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BLKÖ:Rozwadowski, Ladislaus Graf

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 27 (1874), ab Seite: 195. (Quelle)
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Rozwadowski, Ladislaus Graf (k. k. General-Stallmeister, geb. in Galizien, Zeitgenoß). Der Name des Herrn v. Rozwadowski – über seinen Grafenstand liegen uns keine Documente, nach denen wir in den Archiven sorgfältig geforscht, vor – taucht erst bald nach dem Antritte des Bürger-Ministeriums Giskra-Potocki aus dem Dunkel, von dem er bis dahin umhüllt gewesen, an das Tageslicht. Die Familie Rozwadowski ist allerdings eine sehr alte, bereits in Paprocki’s Wappen der polnischen Ritterschaft [196] (Herby rycerstwa polskiego) erwähnte und gehört zum Geschlechte der Rogala, welche im senkrecht getheilten Schilde rechts in Silber ein fünfästiges Hirschgeweih, links in Roth ein Büffelhorn führt. Zu diesem Stammgeschlecht der Rogala, deren erster Peter Rogala, Starost von Bobrownik, um die Mitte des 14. Jahrhunderts lebte, gehören von bekannteren Familien die Lewicki, Kosinski, Karniewski, Orzechowski, Zaborowski, Kielpieński, Krasowski und die Rozwadowski. Ueber die Jugend des nachherigen k. k. Generalstallmeisters liegen keine Nachrichten vor, im Staatsdienste befand er sich, bevor er die vorerwähnte Stelle erhielt, nicht und unmittelbar aus dem Civilstande trat er Ende des Jahres 1868, als er auf Vorschlag des damaligen Ackerbauministers Alfred Grafen Potocki [Bd. XXIII, S. 147], dessen persönlicher Gönnerschaft – mehrere Quellen melden von Freundschaft – er sich erfreute, in den Staatsdienst, in welchem er zum General-Stallmeister und Sectionschef im Ackerbauministerium mit dem Jahresgehalte von 6000 fl. und 4000 fl. Reisepauschale ernannt worden war. Diese wichtige und in Rücksicht auf den ihr zugewiesenen Wirkungskreis volkswirthschaftlich und staatlich sehr einflußreiche Stelle bekleidete Herr v. Rozwadowski bis Anfangs Juli 1872, denn am 7. Juli v. J. verkündete die amtliche Wiener Zeitung die Auflassung des Postens des General-Stallmeisters, worauf Herr von Rozwadowski, da er seiner nur 4jährigen Dienstzeit wegen keinen begründeten Anspruch auf eine Pension hatte und in Rücksicht des während seiner Functionirung dem Aerar zugefügten Schadens keine Berücksichtigung verdiente, nichtsdestoweniger mit der Abfertigung von 12.000 fl. für ein- und allemal entlassen wurde. Die Angriffe zu registriren, deren Gegenstand der sogenannte Graf und General-Stallmeister und seine eigenthümliche Geschäftsgebarung die ganze Periode seiner Verwaltung hindurch in den Organen aller Parteien gewesen, kann nicht Aufgabe dieses Lexikons sein, wenn dasselbe auch eine solche Erscheinung in einem constitutionellen Staate als eine Signatur der Zeit ansehen und demzufolge verzeichnen muß. Die in den Quellen verzeichneten Blätter verschiedener Farben geben ausführlichere Aufschlüsse über das Gebaren des Herrn von Rozwadowski, und als in den ersten Tagen des Juli 1872 seine amtliche Entlassung öffentlich kundgemacht wurde, begleitete ein gemäßigtes Blatt, die „Neue freie Presse“, diese Thatsache mit folgenden gewichtigen Worten: „Die Affaire Rozwadowski liefert so recht ein Bild gewisser österreichischer Zustände. Graf Rozwadowski, einer der besten Freunde Potocki’s, erhielt von diesem gleichsam als Sinecure den Posten eines General-Stallmeisters. Seine gänzliche Unfähigkeit, seine Lässigkeit bei Verrechnung von Geldern, seine Unbrauchbarkeit wurde nur zu bald erkannt – die Minister, unter denen er diente, bekannten dieß offen, die Landwirthschafts-Gesellschaft, die Pferdezüchter constatiren öffentlich den durch den Grafen herbeigeführten Ruin der österreichischen Pferdezucht – es kam zu den ernstesten Conflicten – die Journale griffen ihn unerbittlich an und beschuldigten ihn geradezu der unreellen Gebarung mit Staatsgeldern – und trotz alledem blieb der Graf auf seinem Posten. Jeder einzelne Fall hätte in einem anderen Lande zu der strengsten [197] Untersuchung geführt, in Oesterreich blieb Graf Rozwadowski General-Stallmeister, trotzdem man die ehrenrührigsten Anschuldigungen erhob. Jetzt ist er endlich entlassen, der Generalstallmeister, und alle Welt freut sich der Thatsache.“ Selbst ein die Ausdrücke sorgfältig erwägendes Blatt, die „Wehrzeitung“. verkündet die Entlassung R.’s mit folgenden derben Worten: Der General-Stallmeister Graf Rozwadowski ist also endlich expedirt worden. Unter den empfindlichsten Schlägen, welche R. unserer Pferdezucht versetzt hat. wird diese noch viele Jahre zu leiden haben, wenn sie sich überhaupt jemals davon wieder erholen kann. Wir haben redlich dazu beigetragen, diesen schädlichen Ignoranten zu beseitigen, der auch nur in Oesterreich eine Carrière machen konnte und dem man in einem anderen Staate nicht einmal die Aufsicht über eine Koppel Hunde anvertrauen würde“. Zu diesen Herzergießungen der öffentlichen Meinung bleibt nichts hinzuzufügen, als: Herr von Rozwadowski ist der einzige dunkle Punct im Ministerium Potocki. Für die vorerwähnten Verdienste wurde Herr von Rozwadowski mit der geheimen Rathswürde ausgezeichnet. Da paßt denn doch die Stelle aus einer neueren „Cyklamen“ betitelten Sammlung von Gedichten her: Wenn Unverdienst man preist und ehrt | Und den Verrath zu Würden sie erheben | Sagt doch: Was ist dann edle Arbeit werth? | Was wollt der Treue ihr zum Lohne geben?

Oesterreichisch-ungarische Wehrzeitung (Wien, 4°.) 1871, Nr. 35: „Die jüngsten Thaten des Herrn General-Stallmeisters“; Nr. 42: „Replik“; Nr. 50: „Dem Verdienste seine Anerkennung“; Nr. 124: „Eine Ehrensache für das Ackerbau-Ministerium“. – Neues Wiener Tagblatt 1870, Nr. 96: „Aus dem Anekdotenkästlein“; Nr. 180: „Der General-Stallmeister Rozwadowski“. – Presse (Wiener polit. Blatt) 1871, Nr. 290. „Der General-Stallmeister“. – Die Tages-Presse (Wiener polit. Blatt) 1870, Nr. 104: „Vom Grafen Rozwadowski“. – Neue freie Presse 1871, Nr. 2565: „Das Gestüt in Piber“; Nr. 2575: „Der Streit Salm-Rozwadowski“. – Neues Fremden-Blatt (Wien, 4°.) 1870, Nr. 47; 1872, Nr. 185: „Der General-Stallmeister expedirt“. – Deutsche Zeitung (Wien, Fol.) 1872, Nr. 180: „Dienstesenthebung R.’s“. – Die Bombe (Wiener Witzblatt) 1872, Nr. 28.