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BLKÖ:Rosas, Anton Edler von

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 26 (1874), ab Seite: 343. (Quelle)
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Rosas, Anton Edler von (Arzt und Fachschriftsteller, geb. zu Fünfkirchen in Ungarn 30. December 1791, gest. 31. Mai 1855). Sein Vater war Comitatsbeamter in Fünfkirchen, aber er wie die Mutter starben bald. Der so früh verwaiste Knabe besuchte die Normal- und Gymnasialclassen in seiner Vaterstadt, kam dann 1806 nach Pesth, wo er Philosophie und Medicin studirte. Um sich zum praktischen Arzte heranzubilden, begab er sich im Jahre 1811 nach Wien, wo er an der dortigen Hochschule die Vorträge von Valentin und Hildenbrand in der praktischen Medicin, von Kern und Rust in der Chirurgie, von Beer in der Augenheilkunde und Boer in der Geburtshilfe besuchte. Im Jahre 1814 erlangte er die medicinische Doctorwürde und das Diplom der Augenheilkunde, kam im folgenden Jahre in das unter Kern’s Leitung stehende chirurgisch-operative Institut und erlangte im Jahre 1816 den chirurgischen Grad. Noch im nämlichen Jahre trat er als Secundararzt im allgemeinen Krankenhause ein und wurde dann unter Beer Assistent der Augenklinik. Im Juni 1819 kam er nach abgelegter Concursprüfung als Professor der Augenheilkunde an die Paduaner Hochschule, wo er diesen bis dahin vernachlässigten Wissenszweig wesentlich hob. So errichtete er, da eine klinische Lehranstalt nicht vorhanden war, ein Ambulatorium, besuchte mit seinen Schülern arme Augenkranke in ihren Wohnungen, und stiftete, sobald ihm die Hilfsmittel und Oertlichkeiten angewiesen waren, eine stabile Augenheilanstalt, die er mit allen, zum öffentlichen Unterrichte nöthigen Erfordernissen ausstattete, und die sich unter seinem von ihm selbst herangebildeten Nachfolger zur vorzüglichsten Augenheilanstalt Italiens erhob. Im Februar 1821 erhielt R. die damals erledigte Lehrkanzel der Augenheilkunde an der Wiener Hochschule, und nun gehört sein Wirken bis an sein Lebensende der Residenz an. Daselbst bot sich ihm auch genug Gelegenheit zur ersprießlichsten Thätigkeit. Durch Dr. Beer’s langwierige Krankheit war ein Stillstand, wenn nicht gar ein Sinken in diesem Wissenszweige eingetreten, zudem wurde nach Beer’s Tode die mit der Professur bis dahin verbundene Stadt-Armen-Augenarztenstelle von derselben getrennt und dadurch eine große Menge Augenkranker, für welche bis dahin auf der Augenklinik ordinirt wurde, dieser letzteren entzogen. R. ertheilte nun, um diesen empfindlichen Ausfall zu decken, seine Ferien opfernd, das ganze Jahr hindurch Spital-Ordinationen für ambulirende Kranke. Zusehends hob sich nun unter R.’s Leitung die Augenklinik; betrug unter Dr. Beer die Zahl der an derselben jährlich behandelten Kranken 300–400 Individuen, so war sie nun, ungeachtet die Stadtarmen an den Stadtarmen-Augenarzt gewiesen waren, auf mehr denn Tausend Augenkranke jährlich gestiegen, und dadurch reiche Gelegenheit geboten, die Augenkrankheiten aller Art zu beobachten und [344] zu studiren. Als R. seine Stelle in Wien antrat, besaß die Klinik im Ganzen etwa dritthalbhundert Bände medicinisch-chirurgischer und augenärztlicher Werke, eine höchst mäßige Anzahl von Instrumenten, Bandagen, Handzeichnungen und etliche pathologische Naturpräparate des Auges; Rosas vermehrte die Bibliothek auf mehr denn 1000 Bände, vervollständigte auf eine dem Bedürfnisse der Wissenschaft entsprechende Weise die Instrumenten- und Bandagensammlung, ferner jene der Zeichnungen und der pathologischen Präparate, schuf eine neue Sammlung für menschliche und comparative Anatomie des Auges und legte die ausgezeichnete, von In- und Ausländern bewunderte Sammlung augenärztlicher Wachspräparate an, welche von Joh. Nep. Hoffmayer gearbeitet, die vorzüglichsten und seltensten Krankheiten des Auges mit einer bisher nicht erreichten Treue und Vollständigkeit darstellt. Auch war R. in seinem Fache schriftstellerisch thätig und hat außer zahlreichen