Zum Inhalt springen

BLKÖ:Scheffer von Leonhardshoff, Johann

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
korrigiert
<<<Vorheriger
Schäffer, August
Nächster>>>
Schäfer, Antonia
Band: 29 (1875), ab Seite: 49. (Quelle)
[[| bei Wikisource]]
Johann Scheffer von Leonhardshoff in der Wikipedia
Johann Scheffer von Leonhartshoff in Wikidata
GND-Eintrag: 118606840, SeeAlso
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Linkvorlage für Wikipedia 
* {{BLKÖ|Scheffer von Leonhardshoff, Johann|29|49|}}

Schaeffer, richtig Scheffer von Leonhardshoff, Johann (Historienmaler, geb. zu Wien 30. October 1795, gest. ebenda 12. Jänner 1822). Er erscheint auch Schaeffer von Leonardshof geschrieben, obige Schreibung, Scheffer von Leonhardshoff, ist die richtige. Einer adeligen Familie aus dem Fulda’schen entstammend, hatte der mittellose Vater es längst unterlassen, sich seines Adels zu bedienen, und wäre wohl ein Gleiches auch von Seite des Sohnes geschehen, wenn nicht die Verleihung des Christus-Ordens durch Papst Pius VII. ihn bestimmt hätte, seinen alten Adel wieder öffentlich anzunehmen. Der Vater war in früheren Jahren Soldat, später betrieb er ein bürgerliches Gewerbe, für welches er auch seinen Sohn mit strengem Ernste auferzog, aber diesen drängte schon von früher Jugend eine verzehrende Gluth zur Malerei und Tonkunst. Noch fast ein Kind, besuchte er – für kurze Zeit – die Schule des Professors Maurer, dann genoß er durch volle drei Jahre den Unterricht eines mittelmäßigen Malers, Namens Kreithner, bei dem S. wenig genug lernen konnte, dafür aber in einer seiner schwächlichen Gesundheit nachtheiligen rohen Weise behandelt wurde. Da traf es sich, daß der Gurker Fürstbischof, Franz Xaver Altgraf [50] Salm-Reifferscheid [Bd. XXVIII, S. 120], den schönen Knaben, dessen Kopf an den von Jesu Lieblingsjünger Johannes erinnerte, und den sein Meister als Modell oder zum Farbenreiben verwendete, bei einer der genannten Beschäftigungen antraf, aus einem Gespräche seine Liebe zur Kunst erkannte und von nun an sein Beschützer blieb. Und der Knabe bedurfte eines solchen, da er auf die Dauer seine traurige Lage nicht länger hätte aushalten können; denn, um dem Vater, der von der Kunst nichts wissen und den Sohn in einem sicheren Geschäfte verwendet sehen wollte, zu beschwichtigen, ließ sich der Sohn, um täglich einige Groschen heimzubringen, zur Zimmermalerei verwenden oder blies – ungeachtet der schwachen Brust – Fagott im Prater, später malte er Kinderporträte in Oel und brachte sich so mühsam fort und erübrigte dann noch Zeit, um im Belvedere oder in der Liechtenstein’schen Gallerie fleißig zu copiren. Als dann im Kriegsjahre 1809 die Jugend Oesterreichs zu den Waffen griff, trat auch der damals kaum 15jährige S. in die Reihen der Vaterlandsvertheidiger, aber seine schwächliche Gesundheit nöthigte ihn, aus der Landwehr, in welcher er als Gemeiner stand, zu treten und beim akademischen Corps sich einreihen zu lassen, in welchem er als Corporal diente und eben Lieutenant werden sollte, als das Corps aufgelöst wurde. Nachdem die Franzosen Wien geräumt, zog ihn seine künstlerische Sehnsucht nach Italien. Er besuchte seine Schwester, die Gemalin des Appellations-Präsidenten Contarini in Venedig. Von Venedig begab er sich nach Ferrara, und auf der Fahrt dahin, in leichter Kleidung bei mangelnder Nahrung von einem heftigen Sturm, dem Kälte und Hagel mit Regen folgten, überrascht, hatte