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BLKÖ:Prochaska, Joseph Edler von

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Prochazka, Joseph
Band: 23 (1872), ab Seite: 339. (Quelle)
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Prochaska, Joseph Edler von (k. k. General-Major und Ritter des Maria Theresien-Ordens, geb. zu Wien 1758, gest. ebenda 29. September 1835). Trat jung in die k. k. Armee, diente zuerst zwei Jahre bei der Infanterie, kam im October 1775 als Wachtmeister zu Wurmser-Huszaren und wurde erst nach neunjähriger Dienstzeit, nachdem er den bayerischen Erbfolgekrieg als Unterofficier mitgemacht, im Jahre 1782 Officier. Im Laufe des Türkenkrieges bis zum Rittmeister vorgerückt, wurde er seiner ausgezeichneten Eigenschaften wegen im Februar 1790 zum Major bei Leveneur-Dragoner befördert. Der französische Krieg gab P. neue Gelegenheit, seine glänzenden Eigenschaften zu bewähren. Am 9. August 1796 mit seiner Division von der Hauptarmee bei Nördlingen zum Corps des Feldmarschall-Lieutenants Hotze detachirt, lagerte P. rückwärts von Eglingen neben dem 1. Bataillon von Franz Kinsky-Infanterie. Am folgenden Tage wurde das 2. Bataillon desselben Regiments, weiches zur Deckung der Straße aufgestellt war, und zwei Compagnien in einiger Entfernung detachirt hatte, vom Feinde angegriffen, und in Front und Flanke genommen, konnte es kaum der Uebermacht Stand halten. Da eilte P. mit nur 300 Dragonern, von denen die Hälfte noch nicht im Feuer gestanden, aus freiem Antriebe herbei, warf sich der dreimal stärkeren feindlichen Cavallerie entgegen und attaquirte sie in dem Augenblicke, als sie in das Bataillon einhauen wollte. Der Angriff P.’s geschah mit einer solchen Wucht, daß der überlegene Feind zurückwich [340] und die zwei Compagnien Zeit gewannen, sich mit dem Bataillon zu vereinigen. In der Hitze der Verfolgung stieß P. plötzlich auf neuformirte feindliche Cavallerie, welche ihn hinter das Bataillon zurückwarf und dasselbe neuerdings angriff. In dieser höchst kritischen Lage setzte P. sein Vertrauen nochmals in die Entschlossenheit seiner Officiere und in die Bravour seiner Leute – obwohl seine Kräfte mit denen des Feindes in keinem Verhältnisse standen – und griff den Feind abermals an. Er stürmte nun mit seinen Dragonern so heftig auf den Gegner ein, daß er ihn warf und bis Eglingen verfolgte. Diese Waffenthat, durch welche er ein Bataillon ohne Befehl in Folge glücklich ausgeführter Attaquen rettete, erwarb ihm das Ritterkreuz des Maria Theresien-Ordens, welches ihm in der 66. Promotion (vom 18. August 1801) verliehen wurde. Nach der Schlacht bei Würzburg zum Oberstlieutenant befördert, focht P. im Jahre 1799 mit seinem Regimente in Italien, wo ihm das Treffen von Verona am 26. März und die Blockade von Pizzighettone neue Gelegenheit bot, sich auszuzeichnen. P. wurde hierauf zum Obersten bei Blankenstein-Huszaren befördert und zur Armee nach Deutschland versetzt. Auf dem Rückzuge der österreichischen Armee nach der Schlacht bei Biberach am 9. Mai bildete P. mit seinem Regimente die Nachhut, wobei er am Oberschenkel durch eine Kugel verwundet wurde. 1805 zum General-Major befördert, trat er 1810 in den Ruhestand, lebte zu Wien und starb daselbst in seinem 77. Lebensjahre. General-Major Joseph P. ist mit den beiden Maria Theresien-Rittern seines Namens, welche in Folge dessen die Freiherrnwürde erlangten, gar nicht verwandt.

Hirtenfeld (J.), Der Militär-Maria Theresien-Orden und seine Mitglieder (Wien 1857, Staatsdruckerei, kl. 4°.) S. 603 u. 1743.