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BLKÖ:Pasqualati, Joseph Freiherr

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Pasquali, Calixt
Band: 21 (1870), ab Seite: 319. (Quelle)
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Pasqualati, Joseph Freiherr (Arzt, geb. zu Triest 19. März 1733, gest. 15. August 1799). Nach beendeten medicinischen Studien erlangte er die Doctorwürde und leistete ärztliche Dienste im Wiener Armenhause, wo er manche Reformen in der Gebarung und eine zweckmäßigere Verwendung des Stiftungsfondes durchgeführt hatte. Diese Reformen waren so wesentlich, daß er innerhalb kaum eines Decenniums ein Ersparnis von über 42.000 fl. erzielte, wofür ihm von Seite der Regierung ein anerkennendes Zeugniß gegeben wurde. Dann kam er in die Officiers-Abtheilung des sogenannten spanischen Spitals und leistete auch da treffliche Dienste. In Würdigung seiner um die leidende Menschheit erworbenen Verdienste wurde er schon im Jahre 1777 geadelt. Später schickte ihn die Regierung nach Venedig, wo er die Urkunden über Begründung und Entwickelung des dortigen Findelhauses aufgesucht, gesammelt und zum Drucke befördert hat. Nach seiner Rückkehr nach Wien hatte P. den Plan für das daselbst zu errichtende allgemeine Krankenhaus in einer dem damaligen Stande der ärztlichen Wissenschaft entsprechenden Weise ausgearbeitet. Diesen im Bereiche seines ärztlichen Wirkungskreises erworbenen Verdiensten gesellten sich noch andere, welche in freiwillig geleisteten, nicht unansehnlichen Kriegsbeisteuern u. dgl. m. bestanden. P. war auch der Erbauer der in der Vorstadt Rossau gelegenen, nach ihm benannten Pasqualati’schen Häuser, deren Gärten sich in der Folge durch ihre vollendete Obstzucht [siehe auf der folgenden Seite die Quellen] einen ausgezeichneten Ruf erworben haben. P. wurde für seine neuen Verdienste im Jahre 1784 in den erbländischen Ritterstand mit dem Prädicate von Osterberg und ein Jahr vor seinem Tode in den Freiherrnstand erhoben. P. war zweimal vermält, zuerst mit Cäcilie geb. Schlegelhofer (gest. 1775); zum anderen Male mit Josepha geb. Haggenmüller von Grünberg (gest. 8. Mai 1803). Aus dieser Ehe entsprangen außer drei Töchtern, Josepha, Maria Anna und Johanna (alle schon todt) zwei Söhne, Johann Baptist (I.) und Joseph Andreas. Johann Baptist (geb. 2. März 1777, gest.) war dreimal vermält: 1) mit Eleonore geb. von Roller (gest. 4. October 1805); 2) mit Eleonore geb. Fritsch (gest. 5. August 1811) und 3) mit Franziska von Thoren (gest.]. – Aus der ersten Ehe stammt Joseph (geb. 15. März 1802), dieser war vormals Professor der analytischen Chemie am k. k. polytechnischen Institute zu Wien, ist aber bereits vor mehreren Jahren in Ruhestand versetzt worden. Er ist Ehrenmitglied der Gesellschaft der Aerzte in Wien, ein ausgezeichneter Musicus und war seiner Zeit Präsident der Akademie der Tonkunst. – Ein zweiter Sohn Johann Baptist’s (I.) aus dessen zweiter Ehe ist der nach seinem Vater benannte Johann Baptist (II.) (geb. im J. 1810), dessen Gemalin Amalie, eine geborne von Vogel, in der Geschichte des Wiener Dilettanten-Theaters einen Namen erworben hat. Sie hat seit dem Jahre 1845 ein Dilettanten-Theater, in [320] der heutigen Loudon-, jetzt Herrengasse, im ehemaligen Schönborn’schen