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BLKÖ:Porges Edle von Portheim, Moses und Leopold (Juda)

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Pork, Mathias
Band: 23 (1872), ab Seite: 123. (Quelle)
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Porges Edle von Partheim, Moses und Leopold (Juda), Brüder (Industrielle und Humanisten). Moses (geb. zu Prag 22. December 1781, gest. ebenda 28. Mai 1870); – Leopold (geb. zu Prag 1784, gest. ebenda 10. Jänner 1869). Beide Söhne unbemittelter jüdischer Eltern; Moses hatte Anfangs ein kleines Leinwandgeschäft, bis er im Vereine mit seinem Bruder Leopold zu Beginn unseres Jahrhunderts auf dem Johannisplatze zu Prag eine kleine, bloß aus einem Drucktische bestehende Cattundruckerei errichtete. Allein durch unermüdlichen Fleiß und Eifer brachte er es in einigen Jahren dahin, daß er bald eine Fabrik zu Prag, 1830 aber eine zweite zu Smichov aufstellen konnte, und in ersterer um das Jahr 1840 bereits 200, in letzterer aber 400 bis 500 Arbeiter beschäftigte. Auch war Moses P. der erste, welcher die [124] Dampfkraft in diesem Industriezweige nutzbringend verwendete. Smichov ist jetzt eine der größten Cattundruckfabriken Oesterreichs. 1841 besuchte Se. Majestät Kaiser Ferdinand die Fabrik in Smichow und gab P. seine Allerhöchste Zufriedenheit zu erkennen. Als ihm nun von hochgestellter Seite bekannt gegeben wurde, der Monarch wolle P. seiner Verdienste um die Industrie und seiner Wohlthätigkeit wegen auszeichnen und es stehe ihm die Wahl zwischen dem Adel oder einem Orden offen, erklärte P., es könne auf keinem Falle sein Wunsch sein, so lange er als Jude die bürgerlichen Rechte des letzten seiner Arbeiter entbehren müsse, durch eine Standeserhöhung ausgezeichnet zu werden. Man möge, wenn schon nicht allen Juden die bürgerliche Gleichberechtigung gewährt werden solle, doch wenigstens jenen Israeliten[WS 1], die man auszuzeichnen gedenke, den vollen ungeschmälerten Genuß aller bürgerlichen Rechte zugestehen und eine solche Auszeichnung würde er jeder Standeserhebung vorziehen. Obgleich der damalige Oberstburggraf von Böhmen Graf Chotek für diese Idee sehr eingenommen war, stieß sie doch bei den Wiener Hofstellen auf Widerstand. Die Brüder Moses und Leopold (Juda) P. wurden aber mit Diplom vom 5. Juni 1841 in den österreichischen Adelstand erhoben. Als im Jahre 1866 Se. Majestät der Kaiser Franz Joseph Böhmen bereiste, beehrte auch Er die die Fabrik zu Smichov mit einem Besuche und Moses P. konnte darauf hinweisen, daß er bereits dem dritten Monarchen im Etablissement als Führer zu dienen die Ehre habe. Kurze Zeit darauf wurde ihm das Ritterkreuz des Franz Joseph-Ordens zu Theil. Aber nicht nur als Industrieller und Kaufmann erwarb sich Moses P. einen geachteten und gekannten Namen, sondern auch als Humanist wird er den armen Bewohnern der Stadt Prag, durch seine Stiftung, die Josephstädter Kleinkinderbewahranstalt, deren Director er bis an sein Lebensende war, unvergeßlich bleiben. Es ist dies eine Anstalt, in welcher 120 Kinder, ohne Unterschied der Confession, nicht nur nach der bewährtesten pädagogischen Methode beaufsichtigt und unterrichtet, sondern auch unentgeltlich den größten Theil des Jahres hindurch beköstigt werden. Im Jahre 1853 war P. Mitglied der Zoll-Conferenz in Wien. Für das öffentliche Leben bewahrte er bis in sein höchstes Greisenalter stets das regste Interesse und bekannte sich offen und