sich S. jenes Leiden geholt, das langsam, aber seiner Beute sicher, fortwucherte und dieses junge Leben, ehe es sich zur Blüthe entfaltete, zerstörte. Von diesem ersten Ausfluge nach Italien kehrte S. über Klagenfurt, wo sein Gönner, der Fürst Salm, weilte, zurück, dort ernannte ihn der Fürst zu seinem Kammermaler. Nach einem mehrmonatlichen Aufenthalte daselbst holte er seinen Vater von Wien ab, um ihm in Klagenfurt ein neues Heim zu geben. In dieser Zeit malte er ein Altarblatt: „Der H. Andreas“‘ und eine herrliche Copie nach Guido Reni, vorstellend: „Die Marter des h. Petrus“, jetzt in der Priestercapelle zu Klagenfurt. Im J. 1817 machte S. nun auf Kosten seines Gönners, des Fürstbischofs, eine zweite Reise nach Italien, auf welcher er Venedig, Mailand, Florenz, Rom, Neapel und Sicilien besuchte. In Rom befreundete er sich mit dem ihm im Denken und in der Kunst nahestehenden Overbeck. Auch war er so glücklich, daselbst Zutritt zu Sr. Heiligkeit dem Papste Pius VII. zu erhalten, der von dem jungen Künstler sich porträtiren ließ und ihn dann mit dem Christus-Orden auszeichnete. Im Winter 1818 kehrte S. nach Klagenfurt zurück, wo er so schwer erkrankte, daß die Aerzte an seiner Genesung zweifelten. Doch gelang es, ihn zu erhalten, und nach wiedergewonnener Gesundheit blieb S. anderthalb Jahre in Klagenfurt, wo er ausschließlich seiner Kunst lebte. Darauf begab er sich nach Wien und sein ganzes Sinnen war auf die Bewerbung um den großen Mailänder Preis gerichtet, und zu diesem Zwecke entwarf er die Skizze: „Die Vorstellung Raphael’s durch Bramante bei Julius II.“ Sonderbarer Weise aber kam er bald ganz von diesem Gedanken ab, und auf dieselbe Leinwand [51] auf welcher er die vorerwähnte Skizze mit aller Sorgfalt entworfen hatte, malte er das große Oelbild: „Die heilige Caecilia“, im Momente, als sie Orgel spielt, in deren Töne drei Engel einstimmen. Das Bild erregte auf der Kunstausstellung des Jahres 1820 durch die Schönheit seiner Ausführung ein Aufsehen ohne Gleichen. Es gelangte später in den Besitz des Herzogs Albert von Sachsen-Teschen. In der nämlichen Ausstellung befand sich von ihm noch ein größeres Gemälde: „Die heilige Ludovica“. Im Mai 1820 reiste S. mit Unterstützung seines Freundes Rainharter, Katecheten bei St. Anna, zum dritten – und letzten – Male nach Rom, wo nun mehrere seiner lieblichsten Werke entstanden: „Die todte heilige Caecilia“, bezeichnet: Scheffer p. (Leinwand, oben rund, 4′ 8″ hoch, 6′ breit), zwei Engel trauern um die verewigte Heilige; gegenwärtig befindet sich dieses Bild in der modernen Abtheilung der kais. Gemälde-Gallerie im Belvedere; – „Madonna mit dem Kinde“, Kniestück, halblebensgroß, von dem Grafen Saurau angekauft; – eine kleinere „Madonna“ , Eigenthum Rainharter’s, und ein „Lebensgrosser Kopf der h. Katharina“. Als er dann im Sommer 1821 aus Italien, wo er sich ziemlich wohl befunden hatte, nach Wien zurückkehrte, begann seine Gesundheit plötzlich sichtlich zu schwinden. Anfangs December verschlimmerte ein Versuch der gepriesenen Häringscur sehr stark seinen Zustand, und nun ging es mit Riesenschritten dem Verfalle entgegen. In wenigen Wochen entschlief der noch nicht 26jährige Künstler, der so glänzende Hoffnungen erweckt hatte. Die Zahl seiner Bilder, meist große Staffeleigemälde, ist nicht bedeutend. Außer den schon erwähnten Bildern sind noch von seiner Hand bekannt ein sehr ähnliches Selbstporträt, das