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BLKÖ:Pauliny von Kowelsdam, Michael Freiherr

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 21 (1870), ab Seite: 369. (Quelle)
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Pauliny von Kowelsdam, Michael Freiherr (k. k. Oberstlieutenant und Ritter des Maria Theresien-Ordens, geb. zu Rosenau in Ungarn im Juli 1770, gest. zu Neulerchenfeld bei Wien 31. Jänner 1836). Als mittelloser Student trat er am 4. Juni 1788 freiwillig als Gemeiner in das erste Huszaren-Regiment. Seine erste Waffenthat vollbrachte er zu St. Hilaire in der Picardie am 18. März 1794, wo er, obgleich selbst aus fünf Wunden blutend, dennoch in den feindlichen Haufen hineinstürzte, um einen Kameraden zu retten. Im folgenden Jahre, am 14. October, bei Planich im Mainzischen, befreite er wieder einen Kameraden, dessen Pferd im Kampfe todtgeschossen worden, aus Feindesgewalt. Dieses Mal wurde er mit der silbernen Tapferkeitsmedaille ausgezeichnet. Tags darauf bei Kreuzenach stürzte er sich vom hohen Ufer in die Nahe, durchschwamm sie und attakirte mit Erfolg den Feind am jenseitigen Ufer. Im folgenden Jahre erkämpfte er sich durch seine Bravour die Officiersstelle. Es war bei Bamberg, am 1. August 1796, als er, damals Wachtmeister, mit 30 Freiwilligen, die von dem feindlichen General Klein befehligte Cavallerie mit solchem Erfolge angriff, daß er 53 Dragoner nebst ihrem Obersten gefangen nahm. Als ihn nun die feindlichen Reiter im Rücken angriffen, sprang er mit seinen Freiwilligen und den Gefangenen in den Main, durschwamm ihn und brachte Alle zu seinem Corps. Für diese Waffenthat wurde er zum Unterlieutenant ernannt. Nun folgen bis 1809 eine Reihe von Waffenthaten, die hier nur kurz angedeutet sein mögen: am 28. September 1796 bei Nieder-Saulhaim; am 5. April 1799 bei Dütlingen, wo er verwundet wurde; am 16. Juni bei Kürzel; am 22. bei Niederschopfen; am 29. bei Offenburg, wo er mit seinem Commando als Unterlieutenant 28 feindliche Chasseurs und 5 Officiere einbrachte, dann aber abgeschnitten, mit 2 Huszaren gegen 9 feindliche Reiter sich so lange heldenmüthig vertheidigte, bis er, aus sieben Wunden blutend, vor Schwäche den Säbel fallen ließ und nun zum Gefangenen gemacht wurde; im Jahre 1809 am 3. Mai bei Sielce und Voicickov; am 13. bei Ulanow; am 16, 17. und 19. bei dem Sturme auf Sandomir, wo er verwundet wurde; am 10. Juni bei Milec; am 11. bei Tuschow; am 13. bei Gorzyce, worauf er in Anerkennung seiner Waffenthaten auf Befehl des Erzherzogs Ferdinand außer seinem Range zum Rittmeister und Escadronscommandanten vorrückte. Schon im Jahre 1810 hatte ihn das Maria Theresien-Ordenscapitel Sr. Majestät zur Auszeichnung anempfohlen. Nun zeichnete er sich wieder im Feldzuge des Jahres 1812 aus, und zwar am 18. Juli bei Lubiecz, wo er einen feindlichen Posten von 17 Mann nebst ihrem Officier gefangen nahm, die zur Befreiung der Gefangenen nacheilende Abtheilung zersprengte und ihren Commandanten zusammenhieb; am 1. August bei Ruzana, wo er, auf Recognoscirung [370] geschickt, um Mitternacht eine 900 Mann starke feindliche Abtheilung überfiel, in die Flucht trieb, sich sodann der Stadt bemächtigte und in derselben ein bedeutendes Magazin erbeutete; am 8. bei Czechenowitz; am 29. bei Kowel, wieder bei einer Recognoscirung; bei dieser, da alle Brücken, neun an der Zahl, zerstört waren, setzte er über die reißende Turza, griff eine Abtheilung Kosaken und Baschkiren an, die er zersprengte und von allen Puncten, wo sie Posto fassen wollten, wieder vertrieb, so daß er das Land im Umkreise von 7 Meilen vom Feinde säuberte, worauf nun die zerstörten Brücken hergestellt wurden und schon am folgenden Tage (30. August) der Uebergang der Avantgarde des General-Majors Frehlich stattfinden konnte; am 19. und 20. September beim Defilée von Gindova und bei Luck, wo es zwischen mehreren russischen Reiter-Regimentern und unsererseits zwei Schwadronen O’Reilly-Chevauxlegers, commandirt von General-Major Zechmeister, zum