätigkeit bildet dasjenige, welches seine humanistischen Spenden, die nach vielen Tausenden zählen, verzeichnet. Bei allen Wohlthätigkeits-Instituten, Sammlungen für Arme und sonstige humane Zwecke, für Kunst und Wissenschaft in Wien, wie auch in Ungarn stand S. immer mit bedeutenden Beträgen in erster Reihe, vornehmlich aber als Stifter des Wiener Künstlerhauses, Musikvereins, des österreichischen Museums, n. ö. Gewerbevereins, des israelitischen Blinden-Institutes, der Erzherzog Albrecht- und Kaiser Franz Joseph-Stiftung, des Schiller-, Grillparzer- und Beethoven-Denkmals, der österr. Nordpol-Expedition, der ungarischen Akademie in Pesth, des Pesther Casino’s u. s. w. Diese reiche, nach verschiedensten Richtungen sich abzweigende [245] Thätigkeit fand ebenso höchsten Ortes wie unter seinen Mitbürgern vielfache Würdigung. Im Jahre 1860 erhielt S. das Bürgerrecht der Stadt Wien, früher schon das Ehrenbürgerrecht der k. Freistadt Güns und der israelitischen Cultusgemeinde Rechnitz in Ungarn. Mit Diplom vom 13. Mai 1859 wurde Friedrich S. gleichzeitig mit seinem Oheim Philipp S. [s. d. Folg.] in den österreichischen Adelstand mit dem Prädicate von Koromla erhoben. Bei Einweihung des neuen Gebäudes der Wiener Handels-Akademie am 12. October 1862 erhielt S. angesichts der ganzen Versammlung aus den Händen des damaligen Handelsministers Grafen Wickenburg den Orden der eisernen Krone dritter Classe und in Folge dessen mit Diplom ddo. 2. December 1863 den österreichischen Ritterstand. Als dann S. im October 1869 mit dem Orden der eisernen Krone zweiter Classe ausgezeichnet wurde, erfolgte statutengemäß mit Diplom vom 23. December 1869 die Erhebung in den österreichischen Freiherrnstand. Ueberdieß haben der verewigte Kaiser von Mexiko, die Kaiser von Frankreich, Brasilien, Rußland, die Könige von Preußen, Bayern, Württemberg, Niederlande, Belgien, Griechenland, Portugal, Hannover, der Großherzog von Hessen und der Herzog von Braunschweig S. mit Commandeur- und Ritterkreuzen ihrer Orden ausgezeichnet. Auf zwei Momente in S.’s Leben muß der Culturhistoriker besonderes Gewicht legen: auf seine Eigenschaft als Gründer der Wiener Handels-Akademie und als Hauptförderer des Baues des Wiener Stadttheaters. Mit ersterer Anstalt, deren Blüthe in Zunahme begriffen ist, hat S. ein Werk von unermeßlicher Bedeutung für das Aufblühen von Handel und Gewerben im Kaiserstaate, wo bis dahin keine öffentliche Anstalt in dieser Richtung, sondern nur etliche, kaum nennenswerthe Privatinstitute sich befanden, in’s Leben gerufen. Den Bau des Wiener Stadttheaters aber hat S. bei dem sichtlichen Verfalle der Wiener Hofbühne unter Friedrich Halm’s Leitung als ein zur Hebung der im Sinken begriffenen dramatischen Kunst bestimmtes Institut durch unermüdliche Geltendmachung seines großen Einflusses und durch unablässige Agitation unter den Börsen-Nabobs glücklicherweise in der „vorkrachlichen“ Zeit zu Stande gebracht. Zur Errichtung eines Actien-Institutes mit ernster künstlerischer Richtung wollte sich anfänglich Niemand verstehen, denn das lustige Wien, meinte man, biete für so edle altmodische Strebungen keinen günstigen Boden und Niemand wollte sich zum Mäcen einer unpraktischen Kunstbegeisterung hergeben und als solcher viele Tausendgulden-Billets auf ein unfruchtbares Unternehmen opfern, wie es S. gethan. Daß der Freiherr ein großer Freund der Literatur und Kunst ist, erfahren wir überdieß aus den „Illustrirten Plaudereien“, welche uns von seiner reichen, nicht blos aus glänzend gebundenen, sondern fleißig benützten und gelesenen Büchern bestehenden