Zum Inhalt springen

BLKÖ:Rauscher, Ernst

aus Wikisource, der freien Quellensammlung
Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
korrigiert
<<<Vorheriger
Rausch, Oswald
Band: 25 (1873), ab Seite: 48. (Quelle)
[[| bei Wikisource]]
Ernst Rauscher von Stainberg in der Wikipedia
Ernst Rauscher von Stainberg in Wikidata
GND-Eintrag: 116366478, SeeAlso
Dieser Text wurde anhand der angegebenen Quelle einmal Korrektur gelesen. Die Schreibweise sollte dem Originaltext folgen. Es ist noch ein weiterer Korrekturdurchgang nötig.
Linkvorlage für Wikipedia 
* {{BLKÖ|Rauscher, Ernst|25|48|}}

Rauscher, Ernst (Poet, geb. zu Klagenfurt in Kärnthen 3. September 1834). Besuchte die Elementarschulen und das Gymnasium in seiner Vaterstadt und begab sich dann nach Wien, wo er seine Studien theils an dem Polytechnicum, theils an der Universität fortsetzte. Nach einem mehrjährigen Aufenthalte in der Donaustadt kehrte er in seine Heimat zurück, wo er sich im Jahre 1859 verheirathete und, in der glücklichen Lage es zu thun, ganz seinem Familienglücke und der Poesie lebt. Ueber seinen geistigen Entwicklungsgang, den Einfluß, den fremde Poeten auf seine eigene Dichtungsgabe geübt, kurz über Alles, was eben im Leben des Dichters und Künstlers besonders interessant erscheint, liegen keine Nachrichten vor. Heinrich Hermann in seiner „Culturgeschichte Kärnthens“, welche im Jahre 1860 erschien, berichtet damals von dem zu Hoffnungen berechtigenden aufkeimenden Talente eines Ernst Almwart – unter welchem Pseudonym Rauscher in erster Zeit schrieb – von dessen bisher erschienenen lyrischen Gedichten mehrere unter die besten ihrer Art gehören“. Später richtete sich durch mehrere von ihm herausgegebenen Sammlungen von Gedichten die Aufmerksamkeit auf den sinnigen sprachgewandten Poeten. Bisher hat Ernst R. herausgegeben: „Gedichte“ (Klagenfurt 1860, Leon, kl. 8°.); – „Gedichte“ (Wien 1864, Markgraf, 8°.); – „Elegien vom Wörther See“ (Klagenfurt 1867, Leon, 12°.). Ferner ist dem Herausgeber dieses Lexikons außer einigen, in Almanachen und Albums erschienenen kleineren Gedichten noch bekannt das einactige Festspiel: „Am Vorabend. Zum 18. August 1861“, welches in der „Carinthia“ 1861, Nr. 18, abgedruckt steht. Ueberdieß soll der Dichter ein Drama druckbereit haben, welchem ein episches Gedicht: „Nora“ in vier Gesängen folgen soll. Die deutsche Kritik hat R.’s Arbeiten mit verdienter Freundlichkeit aufgenommen. Heinrich Kurz schreibt über R.’s Poesien: „Liebe, Freundschaft und Natur bilden die Stoffe derselben, die er in einfachen, aber doch mannigfaltigen und dem Inhalt glücklich angepaßten Formen besingt. Man erkennt den Gebirgssohn bald an der Vorliebe, mit welcher er die Alpenwelt zum Gegenstande seiner Dichtungen wählt, aber auch an der Art und Weise, wie er sie auffaßt. Sie sind nicht der Ausdruck begeisterten Erstaunens über die Wunder derselben – er ist ja mitten unter ihnen aufgewachsen – sondern sie sind der Ausdruck der innigsten Liebe und treuesten Anhänglichkeit. Sie ergehen sich daher nicht in glänzenden Bildern und schwunghaften Reden, sondern bewegen sich in schlichtem, aber nichtsdestoweniger tiefgefühltem Ausdrucke. In einer anderen Sammlung schildert der Dichter „das Glück der ersten Liebe, des Brautstandes, der Ehe, des Familienlebens in zarten und gefühlvollen Tönen, deren edle und sittlich schöne Haltung mit Wohlgefallen erfüllt. Der melancholische Zug, der in der ersten Sammlung vorherrscht, verschwindet ganz in der zweiten, die auch in formeller Hinsicht von Fortschritt des Dichters zeugt, dagegen hat er die allzu subjective Auffassung seiner Stoffe noch [49] nicht überwunden. Unter den „vermischten Gedichten“ sind die lieblichen Blumenlegenden auszuzeichnen. Bei dem im Ganzen engen Umfang der Stoffe entwickelt der Dichter einen großen Reichthum an Gedanken und Anschauungen, die zwar nicht immer neu, aber immer selbstständig durchgeführt sind. Die Sprache ist im Ganzen rein und gewandt, nur bricht hie und da der Einfluß der Mundart auf den Reim durch. In den im Jahre 1866 erschienenen Elegien machen wir vor Allem auf diejenigen aufmerksam, in welchen der Dichter trotz des zerrissenen Bandes sein treues Festhalten an Deutschland ausspricht.

Kehrein (Jos.), Biographisch-literarisches Lexikon der katholischen deutschen Dichter, Volks- und Jugendschriftsteller mi 19. Jahrhunderte (Zürch, Stuttgart, Würzburg 1870, L. Wörl, gr. 8°.) Bd. II, S. 39. – Hermann (Heinrich), Handbuch der Geschichte des Herzogthums Kärnthen in Vereinigung mit den österreichischen Fürstenthümern (Klagenfurt 1860 u. f., J. Leon, 8°.) III. Band, 3. Heft: Culturgeschichte Kärnthens vom Jahre 1790–1857 (1859) oder der neuesten Zeit, S. 234. – Kurz (Heinrich), Geschichte der deutschen Literatur u. s. w. Vierter Band. Von Goethe’s Tode bis auf die neueste Zeit (Leipzig 1868, B. G. Teubner, gr. 4°.) Sp. 36. – Blätter für literarische Unterhaltung (Leipzig, Brockhaus, 4°.) 1864, S. 925. – Carinthia (Klagenfurt, 4°.) 1860, Nr. 16, S. 127. – Gratzer Zeitung 1865, Nr. 1, im Feuilleton.