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BLKÖ:Schelivsky, Karl

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 29 (1875), ab Seite: 182. (Quelle)
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Schelivsky, Karl (Schulmann, geb. zu Gaya in Mähren 9. April 1814). Sein Vater Vincenz war ursprünglich Kaffeehausbesitzer, mußte aber, als er in den Jahren 1811–1813 durch [183] die damalige Finanzkrisis sein Vermögen verlor, von nun an für sich und seine zahlreiche Familie durch Unterricht in der französischen und italienischen Sprache seinen Erwerb suchen, den er bei seiner im Jahre 1822 erfolgten Uebersiedlung nach Wien auch fand. Karl besuchte hier, nachdem er in Gaya bei den Piaristen Unterricht genommen hatte, die Schulen zu St. Anna und der Technik. Unter sehr drückenden Verhältnissen wandte er sich dem Studium der Pädagogik zu und trat auch in die Zeichen-Akademie ein. Unter dem damals sehr vortheilhaft bekannten Frühwirth [Bd. IV, S. 388] machte er gleichzeitig in der Lithographie glückliche Fortschritte. In dieser Zeit lithographirte er das Porträt des Domscholasticus J. N. Ebneter und ein Heft Schönschriftvorlagen, die er dem Letztgenannten widmete. Auch als Kalligraph leistete S. Ausgezeichnetes. Dieß zog die Aufmerksamkeit maßgebender Persönlichkeiten auf den jungen Schulmann, so daß er in seinem 20. Jahre als Lehrer an der Pfarrhauptschule am Hof eine Anstellung erhielt. Im Jahre 1837 berief ihn Director Drack in seine Privathauptschule am Bauernmarkt in Wien, welche zu den besten jener Zeit gehörte und namentlich von der Jugend der angesehenen Familien Wiens besucht wurde. Drei Jahre später wurde S., nachdem Director Drack plötzlich gestorben war, mit der provisorischen Leitung dieser Schule betraut, wozu des jungen Pädagogen bisherige Leistungen und die uneingeschränkte Anerkennung seines früheren Directors die gerechte Veranlassung boten. Im Jahre 1845 wurde S. zum bleibenden Director ernannt, nachdem der Fortbestand dieser Schule wegen des „josephinischen“ Geistes, in dem sie geleitet wurde, und angeblich wegen der „allzugroßen Jugend“ des neuen Leiters, der unläugbar in die Fußstapfen seines Vorgängers trat, von Seite des Consistoriums durch zwei Jahre in Frage gestellt wurde. Dieser Kampf, den der junge Mann zu bestehen hatte, war übrigens Ursache, daß bei der Zweifelhaftigkeit über die Fortdauer dieser Schule in genannten Jahren in sämmtlichen Classen nur 56 Schüler gezählt wurden, während sie in den späteren Jahrgängen meist über 600 auswies. Dabei muß erwähnt werden, daß sich für die Aufrechthaltung dieser Schule damals die angesehensten Bürger und Notabilitäten Wiens lebhaft und durch Gesuche tatsächlich interessirten. S. ging nun mit aller Rührigkeit und einem Organisationstalente, das vor keiner Schwierigkeit zurückschreckt, an eine gründliche Verbesserung und Erweiterung seines Institutes. Im Jahre 1849 erhielt er von Seite der Statthalterei in Anerkennung seiner pädagogischen Verdienste die Bewilligung zur Errichtung einer Unterrealschule, in dem damaligen Wien, außer jener bei St. Anna, die einzige der inneren Stadt. 1859 kam noch die Einführung einer Oberrealschule hinzu und ward dadurch das Institut in eine Haupt- und eine vollständige Realschule getrennt. Dadurch waren für das Institut, welches ursprünglich nur drei Lehrzimmer besaß, die ausgedehnten Räumlichkeiten des ganzen dreistöckigen Hauses am Bauernmarkt (neben dem heutigen Bellegardehof) nothwendig geworden. In dieser Schule wurden bereits Lautirungsmethode, Anschauungsunterricht, Turnübungen, Unterricht in fremden Sprachen u. s. w. eingeführt, Unterrichtsmomente, welche in anderen Schulen erst viele Jahre später Berücksichtigung fanden. Mit dieser durch Lehrmittel [184] ungewöhnlich reich ausgestatteten Schule wurde überdieß ein Pensionat für in- und externe Zöglinge verbunden,dessen Leitung