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BLKÖ:Preiß, Balthasar

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Preiß, Franz
Band: 23 (1872), ab Seite: 253. (Quelle)
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Preiß, Balthasar (Botaniker, geb. zu Bruchsal in Baden 29. December 1765, gest. zu Prag 2. Juli 1850). Sein Vater stand in den Diensten des Fürstbischofes von Speier, und ließ den Knaben, da er nicht unbedeutende Fähigkeiten zeigte, einige Classen des Gymnasiums seiner Vaterstadt und hierauf den niederen chirurgischen Lehrcurs bei einem geachteten Wundarzte daselbst besuchen. P. war aber mit den Kenntnissen, die ihm in dieser Schule geboten wurden, nicht zufrieden, und so entschloß er sich, obwohl fremd und mittellos, nach Wien zu gehen, um sich an der dortigen Universität in der praktischen Chirurgie weiter auszubilden. Hier war er so glücklich, bald ein Stipendium und außerdem von Anton Baron von Störk, dem damaligen Präses der Wiener medicinischen Facultät, und von Anderen wesentliche Unterstützungen zu erlangen. Auch wurde P. in Anbetracht seiner ungewöhnlichen Kenntnisse in der Anatomie und theoretischen Chirurgie ausnahmsweise gestattet, Privatunterrichtsstunden in diesen Fächern zu geben, wodurch er sich ein [254] ganz anständiges Auskommen verschaffte. Im Jahre 1789 legte P. die Prüfungen aus der Chirurgie, 1791 die aus der Geburtshilfe ab, worauf er am 25. Mai des folgenden Jahres zum Doctor der Chirurgie promovirt wurde. Noch im Juli desselben Jahres erhielt er den Ruf als Regimentsarzt nach Salzburg, marschirte aber schon im April 1793 mit dem Salzburger Bundescontingente nach Namur in den Niederlanden, wo er alsbald Gelegenheit hatte, seine Kenntnisse in den Feldspitälern praktisch zu verwerthen. 1795 wohnte P. der Erstürmung der sogenannten Mainzer Linie und 1799 der Blockade von Philippsburg bei. 1800 kehrte P. nach Salzburg zurück, wo er bald eine bedeutende ärztliche Praxis ausübte und hier durch den Umgang mit den beiden Botanikern Braune und Hoppe so große Vorliebe zu diesem Zweige der Naturwissenschaften gewann, daß er selbst ein eifriger Botaniker wurde. Besonders richtete er sein Augenmerk auf die Salzburger Alpen- und Giftpflanzen-Flora und deren Wurzelcharakter. 1806 gab er in Salzburg eine Sammlung der Wurzeln der Salzburger Giftpflanzen-Flora in zwei Lieferungen heraus, denen die lateinischen, deutschen und officinellen Benennungen beigefügt waren. Jede Lieferung bestand in 10 Tafeln, und jede Tafel enthielt vier Wurzelcharaktere. Als im Jahre 1806 Salzburg an Oesterreich gelangte[WS 1], kam P. auch in k. k. Militärdienste, und zwar als Arzt in das k. k. Infanterie-Regiment Fröhlich, das zu dieser Zeit in Kuttenberg in Böhmen in Garnison lag. Auch hier beschäftigte sich P. lebhaft mit Botanik und lieferte unter Anderem zu Dr. Johann Emanuel Pohl’s „Tentamen florae Bohemiae“ manchen schätzenswerthen Beitrag. Während der Feldzüge von 1813–1815 leistete er sowohl in den verschiedenen Spitälern, als auch unmittelbar in den meisten größeren Schlachten, namentlich als Qua-Stabsarzt beim 3. Armeecorps unter Feldzeugmeister Gyulay vor Paris, so Ausgezeichnetes, daß er außer mehreren ehrenvollen Belobungsdecreten von dem Könige von Bayern die große goldene Verdienstmedaille erhielt. 1821 machte er in gleicher Eigenschaft den neapolitanischen Feldzug mit und versäumte nicht, die wenigen Mußestunden, welche ihm gegönnt waren, zu botanischen Ausflügen in die Abruzzen und die Gegend von Neapel zu benützen, so daß er eine bedeutende Menge getrockneter Pflanzen aus Italien nach Prag mitbrachte. 1830 wurde P. als definitiver, dirigirender Stabsarzt im Königreiche Slavonien nach Peterwardein gesandt, wo er sich bei der Im Anfange der Dreißiger-Jahre ausgebrochenen Cholera-Epidemie rühmlich hervorthat. 1833 legte er jedoch diese Stelle nieder und zog sich, nach seiner Versetzung in den Ruhestand, nach Prag zurück, wo er, nur der Wissenschaft lebend, im Alter von 85 Jahren starb. Außer der bereits oben erwähnten Giftpflanzen-Flora Salzburgs erschienen noch folgende Werke P.’s, meistens botanische Fachschriften, im Drucke: „Medicinisch-chirurgische Erinnerungen und Anmerkungen“, 1. Bändchen (Salzburg 1802); – „Rhizographie oder Beschreibung der Wurzeln, Knollen und Zwiebeln der Pflanzen“ (Prag 1824); – „Die Kartoffelpflanze, ihre unterirdischen Organe u. s. w.“ (Leipzig 1844, mit einer colorirten Tafel). Außerdem gab er früher noch über diesen Gegenstand mehrere kleinere Aufsätze in verschiedenen Zeitungen heraus. P. wurde bereits im Jahre 1804 von der botanischen Gesellschaft in Regensburg zum Mitgliede ernannt und der [255] Botaniker Corda ehrte die wissenschaftlichen Leistungen P.’s dadurch, daß er ein von demselben aus Italien mitgebrachtes Lebermoos aus der Ordnung der Marchantiaceen mit dem Namen Preissia, belegte.

Lotos. Zeitschrift für Naturwissenschaften. Herausgegeben vom naturhistorischen Vereine „Lotos“ in Prag (Prag, Jeřabek. 8°.) II. Jahrgang (1852), S. 171: „Biographische Skizzen böhmischer Naturforscher Nr. 5: Balthasar Preiß“, von Dr. Wilhelm R. Weitenweber. – Storch (Franz Dr.), Skizzen zu einer naturhistorischen Topographie des Herzogthums Salzburg (Salzburg 1857, Mayr. 8°.) Bd. I, S. 19.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: gelang.