in der April-Ausstellung 1862 des österreichischen Kunstvereins von seiner Schwester um den Preis von 800 fl. ausgeboten wurde. Vier Jahre später, in der October-Ausstellung 1866, waren von den Arbeiten S.’s eine „Madonna mit dem Kinde“ und wieder ein „Selbstporträt“, dießmal um den Preis von 150 fl. angeboten, zu sehen. Ob dieses und das vorige zwei verschiedene Bilder oder ein und dasselbe, zum zweiten Male von der Noth im Preise herabgesetztes Bild war, kann Herausgeber dieses Lexikons nicht bestimmen. Einige Bilder Scheffer’s befinden sich in Klagenfurt im Privatbesitze, so in jenem des Barons Herbert, des Predigers Mayer u. A. Eine „Madonna mit dem Kinde“ besaß die einstige Gallerie Arthaber. Sie ist auf Holz gemalt (Höhe 47 Centimeter, Breite 73 Centim.), die Madonna trägt das Kind, das die Mutter mit dem Arm umschlungen und mit der linken Hand am Brusttuche sich festhält, auf dem Arme. Ein 6 Fuß breites und 5 Fuß hohes Gemälde S.’s, eine Art Votivbild, befindet sich in der an der Straße zwischen Neudorf und Mödling von dem Grafen Margemont errichteten, dem Andenken seiner Gattin gewidmeten Capelle. Scheffer hat dieses Bild in einem kleinen Oelgemälde treu nachgebildet und Runcke davon eine lithographische Nachbildung mit der Unterschrift: „Tableau de la chapelle de la bonne comtesse“ verfertigt. Die Verewigte war unter dem Namen der „guten Gräfin“ bekannt. Mehrere Studien und Skizzen S.’s besitzt die Sammlung der k. k. Akademie der bildenden Künste in Wien; eine Bleistiftskizze in 4°., eine Madonna vorstellend, befand sich in der Kunstsammlung [52] von Wilh. Koller. Sein Bild hat sein Freund Rainharter nach dem von Scheffer selbst gemalten Originale lithographiren lassen, auch hat sich S. auf dem schon erwähnten, den h. Andreas verstellenden Gemälde, als den jüngsten der bei des Apostels Martertode betheiligten Personen selbst dargestellt. S. hat auch ein Bild radírt und ein anderes lithographirt. Ersteres stellt das Bildniß eines Mannes vor, ist mit J. S. bezeichnet. es ist S.’s erster Versuch im Radiren und offenbar sein Porträt. Lithographirt hat S. die sterbende heilige Cäcilia. Das mit Ton gedruckte gr. Quer-Folioblatt ist sehr selten. Seine orgelspielende Cäcilia hat Stahl in Kupfer gestochen und das Bild war Nietenblatt des älteren Wiener Kunstvereins für das Jahr 1837.

(Hormayr’s) Archiv für Geschichte, Statistik, Literatur und Kunst (Wien, 4°.) Jahrg. 1821, S. 444; Jahrg. 1822, Nr. 7, 16 u. 95; Jahrg. 1823, Nr. 54; 1824, Nr. 15 u. 16. – Taschenbuch für vaterländische Geschichte. Herausgegeben durch die Freiherren von Hormayr und von Mednyánszky (Wien, 12°.) 1836, S. 445. – Nagler (G. K. Dr.), Neues allgemeines Künstler-Lexikon (München 1839, Fleischmann, 8°.) Bd. XV, S. 166. – Zeitschrift für bildende Kunst. herausg. von Lützow (4°.) Bd. IV, S. 99. – Die Künstler aller Zeiten und Völker. Begonnen von Prof. Fr. Müller, fortgesetzt von Dr. Karl Klunzinger (Stuttgart 1860, Ebner u. Seubert, gr. 8°.) Bd. III, S 438. – Conversations-Lexikon der neuesten Zeit und Literatur. In vier Bänden (Leipzig 1833, Brockhaus, 8°.) Bd. I, S. 609, im Artikel: „Deutsche Kunst“. – (Gräffer’s) Conversationsblatt. Zeitschrift für wissenschaftliche Unterhaltung (Wien, Gerold, gr. 8°.) II. Jahrg. (1820), Bd. 4, S. 1274: „Denkmal bei Mödling (nächst Wien)“. – Hermann (Heinrich), Handbuch der Geschichte des Herzogthums Kärnthen in Vereinigung mit den österreichischen Fürstenthümern (Klagenfurt 1860, Leon, 8°.) Bd. III, Heft 3 (Kulturgeschichte Kärnthens vom Jahre 1790 bis 1857), S. 254. – Oesterreichische National-Encyklopädie von Gräffer und Czikann (Wien 1835, 8°.) Bd. IV, S. 513. – Die Dioskuren. Literarisches Jahrbuch des ersten allgem. Beamten-Vereins der österr.