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BLKÖ:Schönfeld, Ignaz Ritter von

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 31 (1876), ab Seite: 151. (Quelle)
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Schönfeld, Ignaz Ritter von (Genealog, geb. zu Prag um das Jahr 1780, gest. zu Wien, Todesjahr unbekannt). Ein Sohn des Johann Ferdinand Ritter von Schönfeld [siehe den Folg. S. 152], der, nachdem er in Prag seine juridischen Studien beendet, in der judiciellen Sphäre in den Staatsdienst eintrat und in Galizien angestellt wurde. Daselbst rückte er bis zum Landrathe in Czernowitz vor, legte aber in einiger Zeit seine Stelle nieder, kehrte nach Wien zurück und wurde daselbst im Jahre 1819 k. k. Hofagent. Auch diese Stelle resignirte er im Jahre 1826. Nun betheiligte er sich auf das Thätigste an der Errichtung der ersten österreichischen Sparcasse und Versorgungsanstalt in Wien, bei welch beiden er durch eine Reihe von Jahren als Referent und Kanzleidirector wirkte. Nachdem er auch aus diesem Geschäftskreise ausgetreten war, unternahm er verschiedene Privatunternehmungen, von denen eine noch heute, wenngleich unter verschiedenen Namen, fortbesteht, es ist nämlich die unter dem Namen „Phorus“ bekannte erste k. k. priv. Holzscheiter-Verkleinerungsanstalt. Um in den engen Gassen der inneren Stadt Wien das lästige und mitunter gefährliche Holzhauen zu vermeiden, wurde die Einrichtung getroffen, den Consumenten das [152] Holz verkleinert in richtiger Ausmaß zukommen zu lassen. Zu diesem Zwecke wurden auf der neuen Wieden, Mittersteig zwei Holzschneidemaschinen, welche mit Dampf betrieben wurden, aufgestellt. Jede derselben verarbeitete in 24 Stunden 100 Klafter Holz und das so verkleinerte Holz wurde in geschlossene Wagen den Consumenten zugeführt. Das Unternehmen erwies sich in kürzester Zeit als ungemein praktisch und wurde immer bequemer für das Holz kaufende Publicum eingerichtet. Der eigenthümlich Name „Phorus“, der schon manchem Sprachforscher Kopfbrechen verursacht, ist nichts weiter, als das aus den Anfangsbuchstaben der Namen der ersten Unternehmer gebildete Anagramm: Pálffy, Hackelberg, Offenheimer, Reinscher, Unger und Schönfeld. Das zweite, von Schönfeld allein gegründete Unternehmen war das nach einem großartigen Plane angelegte Ausstellungsbureau aller Natur- und Kunstproducte, Fabricate, Gewerbserzeugnisse und Waaren des Kaiserthums Oesterreich. das eben an seiner Großartigkeit und Vielseitigkeit zu Grunde ging, denn, am 12. Februar 1833 eröffnet, hörte es schon im Herbste 1834 gänzlich auf. Jene, die sich um das in seinen Absichten ganz zweckmäßige Unternehmen interessiren und über dessen Geschäftskreis und innere Einrichtung näher unterrichten wollen, werden auf den Artikel: „Ausstellungs-Bureau“ in der Gräffer’schenOesterreichischen National-Encyklopädie“. Bd. I, S. 148–151, gewiesen. Noch eine Arbeit ist es, an welche sich Schönfeld’s Name in nicht unwillkommener Erinnerung knüpft. S. begründete den ersten österreichischen Adels-Almanach, von dem unter dem Titel: „Adels-Schematismus des österreichischen Kaiserstaates“ (Wien, Schaumburg u. Comp., 8°.) nur zwei Jahrgänge (1824 u. 1825) erschienen sind. Daß eine Fortsetzung in Aussicht genommen war, erhellet aus der Vorrede des 2. Jahrganges, nach welcher Mehreres, was dieser bringen sollte und nicht gebracht hatte, im 3. Aufnahme finden sollte. Dieser „Adels-Schematismus“, heute nur mehr antiquarisch und selten aufzutreiben, ist ein noch heute höchst brauchbares, für den Genealogen geradezu unentbehrliches Buch. Im I. Jahrgange geht dem Schematismus eine Abhandlung, betitelt: „Die Genealogen Oesterreichs“, voran, worin S. nähere Kunde über Wolfgang Latz (Lazius) und Johann Wilhelm Graf Wurmbrand-Stuppach, den Vater der österreichischen Genealogie, gibt. Der Schematismus selbst zerfällt in jedem Jahrgange in 3 Abtheilungen: in a) das Geschlechterbuch oder in die eigentlichen Filiationsregister, b) das Adelsbuch, das die successiven Standeserhöhungen, Wappenvermehrungen u. s. w. zusammenstellt, und c) in das für Ordens-, Stifts- und Kämmererproben angelegte Ahnenbuch. Wann Ignaz Ritter von S. gestorben, ist nicht bekannt. Im Jahre 1825 lebte er noch, wohl schon 60jährig[WS 1], als k. k. Hofagent und böhmischer und niederösterreichischer Landstand in Wien.

Oesterreichische National-Encyklopädie von Gräffer und Czikann (Wien 1835, 8°.) Bd. IV, S. 578, im Texte.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Offenbar falsche Zahlenangabe. 1825 wäre er um 45 Jahre alt gewesen. Schönfeld starb 1839.