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BLKÖ:Perego, Pietro

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Perego, Antonio
Band: 21 (1870), ab Seite: 469. (Quelle)
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Perego, Pietro (Publicist, geb. zu Mailand im Jahre 1831, gest. ebenda muthmaßlich in Folge einer Vergiftung 14. October 1863). P. gehört einer alten italienischen Adelsfamilie [s. S. 471 in den Quellen] an. Ein ungemein fähiger Kopf, redigirte er, kaum 18 Jahre alt, im Jahre 1848 das mazzinistische – und nicht, wie es im „Salzburger Kirchenblatte“ 1863, S. 366, steht: „das medicinische“ – Blatt „l’Operajo“; später von der Gewalt der Ereignisse mitgerissen, trat er unter Garibaldi’s Freischaaren, und als diese nach und nach theils vernichtet, theils verstreut wurden, floh er mit ihm nach der Schweiz. Dort – der Krieg war zu Ende und eine Erneuerung nicht so bald zu erwarten – wendete er sich ernstlichen Studien zu, machte aber auch die harte Schule der Noth und schwerer Entbehrungen durch. Bei Ausbruch des Krimkrieges trat er in französische Dienste, begab sich nach Beendigung desselben für einige Zeit nach England und kehrte in Folge der im Jänner 1837 von Sr. Majestät dem Kaiser erlassenen Amnestie mit gänzlich geänderten Gesinnungen in die Heimat zurück, wo er zunächst Mitarbeiter [470] an der von Mazzoldi [Bd. XVII, S. 212] in Brescia und später in Venedig herausgegebenen „Sferza“ war, dann aber selbst an die Spitze eines Blattes für Literatur und Kunst: „La fenice“, trat. In kurzer Zeit begab er sich nach Wien, um daselbst Verhaltungsmaßregeln über ein neues, von ihm zu redigirendes regierungsfreundliches Journal einzuholen, worauf er dann nach Verona zurückkehrte und dort das halbamtliche „Giornale di Verona“ begründete, welches er bis an seinen Tod redigirte. In diesem Blatte trat er mehrere Monate vor seinem plötzlichen Tode entschieden gegen die kirchliche Partei auf, was die Excommunication des Blattes durch den Bischof von Verona. Monsignor Canossa, zur Folge hatte. Dieser kirchliche Verwerfungsact reizte P. nur noch mehr, und er schrieb nun eine Reihe der heftigsten Artikel gegen den bischöflichen Hirtenbrief. Vorher schon hatte er auch polemisirende Artikel gegen die Bischöfe von Chioggia und Roveredo, welche die Lecture des „Messaggere di Rovereto“, der „Rivista friulana“ und des „Giornale di Verona“ den Gläubigen ihrer Kirchensprengel untersagten, in seinem Journale veröffentlicht. Diese kirchenfeindliche Haltung der genannten Blätter hatte nun das gesammte Episcopat des lombardisch-venetianischen Königreichs zu einem Collectiv-Verbot derselben veranlaßt, welches in Venedig auch schon am 4. October veröffentlicht wurde. In Verona sollte die Veröffentlichung dieses Verbotes am nächstfolgenden Sonntage, am 11. October, stattfinden. Perego aber, der davon schon vorher Kunde erhalten hatte, schrieb noch zwei Artikel dagegen, von denen der erstere, betitelt: „La Situazione“, am 12. October, einen Tag nach der Veröffentlichung des bischöflichen Verbotes von den Kanzeln aller Pfarrkirchen in Verona, im „Giornale di Verona“ erschien. Mit dem Schlusse des zweiten eben beschäftigt, wurde P. plötzlich von dem Anfalle des Leidens betroffen, das zwei Tage später unter gräßlichen Schmerzen seinen Tod herbeiführte. Perego selbst sprach während seines Leidens offen die Ansicht aus, daß er vergiftet sei. Unter den Qualen des Todes sollte er einen Widerruf unterzeichnen, der ihm Wort für Wort in die Feder dictirt worden war. Als ihm derselbe am 14. October vorgelesen worden und er die Feder ergriff, ihn zu unterfertigen, überwältigten ihn so die Schmerzen, daß ihm die Feder aus der Hand fiel. Er hatte die Besinnung verloren und nicht wieder gewonnen, um 4 Uhr Nachmittags war er eine Leiche. Das „Salzburger Kirchenblatt“ 1863, S. 373, theilt den Wortlaut des Widerrufes mit. Als Ursache seines Todes wurde von der Leichenschau eine durch unmäßigen Genuß geistiger Getränke entstandene Erweichung des kleinen Gehirnes angegeben. Bald jedoch bezeichnete die öffentliche Meinung eine meuchlerische Vergiftung als eigentliche Todesursache. Auf das hin wurde die Leiche exhumirt und sah die Staatsanwaltschaft sich veranlaßt, eine gerichtliche Section vornehmen zu lassen, und da der Sectionsbefund den Verdacht einer stattgefundenen Vergiftung nicht ausschloß, so wurden Magen, Gedärme und Leber verpackt und gesiegelt den Gerichtschemikern des k. k. Tribunals zur weiteren analytischen Untersuchung überwiesen. Das amtliche Gutachten des mit der Analyse betrauten Professors der Chemie an der Universität zu Padua, Dr. Filipuzzi, kam damals nicht in die Oeffentlichkeit. Erst nachdem [471] die Provinz Venedig Bestandtheil des Königreichs Italien geworden, veröffentlichte die italienische Regierung Filipuzzi’s Gutachten. Dieses lautete aber dahin, daß Perego in Folge eines ihm verabreichten Giftes, genannt Danterina, gestorben sei. Spuren dieses Giftes hatten sich in den Eingeweiden, auf der befleckten Bettdecke und im blutigen Auswurfe, mit dem der Boden des Krankenzimmers bedeckt war, gefunden. Die italienische Regierung hat die strengste strafgerichtliche Untersuchung des vermeintlichen Verbrechens angeordnet. Perego’s gräßlicher Tod und gerade zur Zeit, als er mit den kirchlichen Gewalten im heftigsten Hader war, hatte nicht nur in Italien, sondern selbst im Kaiserstaate große Sensation erregt. In seinem schriftlichen Nachlasse hatte sich das vollständige Manuscript einer epischen Dichtung, betitelt: „Il conte Piccinardi“, vorgefunden. Perego war Ritter des Franz Joseph-Ordens.

Wiener Zeitung 1863, Nr. 245. – Presse (Wiener polit. Blatt) 1863, Nr. 288; 1865, Nr. 19: „Correspondenz aus Padua“. – Fremden-Blatt. Herausgegeben von Gust. Heine (Wien, 4°.) 1863, Nr. 284, 286, 289, 306; 1867, Nr. 229 [theils in den Correspondenzen, theils in den Tagesberichten]. – Morgenpost (Wiener polit. Blatt) 1867, Nr. 230, im Feuilleton: „Eine Enthüllung“. – Neues Wiener Tagblatt 1867, Nr. 167: „Also doch vergiftet“. – Katholischer Wahrheitsfreund (Gratzer Kirchenblatt, 4°.) 1863, Nr. 44, S. 355: „Der Tod des Herrn Perego“. – Salzburger Kirchenblatt (4°.) 1863, S. 366: „Correspondenz aus Verona“; S. 373: „Ergänzungen zum Tode Perego’s“. –