Gustav Schelivsky, der jüngere Bruder Karl’s übernahm. Nachdem S. bis zum Jahre 1861 seiner Anstalt die sorgfältigste Thätigkeit zugewendet und eine Beliebtheit errungen hatte, die in jenen Tagen keine Rivalität besaß, trat er im genannten Jahre aus Gesundheitsrücksichten von seiner so anstrengenden Aufgabe zurück. Nun erfolgte eine Trennung der Anstalt, so zwar, daß Professor Skrivan die Realschule und Gustav Schelivsky die Hauptschule leitete. Indessen entzog sich S. auch anderen bürgerlichen Pflichten nicht. S. wurde im Jahre 1850 Gemeinderath der Stadt Wien; im Jahre 1852 Ausschuß des Vereins zur Verbreitung von Druckschriften für Volksbildung; 1853 erhielt er das Wiener Bürgerrecht; 1858 wurde er Mitvorsteher der Kleinkinder-Bewahranstalt und Ortsschulaufseher für die Pfarrschule Alservorstadt; zahlreiche Anerkennungs-Decrete, welche S. während seiner vielfachen Thätigkeit erhielt, sprechen für seine ersprießliche und opferwillige Thätigkeit. 1871 zog sich S. nach Linz zurück. Aber auch hier konnte er seinem Thätigkeitstriebe nicht entsagen. Er hielt daselbst sehr lebhaft besuchte populäre Vorträge über Physik, wurde zum Präsidenten des Gewerbevereins ernannt, ertheilte den Lehramtscandidatinen Unterricht in der Handhabung physikalischer und chemischer Apparate, construirte den physikalischen Volksschul-Apparat für Oberösterreich u. s. w., und ist dadurch ebenfalls in den Besitz einer großen Reihe von Anerkennungen gelangt. In dieser Zeit, während welcher er nur im Interesse der Bildung wirkte, betheilte er auch zahlreiche Lehranstalten mit Lehrmitteln verschiedener Art. Im Jahre 1873 übersiedelte S. von Linz nach Salzburg, einerseits um hier größere Ruhe zu erzielen, anderseits angelockt von der Alpenflora, welche seinen emsigen botanischen Studien reiche Ausbeute versprach. Diese besonders scharf ausgeprägte Vorliebe S.’s für die Botanik war es auch, welche ihn seit Jahren nicht ruhen ließ, bis es ihm gelungen war, einen Imprägnirungsstoff zu combiniren, welcher die gepreßten Blüthen, Blumen und Blätter in ihrer ursprünglichen Farbenfrische und Biegsamkeit conservirt. Es ist ihm dieß auch nach vielen Mühen und Versuchen glücklich gelungen. Die reizenden Blumentableaux und wissenschaftlich geordneten Herbarien, welche S. bei mehreren Gelegenheiten an verschiedenen Orten ausstellte, verschafften seiner epochemachenden Erfindung die ungetheilte Bewunderung und dem Erfinder mehrere Ehrenmedaillen. Ueber den Gebrauch des erwähnten Imprägnirungsstoffes erschien 1873 bei Menzel in Leipzig eine populär gefaßte Broschüre. An pädagogischen Schriften hat S. herausgegeben: „Lautir- und Lesebuch, eine praktische Denklehre für die zarte Jugend“ (Wien 1849, [[BLKÖ:Seidel, Ludwig Wilhelm|L. W. Seidel]); – „Vortrags-Uebungen für das zarte Alter“ (Wien 1850, Seidel); – „Anleitung zum Gebrauche physikalischer Apparate“ (Linz 1872, Fink). Ferner erschienen von ihm zahlreiche, besonders gedruckte populär-wissenschaftliche Anleitungen und in Zeitschriften Beiträge pädagogischen und gemeinnützigen Inhalts. – S.’s oberwähnter Bruder Gustav ist der Verfasser eines öfter bereits aufgelegten „Anschauungs-Unterrichtes in französischer Sprache“; er hat die Hauptschule und das Pensionat von seinem älteren Bruder übernommen, nach Döbling übertragen [185] und daselbst später mit einer Unterrealschule vereinigt. Als Curiosum sei erwähnt, daß sich das Pater David’sche [Bd. III, S. 177] bekannte Planetarium in Karl Schelivsky’s Besitz befindet.

Verschiedene Mittheilungen aus pädagogischen Blättern – Notizen und Ministerial-Acten u. s. w. – Porträt. Facsimile des kalligraphischen Namenszuges: Karl Schelivsky, Director der Haupt- und Unterrealschule am Bauernmarkt. Unterhalb, am Rande: Achtungsvoll gewidmet von dem Lehrpersonale und den Schülern der Hauptschule am Bauernmarkt. Kriehuber (lith.) 1851. Gedr. bei J. Höfelich (Fol.).