hartnäckigsten Gefechte kam, welches zu unserm Nachtheile zu endigen Gefahr lief, als Pauliny mit sechs Zügen Kaiser-Huszaren heransprengte und auf den Gegner eine so entschiedene Attaque machte, daß dieser zuerst zurückgeworfen und als er sich wieder ermannte, so lange aufgehalten wurde, bis unsere Artillerie mit ihrem Geschütze ihm alle Lust zur Fortsetzung des Kampfes verleidete; am 29. September bei Luboml, wo er die hitzigen Angriffe einer weit überlegenen Cavallerie entschieden zurückwies, vier Züge der Oberstlieutenant-Schwadron und einen Zug Blankenstein-Huszaren, die vom Feinde schon umzingelt waren, wieder heraushieb und das Terrain behauptete; am 23. October bei Kelpenetz und Zuzel; am 12. November bei Kurelyczin, wo er die Vorhut des Generals Tschernitscheff überrumpelte; am 15. bei Kamionka und in der darauffolgenden Nacht bei Novogrodek; am 16. bei Czaja und Bessyn. wo er den russischen General Tschaplitz zum völligen Rückzuge zwang, dadurch mehrere Spitäler rettete, 42 Mann, die schon in Gefangenschaft gerathen waren, befreite und ein beträchtliches Magazin nebst 150 Ochsen und 100 Schafen erbeutete; endlich am 15. December, indem er mit seiner Abtheilung, von dem überlegenen Feinde auf das Nachdrücklichste verfolgt, sich durch die vom Feinde stark besetzte Stadt Dzenzoi und dann bei Jarow in Lithauen, obgleich schwer verwundet, mit dem Säbel in der Hand, ohne einen Mann zu verlieren, den Weg bahnte. Für diese mit ebensoviel Bravour als Umsicht ausgeführten Waffenthaten wurde P. in der 68. Promotion (vom Jahre 1813) mit dem Ritterkreuze des Maria Theresien-Ordens ausgezeichnet. Im Jahre 1815 vor Straßburg beschloß P. seine ausgezeichneten Waffenthaten. Straßburg wurde blockirt; am 9. Juli, vor Tagesanbruch, machten die Franzosen einen Ausfall; bei Hausbergen schwankte lange der Kampf unentschieden; eine Cavallerie-Batterie der Unseren hatte bereits 13 Pferde verloren und war nahe daran, dem Feinde in die Hände zu fallen; da führte Pauliny den Rittmeister Mocsáry mit seiner Schwadron auf die bedrohte Stelle, ließ die Schwadron vor der Batterie Posto fassen, so daß diese nun ihren Rückzug bewerkstelligen konnte und hielt, wie auch der Feind alle Anstrengungen machte, ihn aus seiner Stellung zu verdrängen, Stand, bis die Batterie in Sicherheit gebracht war. Nach beendeten Kriegen diente P. noch einige Jahre in der Armee, im December 1834 [371] erhielt er als Oberstlieutenant das Commando des Filial-Invalidenhauses zu Lerchenfeld, wo zwei Jahre später dieser wackere Kriegsheld, der in einer 36jährigen Dienstzeit in vierzehn Feldzügen laut seinem Tapferkeitszeugniß in vierundneunzig – und nicht, wie es bei Hirtenfeld heißt, in zweihundert – verschiedenen Scharmützeln, Belagerungen und Schlachten mitgekämpft, im Alter von 66 Jahren starb. Im Mai 1815 wurde er den Statuten des Ordens gemäß in den Freiherrnstand mit dem Prädicate von Kowelsdam[WS 1], zur Erinnerung an seine ruhmgekrönte Recognoscirung bei Kowel, in den Freiherrnstand erhoben.

Freiherrnstands-Diplom ddo. 20. Mai 1815. – Verzeichniß seiner Waffenthaten ddo. Grodek 20. Februar 1815, bestätigt von seinem Oberstlieutenant, Major und drei Rittmeistern. – Hirtenfeld (J.), Der Militär-Maria Theresien-Orden und seine Mitglieder (Wien 1857, Staatsdruckerei, kl. 4°.) S. 1081 u. 1748. – Wappen. In Roth ein rechtsschräger Fluß, welcher auf der linken Seite von zwei silbernen achteckigen Sternen begleitet ist; auf der rechten Seite ist auf grünem Grunde ein gegen den Fluß galoppirender geharnischter Reiter auf einem mit rother Pferdedecke belegten Pferde, und mit zum Einhauen erhobenem Säbel in der Rechten zu sehen. Auf dem Schilde ruht die Freiherrnkrone, auf welcher sich ein in’s Visir gestellter gekrönter Turnierhelm erhebt, auf dessen Krone ein auf den Elbogen gestützter blank geharnischter Arm mit einem Säbel in der Hand aufgesetzt ist. Die Helmdecken sind zu beiden Seiten roth mit Silber belegt.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: Kowelsberg.