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BLKÖ:Pietrusiński, Ludwig

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Piesch, David
Band: 22 (1870), ab Seite: 274. (Quelle)
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Pietrusiński, Ludwig (Rechtsgelehrter und Publicist, geb. zu Lemberg 21. März 1803, gest. zu Warschau 8. Mai 1865). Die Schulen besuchte er in Krakau, später in Lemberg, wo er das Lyceum und die philosophischen Studien beendete. Dann begab er sich nach Wien, wo er an der Hochschule die Rechtswissenschaften hörte und im Jahre 1828 die Doctorwürde erlangte. Die Rechtspraxis nahm er in Lemberg, das er aber im Jahre 1831 verließ, worauf er sich nach Warschau begab, dort einige Zeit ein Journal („Dziennik powszechny“) redigirte, dann aber bei der dortigen königlichen Procuratur in Dienste trat und folgeweise Assessor, Vertheidiger und Rath wurde. Zugleich war er Präses des Kirchencollegiums der dortigen evangelisch-reformirten Gemeinde, Mitglied der Commission zur Tilgung der Stadtschuld, des Waisenrathes und durch 29 Jahre eines der eifrigsten und werkthätigsten des Wohlthätigkeits-Vereins. Zu Ende 1861 wurde er noch zum Mitgliede [275] des die Warschauer Departemental-Angelegenheiten ordnenden Senates erwählt. P. war ein Philantrop im besten Sinne des Wortes, ein tüchtiger Rechtsgelehrter, ein pflichttreuer Beamter, ein Freund der Literatur und Förderer geistiger Bestrebungen nach verschiedenen Seiten hin. An der kleineren polnischen Encyklopädie arbeitete er fleißig seit ihrem Beginne mit und aus seiner Feder flossen viele der in derselben enthaltenen Artikel. Von ihm auch ging zunächst die Idee aus, zu einer entsprechenden Würdigung des so verdienstvollen Jugendschriftstellers Stanislaus Jachowicz [Bd. X, S. 13]. P. schrieb viel und meist Abhandlungen für verschiedene Zeitschriften, selbstständig gab er heraus: „Podróże, przejażdžki i przechadzki po Europie“, d. i. Reisen, Fahrten und Spaziergänge durch Europa, 2 Bände (Warschau 1843, 8°.); – „Wspomnienia z Wenecyi, kolei żelaznei Lipsko-Wiedeńskiej, Wiednia, Karpat, Frankfurtu nad Menem i t. d.“, d. i. Erinnerungen aus Venedig, von der Leipzig-Wiener Eisenbahn, aus Wien, den Karpathen. Frankfurt a. M. u. s. w., 2 Theile (ebd. 1845, 8°.). P. zeigt sich darin als scharfer Beobachter, der anmuthig darzustellen versteht, und während er sich selbst belehrte, auch andere in angenehmer Form unterrichtet.

Encyklopedyja powszechna, d. i. Allgemeine Encyklopädie (Warschau, S. Orgelbrand, gr. 8°.) Bd. XX, S. 686.