Bibliothek berichten, ferner von seinem Sammeleifer – nicht aus Beruf, sondern aus Liebhaberei – indem werthvolle Gegenstände nicht zur allgemeinen Ausstellung in seinen Salons prangen, sondern ganz ordnungslos in seinem nur ihm zugänglichen Bibliothekzimmer sich befinden, um nicht „das Kataloggewissen irgend eines Kenners durch ihre Systemlosigkeit zu revoltiren“; endlich von seiner fast virtuosen Fertigkeit auf der Violine, welche er sich als ein Schüler des alten Helmesberger und Strebinger’s [246] angeeignet hat. S. lebt in Wien, wo er im Winter sein großes Palais neben jenem des Erzherzogs Albrecht auf dem Opernringe, im Sommer seine Villa in Lainz nächst Schönbrunn bewohnt. In diesem Orte, dessen Gemeindevorstande er mehrere Jahre hindurch als Ausschuß angehörte, hat S. in den Jahren 1859 bis 1866 ein kleines Spital für Verwundete errichtet. Freiherr Friedrich ist in erster Ehe mit Emilie gebornen Landauer, in zweiter Ehe (seit 20. December 1846) mit seiner Schwägerin, der Schwester der ersten Gattin, Hermine, vermält. Aus erster Ehe stammt eine Tochter Emmy (jetzt vermälte Baron Worms), aus zweiter Ehe fünf Söhne und zwei Töchter. Von ersteren ist Freiherr Stephan Cassier des Wiener Schillerdenkmal-Comité’s, als welcher er für die Beischaffung der erforderlichen Geldmittel mit dem Vice-Präses dieses Comités, L. A. Frankl, das meiste Verdienst zu beanspruchen hat.

Ritterstands-Diplom ddo. 2. December 1863. – Freiherrnstands-Diplom ddo. 23. December 1869. – Illustrirte Plaudereien. Herausgegeben von F. Schlesinger (Wien, 4°.) 1873, Nr. 47: „Baron Friedrich Schey von Koromla“ [mit sehr ähnlichem Holzschnittbildniß aus der xyl. Anstalt von R. Hempel]. – Guide- und Souvenir-Album der Wiener Weltausstellung 1873. Herausgegeben von Adolph Dillinger und August von Conraths (Wien, typ. Anstalt von C. Vogt, Schwarzenberger u. Co., 12°.) S. 219. – Biographisches Lexikon der Wiener Weltausstellung. Herausgegeben von Engel und Rotter, redigirt von Heinrich Frauberger (Wien 1873, Verlag der Herausgeber, gr. 8°.) S. 106 [mit xylogr. Bildniß von Rusz]. – Wiener Salon- Album 1872. Herausg. von Moriz Engel, redigirt von P. v. Radics (Wien 1872, Leop. Sommer, gr. 4°.) S. 100 [mit Holzschnittbildniß]. – Illustrirtes Wiener Weltausstellungs-Album. Gallerie von Capacitäten auf dem Gebiete der Volkswirthschaft, des Handels und der Industrie. Redacteur: Anton Bittner (Erste Wiener Vereins-Buchdruckerei, schm. 4°.) I. Jahrg. (1873), Nr. 1, S. 2: „Friedrich Schey“ [mit Holzschnittbildniß in ganzer Figur]. – Wappen. Ein durch einen schmalen silbernen, mit zwei achtstrahligen blauen Sternen hintereinander belegten Balken schrägrechts getheilter Schild. In dem oberen goldenen Felde ein aufschreitender rother Löwe mit blauausgeschlagener Zunge und im unteren blauen Felde ein silberner goldbewehrter rothbezungter Adler. Auf dem Hauptrande des Schildes ruht die Freiherrnkrone mit drei gekrönten Turnierhelmen. Den mittleren sowie den rechtsseitigen Helm umgeben blaue mit Silber, und den linksseitigen rothe mit Gold unterlegte Decken. Die mittlere Helmkrone trägt einen achtstrahligen blauen Stern; aus der zur Rechten wächst einwärtssehend ein Adler und aus jener zur Linken ein Löwe, beide ähnlich den im Schilde vorkommenden, hervor. Schildhalter: Rechts ein silberner, golden bewehrter und rothbezungter Adler, links ein rother Löwe mit blauausgeschlagener Zunge, gegengekehrt und auf einer unterhalb sich verbreitenden Bronze-Arabeske angebracht, welche ein blaues Band trägt mit der Devise in silberner Lapidarschrift: „Quo fata vocant“.