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BLKÖ:Scheither, Georg Freiherr

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Scheiwl, Joseph
Band: 29 (1875), ab Seite: 175. (Quelle)
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Scheither, Georg Freiherr (General-Major und Commandeur des Maria Theresien-Ordens, geb. zu Hannover im Jahre 1772, gest. 22. April 1816). Aus einer hannover’schen, auch im Bremen’schen begüterten adeligen Familie abstammend, trat S., 15 Jahre [176] alt, in ein englisches Reiter-Regiment, aber nach mehrjährigem Dienste in der englischen Armee im Jahre 1799 als Rittmeister bei der Stabsdragoner-Division in die kaiserliche Armee über. Noch in englischen Diensten hatte sich S. in der Schlacht bei Famars im Jahre 1793 hervorgethan, wo er erst nach sieben Säbelhieben und eben so vielen Stichen sich gefangen gab; später bereits englischer Rittmeister, wurde er im Jahre 1796 dem Armeecorps des Herzogs Ferdinand von Württemberg am Unterrhein als Generalstabs-Hauptmann zugewiesen, und hat in dieser Stellung am 6. Juni einer bei Altenkirchen geschlagenen Colonne der Unseren Fußtruppen, Reiter und zwei Geschütze aus eigenem Antriebe eiligst zugeführt, in Folge dessen die Franzosen geworfen und die verlorene Verbindung wieder hergestellt wurde. Seit 1799 in österreichischen Diensten, vollführte S. eine Reihe der wackersten Waffenthaten. Am 4. October 1799 führte er, zum Schutze unserer bereits zurückgedrängten Truppen, bei Höchst unaufgefordert vier Geschütze vor, deren Feuer den Feind zum Rückzuge zwang. – Am folgenden Tage deckte er bei des Feindes erneuerten Angriffen lange Zeit die Passage bei Nidda; als er dann die Absicht des Gegners, unser an der Nidda aufgestelltes Corps zu umgehen, errieth, vereitelte er durch trefflich ausgeführte Dispositionen diesen Plan; als dann die feindlichen Truppen den Brückenkopf, den unsere Truppen eben passiren sollten, bereits besetzt hatten, führte S. ein Bataillon Fußtruppen, zwei Cavalleriegeschütze und einen Sechspfünder herbei, und griff mit dieser Verstärkung die Franzosen an, welche bald den Brückenkopf räumen und auch das nahe Frankfurt, wohin sie sich gezogen, verlassen mußten. – In den letzten Tagen des October zeichnete sich S. bei der Besetzung des Odenwaldes, welcher zur Erhaltung der Verbindung mit unserer Armee nothwendig war, besonders aus. Die Vertheidigung des Odenwaldes war aus mannigfachen Ursachen sehr erschwert und doch unerläßlich. Aber S. gelang es in den Tagen des 26. und 27. October, in der Gegend von Mudau einen Haufen von 10.000 Bauern, die er theils durch Bitten, theils durch List zu gewinnen wußte, zu versammeln, den er noch mit 3000 Würzburger Bauern bei Haynstadt verstärkte. Aber nun galt es, diesen ordnungslosen Haufen militärisch zu organisiren und auch zu verpflegen. Kaum hatte er nur die oberflächlichste Eintheilung in Bataillone und Compagnien durchgeführt, als die Kunde vom Herannahen des Feindes, der bereits bis Waldmichelbach und Fürth vorgedrungen war, sich verbreitete. Aber schon am 28. October stellte S. eine Abtheilung von 4000 Bauern bei Strümpfelbrunn, am 30. eine zweite von 6000 Bauern bei Waldmichelbach auf. Am 1. November griff S. mit seinen Bauern den in der Nähe postirten Feind an und warf ihn mit starkem Verluste zurück, machte viele Gefangene, große Beute an Pferden, und im Birkenauer Thale wurde das feindliche 2. Cavallerie-Regiment fast gänzlich zu Grunde gerichtet. Nun bedrohte er mit seinen Bauern den Feind längs des Neckars im Rücken, besetzte am 7. November Eberbach, am 8. Hirschkorn, marschirte am 12. nach Schönau, griff Nachts den bei Neckarsteinach und Neckargemünd postirten Feind an, trieb ihn über den Neckar zurück und bestand mit seinen muthlosen Bauern noch glücklich mehrere Gefechte. Bis zum 27. November dauerten alle diese theils glücklichen [177] theils erfolglosen Bewegungen mit den ungeschulten und muthlosen Bauern, die jeden Augenblick das Hasenpanier ergriffen, und nur eine Ausdauer und Energie wie jene Scheither’s war im Stande, ohne Mitwirkung anderer Officiere und Mannschaften mit diesem undisciplinirten Landsturm nur einigermaßen Erfolge zu erzielen. Am 21. leistete er bei Mosbach dem weit überlegenen Feinde, obwohl seine Bauernvorposten die Flucht ergriffen hatten, siegreichen Widerstand, und am 27. November warf er den auf der Heidelberger Straße bei Aglasterhausen stehenden Feind völlig zurück. – Im J. 1800 erhielt S. im Mai den Auftrag, ein leichtes Jägercorps zu errichten. Mit demselben, obgleich es keineswegs ausgerüstet war, stellte er sich am 5. Juli bei Eschbach dem weit stärkeren Feinde entgegen und zwang diesen zum Rückzuge. Am Nachmittag desselben Tages trieb er den Feind mit Sturm aus Bockenheim und Hausen, nahm Rödelheim und machte 265 Gefangene. Nachts besetzte er dann die Thore Frankfurts. – Am 3. December überfiel