Palais in der Alservorstadt, mit kurzen Unterbrechungen bis zum Jahre 1862 geleitet und dabei ihrerseits mannigfaltige Opfer gebracht, andererseits aber manchem Talente Gelegenheit geboten, sich für die dramatische Laufbahn auszubilden; so gingen aus dieser Schule der junge Fichtner, die späterhin in Petersburg verstorbene Yella, Frau Kierschner, jetzt Mitglied des königlichen Theaters in Berlin, Jauner, jetzt beliebtes Mitglied der Dresdener Hofbühne, neben manchen Anderen hervor. Als im Jahre 1862 das Schönborn’sche Palais anläßlich der in Wien stattfindenden baulichen Umgestaltungen demolirt wurde, löste sich dieses Dilettanten-Theater auf. Später führte die Baronin ein paar Jahre die Direction in dem neuerbauten Harmonie-Theater, jetzt Orpheum, legte aber dieselbe, nachdem sie auch da vergebliche Opfer gebracht, nieder. – Johann Baptist’s (II.) Bruder Joseph Andreas (geb. 7. Juni 1784, gest. 29. März 1864) hat sich als Pomolog einen Namen gemacht [siehe die Quellen]. Joseph Andreas hat aus seiner Ehe mit Rosalia gebornen Sölenwanger (geb. 1787, gest. 26. Mai 1863) zwei Söhne, die noch leben, hinterlassen, Moriz (geb. 7. Jänner 1810), k. k. Landesgerichts-Assessor außer Dienst, und Joseph (geb. 12. Juni 1813 oder 1815, denn beide Jahre sind in verschiedenen Jahrgängen des „Genealogischen Almanachs der freiherrlichen Häuser“ angegeben), k. k. Major in der Armee.

Adelstands-Diplom für Joseph Benedict Pasqualati vom 10. März 1777. – Ritterstands-Diplom für denselben vom 9. Februar 1784. – Freiherrnstands-Diplom für denselben vom 12. Februar 1798. – Gothaisches genealogisches Taschenbuch der freiherrlichen Häuser (Gotha, Justus Perthes, 32°.) Jahrg. 1853, S. 318. – Die Pasqualati’sche Pflanzen-Cultur-Anstalt. Dieselbe bestand seit den Dreißiger-Jahren und wohl auch schon früher in den freiherrlich Pasqualati’schen Häusern, vormals Nr. 125, 126 und 169 in der Wiener Vorstadt Rossau. Sie war ausgezeichnet durch die reiche Auswahl der schönsten Blumen und Früchte, welche durch das ganze Jahr bei ihr zu beziehen waren. Eine ausführlichere Beschreibung dieser einst berühmten Anstalt, deren Besitzer es sich ernstlich angelegen sein ließ und kein Opfer scheute, sie nach allen Seiten hin zu erweitern und mit den verschiedenartigsten Specialitäten aus fremden Ländern auszustatten, enthält die „Oesterreich National-Encyklopädie“, Bd. IV, S. 159. Besitzer derselben war der schon erwähnte Joseph Andreas Freiherr von Pasqualati, der als Blumist und Pomolog anerkannt war. Mit seinem im Jahre 1864 erfolgten Tode scheint auch dieser Rest des alten Wien eingegangen zu sein. – Wappen. Ein goldener, mit einem doppelten schwarzen goldgekrönten Adler belegter Schild. Auf dem Schilde ruht die Freiherrnkrone, auf welchem drei goldgekrönte Turnierhelme sich erheben. Auf der Krone des mittleren in’s Visir gestellten Helms steht der Adler des Wappenschildes; aus jeder Krone der beiden nach innen gestellten Helme wallen drei Straußenfedern, und zwar je eine schwarze zwischen goldenen. Die Helmdecken sind durchwegs schwarz mit Gold belegt. Unter dem Schilde schlingt sich ein weißes Band, auf welchem in schwarzer Schrift die Devise: Sustine et abstine, zu lesen ist. Schildhalter sind zwei gold- und schwarz quergetheilte zurücksehende Greife.