unerschrocken zur liberalen deutschen Verfassungspartei. Als Moses P. am 16. October 1865 seine goldene Hochzeit feierte, spendeten die Enkel desselben den Betrag von 1800 fl., der von ihm gegründeten Josephstädter Kleinkinderbewahranstalt in Prag, mit der Bestimmung, daß jährlich am 16. October zum Andenken an diese Feier ihrer Großeltern drei Kinder vollständig bekleidet und für 172 Kinder ein Festessen bereitet werde. Fünf Jahre überlebte Moses P. noch dieses Fest, er starb im 89. Lebensjahre. – Sein Bruder Leopold betrieb zuerst einen kleinen Liqueurhandel, ehe er sich, wie oben erwähnt, mit seinem Bruder Moses geschäftlich verband. 1840 gründete er im Vereine mit Moses eine Porzellanfabrik zu Chodau bei Ellbogen, deren Betrieb hauptsächlich er leitete und welche es bereits im Jahre 1855 dahin gebracht hatte, daß sie sich auf der damaligen Pariser Ausstellung, mit Ausnahme der allerersten Häuser, [125] recht wohl mit französischen Leistungen ähnlicher Art messen konnte. Die ausgestellten Gegenstände erregten die Aufmerksamkeit des Kaisers Napoleon III. in einem solchen Grade, daß er die Erzeugnisse der Chodauer Porzellanfabrik mehreremale einer genauen Besichtigung unterzog. Auch war Leopold P. einer der ersten der in seiner Porzellanfabrik die Steinkohlen- statt der Holzfeuerung einführte. Auch Leopold war nicht nur als Industrieller, sondern gleichfalls als Wohlthäter in Böhmen weit und breit bekannt. Er bekleidete seit Jahren die Stelle eines Alterspräsidenten des Prager Stadtverordnetencollegiums, bis an seinen im Alter von 85 Jahren erfolgten Tod. Schließlich sei noch bemerkt, daß die Brüder Porges Edle von Portheim nicht selten allein mit ihrem Prädicate als Edle von Portheim genannt erscheinen.

Adelstands-Diplom ddo. 5. Juni 1841. – Die Neuzeit (Israelitische Wochenschrift für politische, religiöse und Culturinteressen) (Wien, 4°.) 1870, Nr. 22. – Prager Zeitung 1870, Nr. 121. – Wiener Mittheilungen. Zeitschrift für Geschichte, Kunst und Wissenschaft, Herausgegeben von Dr. M. Letteris (Wien, 4°.) XVI. Jahrg. (1869), Nr. 2: „Dem Andenken des Herrn Leopold Edlen von Portheim in Prag“, von Dr. M. Letteris.Wiener Zeitung 1859, Nr. 8. – Presse (Wiener polit. Blatt), vom 2, August 1855, im Artikel: „Die österreichische Industrie auf der Pariser Welt-Ausstellung“, und ebenda 1865, Nr. 289. – Wappen. Ein von blauer und Goldfarbe in die Quere getheilter Schild. In der oberen blauen Hälfte erscheinen zwei quer nebeneinander gestellte goldene Sterne, In der unteren goldenen Hälfte sind zwei – aus natürlichen an dem rechten und linken Seitenrande sich verbreitenden – Wolken hervorgestreckte bloße Arme mit ineinander geschlagenen Händen zu sehen. Auf dem Schilde ruht ein gekrönter Turnierhelm. Aus der Krone ragt (im Wappen des Moses) zwischen zwei offenen, mit den Sachsen gegeneinander gekehrten, von Gold und blauer Farbe abwechselnd in der Quere getheilten Adlerflügeln ein natürlicher Hirschkopf nebst dem Halse, mit einem zehnendigen Geweihe und einer vorgestreckten rothen Zunge hervor. Die Helmdecken sind zu beiden Seiten blau mit Gold unterlegt. Von diesem Wappen des Moses P. unterscheidet sich jenes seines Bruders Leopold (Juda) nur dadurch, daß statt des Hirschkopfes zwischen den Sachsen eine natürliche rothe Rose mit einer Knospe zur Rechten und zwei Blättern zur linken Seite aus der Krone emporwächst.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: Israleliten.