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BLKÖ:Ribay, Georg

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 26 (1874), ab Seite: 7. (Quelle)
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Ribay, Georg[BN 1] (evangelischer Theolog und Sprachforscher, geb. im Trencsiner Comitate Ungarns im Jahre 1753, gest. zu Torschau 31. December 1812). Von evangelischen Eltern, widmete sich der theologischen Laufbahn, befand sich im Jahre 1780 auf der Jenenser Hochschule und war nach seiner Rückkehr zuerst Prediger in Trencsin, dann zu Csinkota, kam, nachdem er einige Zeit in Pesth privatisirt, in gleicher Eigenschaft an die neue Kirche zu Torschau bei Bács, wo er bis an sein im Alter von 58 Jahren erfolgtes [8] Lebensende verblieb. Ribay besaß vielseitige und gründliche Kenntnisse, namentlich war er ein bedeutender Kenner der slavischen Literatur und in dieser Richtung ein ausgezeichneter Sprachforscher, wie dieß vornehmlich sein reicher handschriftlicher Nachlaß bezeugt. In seiner Bibliothek, welche von dem Prager Antiquar Schalck angekauft wurde, befanden sich viele Werke von großer Seltenheit. Dem mährischen Archivar Cerroni [Bd. II, S. 324] hat R. wichtige Beiträge zu seiner Geschichte der mährischen Buchdruckereien geliefert. Im Drucke sind von ihm folgende Schriften erschienen: „Prawidla moresnosti aneb zdwořilosti, gako i opatrnosti“, d. i. Regeln der Höflichkeit u. s. w. (Pesth 1795), ein Seitenstück zu Knigge’s Umgang mit Menschen in slovakischer Sprache; – „Katechismus o zdraví pro obecný lid a školskou mládež z uherského jazyka na slovanský přeloženy“, d. i. Gesundheits-Katechismus für das gemeine Volk und die Schuljugend, aus dem Ungarischen in’s Slovakische übertragen (Pesth 1795, 8°.); – „Leopolda II. mandat ve věchech ev. náboženství se týkajicích“, d. i. Leopold’s II. Mandat in den evangelischen Gottesdienst betreffenden Angelegenheiten (Pesth 1790, auch Preßburg 1793, 8°.); – „O píci a rostlinách přeložil ... z německego spisa“, d. i. Vom Futter und Futterkräutern, aus dem Deutschen (1793). Viel bedeutender ist Ribay’s handschriftlicher Nachlaß, welcher noch folgende Schriften umfaßt: Ein Verzeichniß von etwa 7500 böhmischen Wörtern, nach dem Lexikon von Tomsa zusammengestellt und als Supplement zu demselben dienend; – Slovakisches Idiotikon, an 14.000 Wörter, von den Böhmen entweder gar nicht, oder in völlig anderem Sinne gebraucht, 2 Theile; – Das Buch čechischer und slovakischer Sprichwörter, 3850 Sprichwörter enthaltend; dieses interessante, sprachlich wie culturhistorisch wichtige Manuscript befand sich im Jahre 1850 im Besitze des Sprach- und Geschichtsforschers Georg Palkovics [Bd. XXI, S. 226]; – Die Kernhaftigkeit der čechischen Sprache, oder Abhandlung von den čechischen und auch einigen slovakischen Kernausdrücken, in slovakischer Sprache verfaßt; – Biblisches Wörterbuch, worin die dunklen Stellen und čechischen Wörter erklärt werden; – „Vocabularium symphonum vocum bohemicarum et germanicarum, item latinarum et bohemicarum“. Ribay’s oberwähnter Bücherkatalog, für Freunde und Sammler čechischer seltener Werke immer noch interessant, erschien unter dem Titel: „Česka literatura první oddělení: Sbírka starých velevzácných spisů většíní dílem z pozůstalosti známého sběratele ... v Uhrach“, d. i. Čechische Literatur, 1. Theil, Sammlung alter und seltener Bücher, größtentheils aus der Hinterlassenschaft eines bekannten Sammlers ... in Ungarn (Prag 1857); vorangeht eine kurze Literaturübersicht mit Hinweisung auf Werke in čechischer, deutscher und französischer Sprache. – Ribay hatte einen Sohn Ludwig, der in Folge zu großer Geistesanstrengungen wahnsinnig geworden und in diesem Zustande Ungarn nach allen Seiten hin durchwanderte, bis er im Wahnsinne starb.

Oesterreichische National-Encyklopädie von Gräffer und Czikann (Wien 1835, 8°.) Bd. IV, S. 383. – Haan (A. Ludov.), Jena hungarica sive Memoria Hungarorum a tribus proximis saeculis academiae Jenensi adscriptorum (Gyula 1858, Leop. Réthy, 8°.) p. 90. – Jungmann (Jos.), Historie literatury české, d. i. Geschichte [9] der böhmischen Literatur (Prag 1849, Říwnáč, 4°.) Zweite von W. W. Tomek besorgte Ausgabe besorgte Ausgabe, S. 623.

Berichtigungen und Nachträge

  1. Rybay, Georg, siehe: Ribay, Georg [Bd. XXVI, S. 7]. Es ist hier nur noch nachzutragen, daß in dem von Christian d’Elvert herausgegebenen, so schätzbaren „Notizenblatt der historisch-statistischen Section der k. k. mähr.-schlesischen Gesellschaft zur Beförderung des Ackerbaues, der Natur- und Landeskunde“ (Brünn, 4°.) im Jahrg. 1858, Nr. 7, eine ausführliche Darstellung der an [326] slavischen Werken so reichen Ribay’schen Bibliothek enthalten ist. [Bd. 27, S. 325 f.]