er mit seinen leichten Jägern und einer Division Szekler den weit stärkeren Feind bei Burg Eberrach, versprengte bei Sembach die 21. Halbbrigade, machte 30 Wagen mit Waffen und Monturen Beute und kaum entging der General Augereau der Gefangenschaft. – Am 16. December dess. J. überfiel S. bei Hauf die Division des Generals Duhème, machte 35 Gefangene und erbeutete mehrere Pferde, der Plan Augereau’s aber, die Vereinigung unserer beiden Corps der Feldmarschall-Lieutenants Simbschen und Klenau zu verhindern, wurde durch S.’s glückliche Action vereitelt. – Ganz besondere Bravour entwickelte S. einige Tage später bei Nürnberg, wo er mit seinem kleinen Bataillon und einer Schwadron Blankenstein-Huszaren nicht nur alle Dispositionen Augereau’s, welche einen Doppelangriff Klenau’s und Simbschen’s bezweckten, gänzlich vereitelte, sondern den von einer überlegenen Feindesmacht besetzten Tumelberg mit Sturm nahm und durch eine glückliche Disposition seiner kleinen Truppe den Feind glauben machte, daß bereits das ganze Simbschen’sche Corps in diesen Kampf verwickelt gewesen sei, während dasselbe nicht weniger denn drei volle Stunden vom Schauplatze des Kampfes entfernt war. Dieß Alles war für die Unseren von den besten Folgen begleitet. Simbschen konnte sich mit Klenau vereinigen, am 21. December die Division Duhème bei Neukirchen am Brand angreifen und schlagen und so das Vorrücken der Franzosen nach Böhmen abhalten, und die Oberpfalz nebst einem Theile Nürnbergischen Gebietes und des Hochstiftes Bamberg decken. Scheither wurde nun im Jänner 1801 zum Major bei O’Reilly-Cheveauxlegers befördert und in der 68. Promotion (vom 5. Mai 1802) mit dem Ritterkreuze des Maria Theresien-Ordens ausgezeichnet. Nun kämpfte S. in der Schlacht bei Austerlitz, wurde im Jänner 1807 Oberstlieutenant bei Vincent-Cheveauxlegers und im September 1808 Oberst und Commandant des 6. Dragoner-Regiments, damals Riesch. Im Jahre 1809 focht er bei Aspern und Wagram mit Auszeichnung und wurde in ersterer Schlacht verwundet. Mit glänzender Tapferkeit kämpfte er im Jahre 1812, wo er sich zuerst in der Schlacht bei Podubnie hervorthat und dann bei Oradniki, wo er in der Nacht des 20. November das 4. Ukrainische Kosaken-Regiment überfiel, völlig zersprengte, 60 Officiere, [178] 363 Huszaren und Kosaken gefangen nahm und einige hundert Pferde erbeutete; einige Tage später machte er bei Pinsk 3 Officiere und 120 Mann zu Gefangenen, großen Mundvorrath und 300 Gewehre Beute. Noch vor Ende des Jahres wurde S. zum General-Major befördert. Mit der Führung eines größeren Streifcommando’s betraut, operirte er mit großem Geschick im Rücken der feindlichen Armee in Sachsen. Die letzte hervorragende Waffenthat des tapfern Kriegers war der am 18. September 1813 ausgeführte Ueberfall der befestigten Stadt Freiberg, welche von den Franzosen besetzt gehalten wurde, um von jenem Puncte aus die linke Flanke der in Böhmen stehenden Armee der Alliirten zu bedrohen und von französischer Seite eine Hauptverbindungsstraße gesichert zu haben. Die Erlangung dieses Postens war demnach von besonderer Wichtigkeit. Mit großer Ueberlegung, alle Wechselfälle genau erwägend, hatte S. den Plan entworfen und seit mehreren Tagen Alles zum Ueberfalle vorbereitet, der am 18. September Früh gegen 3 Uhr begonnen und um 5 Uhr mit eben so viel Scharfsinn als Bravour von S. ausgeführt wurde. Scheither’s Verlust betrug im Ganzen 1 Todten und 3 Verwundete von einem Corps, das aus sechs Schwadronen Vincent- und zwei Schwadronen Kaiser-Cheveauxlegers und dem 2. und 7. Jäger-Bataillon bestand. Er hatte in Freiberg den General Bruno, 20 Stabs- und Oberofficiere, 1 Kriegscommissär, 200 westphälische Huszaren und 200 Italiener zu Gefangenen gemacht, außerdem fielen 228 Kranke in seine Hände. Die Einnahme Freibergs brachte in der ganzen Armee große Freude hervor und General S. wurde für diese aus freiem Antriebe unternommene und für die weiteren Operationen so ersprießliche Waffenthat mit kaiserlichem Handschreiben ddo. Komotau 8. October 1813 zum Commandeur des Maria Theresien-Ordens ernannt. Die Feldzüge der folgenden Jahre 1814 und 1815 machte S. in den Divisionen Bianchi und Colloredo mit und beschloß die Reihe seiner glänzenden Waffenthaten mit der Einnahme von Mömpelgard am 2. Juli 1815, wobei er nicht nur zahlreiche Gefangene machte, sondern viele Munition und andere Vorräthe und 7 Kanonen erbeutete. Aber schon im folgenden Jahre, im schönsten Mannesalter von erst 44 Jahren, raffte der Tod den tapfern General dahin.

Hirtenfeld (J.), Der Militär-Maria Theresien-Orden und seine Mitglieder (Wien 1857, Staatsdruckerei, kl. 4°.) II. Theil, S. 748, 1137, 1744 u. 1748. – (Thürheim, Andreas Graf) Die Reiter-Regimenter der k. k. österreichischen Armee (Wien 1862, Geitler, gr. 8°.) I. Band: Die Kürassiere und Dragoner, S. 294–298; III. Band: Die Uhlanen, S. 194, 195 u. 218.