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BLKÖ:Pletzger, Adam Freiherr von

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 22 (1870), ab Seite: 435. (Quelle)
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Pletzger, Adam Freiherr von (k. k. Oberst, Ritter des Maria Theresien-Ordens, geb. zu Wien im Jahre 1742, gest. 15. Jänner 1821). P. trat im Jahre 1766 als Gemeiner in das 2. Kürassier-Regiment ein, machte den bayerischen Erbfolgekrieg, den bald darauf ausgebrochenen Türkenkrieg und die ersten Feldzüge gegen die Franzosen mit. Er zeichnete sich in allen diesen Kämpfen durch seine große Tapferkeit aus. Im Jahre 1794, damals Rittmeister, that er sich besonders bei Gumersheim hervor; er commandirte am 14. Juli die Majors-Division seines Regiments und hielt mit derselben den ihn verfolgenden Feind so lange Zeit auf, bis unsere Colonnen ihren Rückzug bis über die Rehbach ungefährdet vollführt hatten. Bei der allgemeinen Vorrückung gegen Worms am 10. November 1795 bildete er mit der ersten Majors-Escadron die Avantgarde des Feldmarschall-Lieutenant Graf Latour’schen Corps. Als er über die Bockenheimer Anhöhen vorrückte, bemerkte er, daß der weit überlegene Feind den Kampf mit unseren Cavallerie-Vorposten schon begonnen hatte; indem nun er mit seiner und Oberst Graf Rosenberg mit der zweiten Escadron der Majors-Division herbeieilten, wurde der Feind sofort zurückgeworfen. Auf seinen Antrag wurden noch fünf Cavalleriegeschütze herbeigezogen, von denen Oberst Graf Rosenberg drei, er selbst aber zwei zur Fortsetzung des Kampfes benützte. Mit diesen beiden Geschützen und mit seiner Escadron rückte nun P. bis an die zwischen Herrnsheim und Hochheim gelegenen Weingärten vor, vertrieb die Feinde aus den letzteren und nahm, von dem Feuer seiner Geschütze trefflich unterstützt, nach mehrmaligen Attaquen den Ort Herrnsheim. Der Feind verlor außer mehreren Officieren und Mannschaft zwei Oberste, welche bald darauf zu Worms ihren Wunden erlagen. Den Feind trieb P. bis nach Hochheim zurück, wo dieser erst in seinem auf einer Anhöhe errichteten Lager Halt machte. Dieses Lager ließ P. gegen die Morgendämmerung zu in Brand stecken, erneuerte dann den Angriff, und als der sich zurückziehende Feind, nachdem er die steinerne Brücke über die Prim überschritten, dieselbe zu zerstören versuchte, hinderte ihn P. an der Ausführung dieses Vorhabens, trieb ihn bis nach Neuhaus vor, erstürmte alle längs der Prim vom Feinde besetzten Posten, darunter sieben Mühlen, und bemächtigte sich aller übrigen wichtigen Puncte, so daß er schon um die siebente Morgenstunde mit seiner Escadron in Worms einrücken konnte. Bei dieser Gelegenheit wurde dem Feinde ein beträchtlicher Vorrath an Proviant-, Munitions- und sonstigen Bagagewägen abgenommen. Die letzte Waffenthat dieses wackeren Helden war sein Angriff auf Frankenthal am 12. November 1795. Dem Feinde war es bereits gelungen, durch das Mannheimer Thor in die Stadt zu dringen und eine darin aufgestellte Division des Grenadier-Bataillons Weidenfeld im Rücken zu fassen, wodurch dieselbe von den vier außerhalb der Stadt aufgestellten Compagnien jenes Bataillons [436] abgeschnitten worden wäre und außerdem Gefahr lief, gefangen zu werden. In diesem bedenklichen Augenblicke eilte P. mit seiner Escadron herbei, drang mitten durch die Feinde in die Stadt, besetzte das Rheinthor, nahm mit Gewalt das Speirerthor, wodurch nun alle in der Stadt befindlichen Feinde gefangen wurden. Die vor dem Speirerthore auf der Brücke befindliche feindliche Cavallerie attaquirte er nun auch und nöthigte sie zum Rückzuge; bis tief in die Nacht behauptete er alle von ihm besetzten Posten, worauf er von Wurmser-Huszaren abgelöst wurde. Der Feind verlor bei dieser Gelegenheit 1500 Mann, darunter einen General-Adjutanten, der die Attaque geführt, mehrere Officiere und 300 Mann Gefangene. Für seine Waffenthaten wurde P. in der 42. Promotion (vom 11. Mai 1796) mit dem Ritterkreuze des Maria Theresien-Ordens ausgezeichnet, worauf er noch im nämlichen Jahre die Freiherrnwürde erhielt. In demselben Jahre rückte P. zum Major und bald darauf zum Oberstlieutenant vor. Seiner Wunden halber mußte er bereits im Jahre 1799 um Versetzung in den Ruhestand bitten, welche ihm auch unter gleichzeitiger Verleihung des Obersten-Charakters gewährt wurde. Noch zwanzig Jahre genoß er die Pension und starb fast achtzigjährig zu Wien. P. war mit Theresia geb. Fejerváry (geb. 1765, gest. 1831) vermält. Den Familienstand siehe in den Quellen.

Freiherrnstands-Diplom ddo. 10. December 1796. – Hirtenfeld (J.), Der Militär-Maria Theresien-Orden und seine Mitglieder (Wien 1857, Staatsdruckerei, kl. 4°.) S. 498 u. 1739. – Wappen. In Roth ein aufgebäumtes, schwarz gezäumtes weißes Pferd. Auf dem Schilde ruht die Freiherrnkrone, auf welcher sich ein in’s Visir gestellter goldgekrönter Turnierhelm erhebt. Aus der Krone des Helms steigt das vorbeschriebene rechtsgewendete Pferd empor. Die Helmdecken sind zu beiden Seiten roth, mit Silber belegt.
Heutiger Familienstand der Freiherren von Pletzger. Oberst Adam Freiherr von Pletzger [nach dem genealogischen Almanach der freiherrlichen Häuser 1864, S. 585, erst im Jahre 1754 geboren und zu Brünn 1821 (oder, wie Hirtenfeld schreibt, zu Wien 1822) gestorben] hatte aus seiner Ehe mit Theresia von Fejerváry einen Sohn Leopold (geb. zu Keszthely in Ungarn 21. Jänner 1787, gest. 24. October 1853), k. k. Major, welcher (seit 17. September 1811) mit Xaviere geb. von Czeit (geb. 1. April 1787) vermält war. Aus dieser Ehe entsprangen vier Kinder, zwei Söhne und zwei Töchter. Von den Söhnen starb der jüngere, Valentin (geb. 17. Februar 1829) im Alter von erst 25 Jahren (26. September 1844). Von den Töchtern starb auch die ältere, Angelica (geb. 22. Februar 1815) unvermält (18. September 1845); die jüngere, Leopoldine (geb. 21. November 1821), vermälte sich im Jahre 1847 mit dem ungarischen Gutsbesitzer Ladislaus Tahy von Tavar und Tarkoe. Des Freiherrn Leopold ältester Sohn Eduard (geb. 15. August 1817), k. k. Oberst in der Armee, ist nun der gegenwärtige Chef des Hauses. Aus seiner Ehe mit Aspisia geb. Hirsch (geb. 27. April 1830) stammen folgende Kinder: Aloisia (geb. 7. Mai, gest. 20. November 1850), Elvira (geb. 11. September 1851), Emma (geb. 22. März 1853), Karolina (geb. 20. Februar 1855) und Eduard (geb. 7. März 1859).