-ungar. Monarchie (Wien, Lex. 8°.) IV. Jahrgang (1875), enthalten einen Essai über S., den ich leider noch nicht zu Gesicht bekam. – Porträt. Radirung ohne Angabe des Radirers. Ganze Figur (8°.), selten. – Zur Charakteristik Schaeffer’s von Leonhardshoff. Schriftlichen Mittheilungen meines lieben Freundes, des Herrn Dr. H. Holland in München, verdanke ich einige Auszüge aus Briefen Overbeck’s über S., welche zur Charakteristik desselben als Mensch und Künstler dienen. So z. B. schreibt Overbeck an Ludwig Vogel (in Zürch) am 15. Februar 1815, „daß S. kürzlich nach Rom gekommen sei. Du wirst dich seiner von Wien her erinnern, er ist unterdeß sehr gewachsen ... er macht bereits für sein Alter von 19 Jahren Sachen, die uns in Erstaunen setzen, sowohl wegen des ausgezeichneten Talentes, das daraus hervorsieht, als auch wegen des Grades von Ausbildung den er bereits erstiegen. Ein rechtes Glückskind! Kaum war er ein paar Wochen hier, so gelang es ihm, den Papst nach der Natur zu zeichnen; eine Gnade, die selbst Camuccini, trotz der Verwendung der Königin von Etrurien, nicht gewährt worden ist. Aber er verdient es, glücklich zu sein, denn er ist gut, wie ein Kind, leider! erregt seine schwache Constitution und häufiges Blutspuken, als Folge seines zu schnellen Wachsthums, Besorgnisse wegen seiner Gesundheit“. – In einem Briefe vom 2. Juni 1815 rühmt Overbeck ein Werk S.’s; „dasselbe, schreibt er, dünkt mich das schönste Madonnenbild, was ich von neueren gesehen habe, wenigstens ist die Composition und die Zeichnung meisterhaft; wie es mit dem Malen gehen wird, muß man freilich noch sehen“. – Ferner erzählt Overbeck, wie Scheffer am 20. Mai einen vortrefflichen Einfall glänzend durchgeführt habe, nämlich Albrecht Dürer’s Geburtstag zu feiern. Das Fest war sehr gut ausgefallen. Overbeck beschreibt dasselbe und sagt: „einer der schönsten Abende seines Lebens“. In einem Schreiben vom 28. September d. J. heißt es über Scheffer: „Ich möchte ihn zum Mitgliede unserer Gesellschaft vorschlagen; du glaubst nicht, was er für ein trefflicher Junge ist, so voll und warm und dabei so gottesfürchtig und edel. Mit ihm habe ich verabredet, einige Bildnisse nach der Natur [53] zu malen, was ich für das nützlichste Studium halte“. Aber schon am 6. December 1815 wird an Vogel gemeldet: daß S. bald nach seiner Aufnahme in die Lucas-Brüderschaft Rom plötzlich wegen sehr bedenklichen Gesundheitszustandes verlassen mußte; doch seien aus Florenz schon besondere Nachrichten über ihn eingetroffen. – Am 1. Juni 1816 meldet der Maler Sutter an Vogel und Wintergerst nach Zürch, „daß Scheffer aus Italien über Klagenfurt angekommen sei, aber sehr krank, indem die Reise sein Brustübel verschlimmerte. Doch hat er sich indessen durch Ruhe und gute Pflege schon sehr erholt. Obschon er sich in Rom nur zehn Monate aufhalten konnte, so hat er doch (gleichsam in der Schule unseres trefflichen Overbeck) erstaunliche Fortschritte gemacht und viele sehr schöne Studien mitgebracht; er genießt noch immer einige Unterstützung von dem Fürsten Salm, der sein Gönner ist, von ihm auch zwei Altargemälde bestellt hat“.