kürzeren Abhandlungen in Fachblättern folgende selbstständige Werke herausgegeben: „Breve saggio sull’ ottalmia, che negli anni 1822 e 1823 regnó nell’ J. R. Regimento italiano Nr. 13 d’Infanteria Barone di Wimpffen“ (Venedig 1824, 8°.), wovon auch in den medicinischen Jahrbüchern des k. k. österreichischen Staates, im 2. und 3. Bande der neuen Folge eine deutsche Uebersetzung erschienen ist; – „Handbuch der theoretischen und praktischen Augenheilkunde“, 3 Bände (Wien 1830, 8°.); – „Lehre von den Augenkrankheiten zum Gebrauche für praktische Aerzte, Wundärzte, wie auch zur Benützung als Leitfaden beim klinischen Unterrichte“ (Wien 1834, 8°.), welche zwei Werke von der Fachkritik in vorteilhaftester Weise gewürdigt wurden. Auch betheiligte sich R. vom 24. bis 33. Bande (1838 bis 1840) an der Redaction der von Dr. J. R. von Raimann [s. d. Bd. XXIV, S. 252] herausgegebenen medicinischen Jahrbücher des österreichischen Staates und erscheint vom Jahre 1841 bis 1847 als Hauptredacteur derselben. Anläßlich einer von ihm veröffentlichten Abhandlung gab Ignaz Jeitteles „Kritische Bemerkungen über die Abhandlung des Prof. Rosas: „Die Quellen des heutigen ärztlichen Mißbehagens“ (Wien 1842, 8°.) heraus, und J. P. Liharzik veröffentlichte „Das Examen bei Augenkrankheiten, nach dem Vortrage des Prof. Edlen von Rosas“ (Wien 1843, 8°., mit 1 Tab., gr. Fol.). Noch sei bemerkt, daß R. bei Augen-Epidemien stets zu Rathe gezogen wurde, namentlich bei der im Jahre 1823 in der Garnison zu Klagenfurt herrschenden wesentliche Dienste geleistet und deren vollständige Beseitigung herbeigeführt hat; auch hat er bei Behandlung der Augenkrankheiten manche Heilmethoden vereinfacht und durch Erfindung zweckmäßiger Augen-Instrumente das Gebiet der Augenheilkunde bereichert und dadurch überhaupt zum Wohle der leidenden Menschheit wesentlich beigetragen. Seine wissenschaftliche Thätigkeit wurde auch in gelehrten Kreisen vielfach gewürdigt, so haben ihn u. a. die Gesellschaft für Naturwissenschaft und Heilkunde zu Heidelberg, die medicinisch-physikalische zu Erlangen und endlich jene für vaterländische Cultur zu Breslau unter ihre Mitglieder aufgenommen, und wie aus dem Act der Adelsverleihung ersichtlich, wurde R., da er sich „um den Staat, um die Menschheit und endlich um die Wissenschaft verdient gemacht“, im Jahre 1837 in den erbländischen Adelstand mit dem Ehrenworte Edler von“ erhoben. [345] Aus seiner Ehe mit Marianne Edle Rosas (gest. zu Wien 4. März 1867) hinterließ R. außer zwei Töchtern, von denen die jüngste, Irene, an den Wiener Hof- und Gerichts-Advocaten Dr. Karl Grund verheirathet ist, einen Sohn Franz, der Doctor der Rechte und bei der k. k. Finanz-Procuratur angestellt ist.

Adelstands-Diplom ddo. Wien 12. Februar 1837. – Jetztzeit (polit. Wochenblatt, gr. 8°.) Redigirt von Dr. Herm. Meynert, 1855, Nr. 352. – Wiener medicinische Wochenschrift (4°.) V. Jahrg. (1855), Nr. 23. – Oesterreichische Zeitschrift für praktische Heilkunde (Wien, 4°.) 1855, S. 202. – Oesterreichische National-Encyklopädie von Gräffer und Czikann (Wien 1835, 8°.) Bd. IV, S. 410. – Porträte. 1) Kaiser lithogr. (Fol.); – 2) ohne Angabe des Zeichners u. Lithographen (Wien, bei Beck, 4°.), in der „Porträt-Gallerie berühmter Aerzte und Naturforscher des österreichischen Kaiserstaates“. – Wappen. Ein goldener, in ein blaues Haupt spitzig zulaufender Schild. Auf einem aus dem Fußrande sich erhebenden Rasen steht ein natürlicher Kranich, der mit seinem rechten Beine einen Stein emporhält. Im Schildeshaupte ist auf der rechten Seite das Auge Gottes in seinem Strahlenglanze, auf der linken eine strahlende Sonne, beide in Gold, zu sehen. Auf dem Schilde erhebt sich ein rechtsgekehrter gekrönter Turnierhelm. Auf der Krone des Helms ragen zwei mit den Sachsen gegen einander gekehrte schwarze Adlerflügel empor, denen ein Aesculapstab in natürlicher Farbe, um den sich eine grüne Schlange mit roth ausgestreckter Zunge windet, eingestellt ist. Die Helmdecken sind zu beiden Seiten blau mit Gold unterlegt.