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BLKÖ:Sawiczewski, Joseph

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Sawiczewski, Florian
Band: 28 (1874), ab Seite: 318. (Quelle)
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Sawiczewski, Joseph (Chemiker, geb. zu Zarzycz im Przemysler Kreise Galiziens im Jahre 1762, gest. zu Krakau 20. Jänner 1824). Die erste Erziehung erhielt S. im Elternhause, dann kam er auf die Schule nach Jaroslaw und von dort zu seinem älteren Bruder Ignaz nach Przemysl, der daselbst als Schuldirector lebte. Von Przemysl begab sich Joseph nach Krakau, wo er insbesondere das Studium der Naturwissenschaften, vorzugsweise jenes der Chemie betrieb. Nun erlernte er die Apothekerkunst, legte im Jahre 1792 das Apotheker-Examen ab, brachte dann in Krakau ein Apothekergeschäft an sich und erwarb mit diesem das Bürgerrecht der Stadt. Als um diese Zeit die Stadt Krakau in österreichischen Besitz gelangte, mußte sich S. den österreichischen Gesetzen gemäß, wenn er das Apothekergeschäft noch weiterhin ausüben wollte, einer neuen Prüfung unterziehen. S. gab nun bei derselben Beweise seiner gründlichen Kenntnisse in diesem Wissenschaftszweige und wurde nun selbst als Mitglied in die Commission berufen, welche mit dem Apotheker-Examen betraut wurde. Als bald darauf die Lehrkanzel der Chemie erledigt war, wurde dieselbe S. angeboten, der sie aber vielfacher anderer Beschäftigung wegen nicht annahm. Als im Jahre 1809 in Folge der politischen Ereignisse Krakau zum Herzogthum Warschau geschlagen wurde, übertrug die neue Regierung S. das Lehramt der Pharmacie, der Heilmittellehre und Toxikologie an der Universität. Zugleich wurde er Chef-Apotheker aller Militärspitäler im Krakauer Gebiete und [319] versorgte ohne Entgelt mit seinen eigenen Arzneien an 3000 Kranke. Als aber der Vortrag dreier Fächer an der Hochschule S. so sehr in Anspruch nahm, daß er die Spitalsgeschäfte nicht länger besorgen konnte, legte er diese Stelle nieder. Im Jahre 1815 wurde Krakau zum Freistaat erklärt, und bei der nun vorgenommenen Reorganisation der Universität erfuhr S. ähnliche Unbilden, wie sie bei solchen Gelegenheiten älteren verdienten Männern von den jüngeren Reformatoren zugefügt zu werden pflegen; den ihm als ältesten Professor angewiesenen Gehalt von 7000 fl. poln. fand die medicinische Facultät, weil S. den medicinischen Doctorgrad nicht besaß, zu hoch und setzte ihn auf 3000 fl. poln. herab. S. aber legte nun auch das Lehramt aus zwei Fächern nieder und beschränkte sich nur mehr auf jenes der Pharmacie. Der Universitätsrath wollte zwar diese Unbill gut machen und verlieh S. das Ehrendiplom eines Doctors der Medicin, wählte ihn auch zum Decan der medicinischen Abtheilung, S. aber lehnte beide Ehrenbezeugungen ab. Als im Jahre 1816 die Akademie der Wissenschaften in Krakau in’s Leben trat, wurde auch S. eines ihrer Mitglieder und die von ihr herausgegebenen Jahrbücher (Roczniki) enthalten mehrere Abhandlungen aus seiner Feder, unter anderen im 9. Bande eine Geschichte der Pharmacie. Auch sonst schrieb er noch Vieles, theils chemischen, theils pharmaceutischen Inhalts, was sich in seinem handschriftlichen Nachlasse vorfand, und bis kurz vor seinem Tode vollendete er den I. Band einer medicinischen Chemie. Den Schluß des Werkes vereitelte sein Tod, den er sich in seinem Laboratorium durch das Einathmen schädlicher Gase zugezogen hatte. Ueber seine beiden Söhne Florian und Julian Joseph siehe die besonderen Artikel.

Encyklopedija powszechna ... (Warschau, Lex. 8°.) Bd. XXIII, S. 31.