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BLKÖ:Ritter, Karl (Blumenzüchter)

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
korrigiert
Band: 26 (1874), ab Seite: 185. (Quelle)
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Ritter, Karl (Blumenzüchter und Hortolog, geb. zu Lungwitz bei Dresden im J. 1800). Die Schulen besuchte er in seiner Vaterstadt Dresden, bezog dann die Leipziger Hochschule, kehrte aber wieder nach Dresden zurück, wo er sich ausschließlich dem Studium der Gartenkunst widmete und durch seine Geschicklichkeit die Gunst des damaligen Prinzen, nachmaligen Königs Anton von Sachsen erwarb. Um sich in seiner Kunst noch ferner auszubilden, begab sich R. im Jahre 1817 nach Wien, wo er von seinem Mäcen, dem Prinzen Anton, an Kaiser Franz I. empfohlen, eine Anstellung im kaiserlichen Wintergarten auf der sogenannten Terrasse in der Hofburg erhielt. In dieser Anstellung setzte aber R. seine theoretischen Studien, zu deren Verbindung mit den praktischen ihm überdieß Gelegenheit geboten war, fleißig fort, benützte die in den von ihm cultivirten Richtungen an Prachtwerken aller Art reiche Hofbibliothek, die Naturalien-Cabinete, lernte Sprachen, Zeichnen, legte Sammlungen aus der österreichischen Flora an und betrieb überdieß fleißig das Studium der Naturgeschichte, Chemie und verwandten Fächer. Im Jahre 1819 beauftragte ihn Kaiser Franz I. mit einer naturhistorischen Reise nach Hayti, welches Land eben durch die damals veröffentlichten Schilderungen die Aufmerksamkeit von Naturforschern, namentlich Botanikern, erregte. Im December 1819 schiffte R. zu Triest sich ein und gelangte Anfangs April 1820 an das Ziel seiner Reise. Obwohl er mit Geschenken für den dortigen Negerkönig versehen war, so fand er doch in seinen Unternehmungen wenig Unterstützung und konnte erst nach dessen Tode sich ganz der Lösung der übernommenen Aufgabe widmen. Nach fast zweijährigem [186] Aufenthalte kehrte er mit einer reichen Ausbeute von Naturalien aller Art nach Wien zurück. Nach mehreren Jahren veröffentlichte R. eine ausführliche Beschreibung seiner Reise und seines Aufenthaltes in Hayti. In Wien wirkte er nun auf seinem Posten in den k. k. Hofgärten, doch waren seiner reformatorischen Thätigkeit gar zu enge Grenzen gesteckt. Durch mehrere in dieser unfreiwilligen Muße ausgeführte Landschafts- und Gartenbilder, Grundrisse u. dgl. m., von denen ein Heft im Drucke erschien, mochte er die Aufmerksamkeit des Grafen Ludwig Széchényi auf sich gelenkt haben, der ihm im J. 1832 die Stelle eines Gartendirectors auf seinen Besitzungen antrug, welche R., um in einen entsprechenderen Wirkungskreis zu treten, auch sofort annahm. Auf diesem Posten eröffnete sich ihm auch in der That bald ein weites Feld. Seine von ihm mit verhältnißmäßig geringen Kosten ausgeführten Anlagen im Volksparke zu Preßburg, wobei er eine verwahrloste, öde, von Sümpfen unheimlich gemachte Wildniß in einen lieblichen, von der Bevölkerung bald als Lieblingsaufenthalt gesuchten Park verwandelt hatte, verbreiteten seinen Ruf unter den Magnaten Ungarns, die sich nun von ihm Pläne zu Parkanlagen, Gartenverschönerungen u. dgl. m. anfertigen ließen, so daß nach seinen Angaben dieselben auf mehreren Gütern ungarischer Magnaten ausgeführt wurden. Ueberdieß arbeitete er an einem größeren Werke, in welchem er seine praktisch ausgeführten Grundsätze in faßlicher Weise für Blumenzüchter und Hortologen zusammenstellte. Um sich in dieser Richtung durch Augenschein in jenem Lande, das in Bezug auf Gartenkunst und Parkanlagen unübertroffen und mustergiltig dasteht, zu unterrichten, unternahm er im Sommer 1835 eine Reise nach England, wo er längere Zeit verweilte, wie auch nach Frankeich, über welches er seine Rückreise antrat. Als Schriftsteller in seinem Fache thätig, hat Karl Ritter folgende Werke veröffentlicht: „Die künstlichen Treibereien der Früchte, Gemüse und Blumen zu ungewöhnlicher Jahreszeit, nach sechsjährigen eigenen Erfahrungen und nach Nicol aus dem Englischen mit vielen Bemerkungen vermehrt“. Mit 2 Kupfertaf., 3 Tab. und 1 lithogr. Abbildung der neuen Warmwasserheizungen (Wien 1834, Tendler, gr. 8°.); – „Schlüssel zur praktischen Gartenkunst oder gemeinfassliche Lehre von der Anlegung und Umgestaltung kleiner Hausgärten nach bestehenden Originalen. In eilf Plänen nebst genauer Beschreibung“ (Stuttgart 1836, Hoffmann, 8°.); – „Naturhistorische Reise nach der westindischen Insel Hayti, auf Kosten des Kaisers von Oesterreich“. Mit 3 Abbildungen (Stuttgart 1837, Hallberger, Lex. 8°.); – „Anleitung zur Verschönerung der Landgüter und Landschaften, nebst Bepflanzungsmethode der Felder, Aecker und Wiesen nach englischer Art“. Nebst 7 Original-Kupfertafeln (Wien 1839, Tendler, gr. 8°.). Außer diesen selbstständig erschienenen Schriften, in welchen sich R. als gediegener Fachmann kundgibt, hatte er zu jener Zeit, aus welcher diese Nachrichten über sein Leben und seine Thätigkeit stammen, noch druckfertig liegen: ein Lehrbuch der Landschaftsgartenkunst, dann angeregt durch die in Punct auf Horticultur so lehrreichen Briefe eines Verstorbenen, Briefe über Gärten und Gartenreisen durch Ungarn, Deutschland. Frankreich, England und die Schweiz und über die Pleasure grounds der englischen Ladies und ihre lieblichen Blumenarrangirungen in unregelmäßigen und gleichen Farbenmassen für deutsche Damen. Es ist dem Herausgeber dieses Lexikons nicht bekannt, [187] ob dieser Gartenkünstler, denn R. verdient vollends diesen Namen, noch lebt er müßte jetzt, da er mit der Jahreszahl geht, im 73. Lebensjahre stehen.

Oesterreichische National-Encyklopädie von Gräffer und Czikann (Wien 1835, 8°.) Bd. IV, S. 393.