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BLKÖ:Polzer, Leopold Gottlieb Innocenz

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 23 (1872), ab Seite: 93. (Quelle)
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Polzer, Leopold Gottlieb Innocenz (Geschichtsforscher, geb. zu Teschen 15. October 1697, gest. ebenda 5. Jänner 1753). Der Sohn eines k. k. Salzcocturenverwalters, war schon im Alter von 6 Jahren verwaist. Er besuchte von 1706 an das Gymnasium und studirte nachher zu Prag Poetik und Rhetorik. In Folge der 1713 herrschenden Pest unterbrach er seine Studien und kehrte nach Teschen zurück, begab sich aber bald in das Seminarium nach Olmütz, wo er seine Studien fortsetzte, bis ihn auch von hier 1715 die Pest vertrieb. Die Zeit, während er zu Teschen sich aufhielt, benützte er, um in den zwei unteren Gymnasialclassen daselbst Grammatik zu lehren. Am 21. Februar 1716 kehrte er wieder nach Olmütz zurück und wurde im selben Jahre noch Baccalaureus der Philosophie. Im nächsten Jahre erlangte er die Doctorwürde und begab sich nach Wien, um die Rechte zu studiren, während welcher Zeit er als Hofmeister thätig war. Nach einer heftigen Krankheit 1719 wieder nach Teschen zurückgekehrt erlitt er, aus unbekannten Gründen, einen mörderischen Anfall durch einen Beamten des Landrechts, in welchem er schwer verwundet wurde. Nach seiner Genesung wurde er am 11. Februar 1721 Gerichtsnotar, bald nachher Stadtsyndicus und übernahm 1724 sein väterliches Haus. Er wurde darauf Bürgermeister und behielt das Recht bei dem fürstlichen Amte und dem Landrechte in Rechtsangelegenheiten das Patrocinium zu führen. Später erhielt er auch das Amt eines k. k. Fiscals. Durch seine Gelehrsamkeit, Belesenheit und Beredsamkeit, so wie durch sein einsichtsvolles und biederes Wirken als Bürgermeister gewann er die allgemeine Liebe und Achtung. Als Geschichtsforscher und Urkundensammler war er in verdienstlichster Weise thätig, jedoch ging von seinen Sammlungen und Schriften, welche viele alte und neue Urkunden und historische Merkwürdigkeiten enthielten, sehr vieles im Brande von Teschen 1789 verloren. Die von ihm gesammelten „Privilegia civit. Teschin. M. S. 1722, “ (Folio) und noch einige andere Handschriften von ihm, werden in dem von Scherschnik gegründeten Teschner Museum aufbewahrt.

d’Elvert (Christian), Historische Literaturgeschichte von Mähren und Oesterreichisch-Schlesien (Brünn 1850, Rohrer’s Witwe), S. 155, 185, 501. – Scherschnik (Leopold Joh.), Nachrichten von den Schriftstellern und Künstlern aus em Teschener Fürstenthume (Teschen 1810, Thom. Prochaska, 8°.) S. 130.