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BLKÖ:Paladius, auch Palladius, Anton

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Band: 21 (1870), ab Seite: 194. (Quelle)
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Paladius, auch Palladius, Anton (Flöten-Virtuos, geb. zu Brandeis an der Elbe 16. März 1798, gest. 13. November 1813). Ein Wunderkind, das zu Anbeginn des laufenden Jahrhunderts durch seine musikalische Begabung Staunen und Bewunderung erregte. Anton war das jüngste Kind eines Kaufmanns in Brandeis. Einst hörte er – er war erst etliche Jahre alt – einen Bekannten auf der Flöte spielen und seit dieser Zeit ließ es ihm keine Ruhe, bis er eine Flöte hatte, und nun begann er, ohne Meister, dieselbe zu blasen. In kurzer Zeit vervollkommnete er sich selbst so in der Behandlung dieses eben nicht zu dankbaren Instruments, daß er ein Concert von Pleyel öffentlich vortrug und großen Beifall erntete. Nun brachte ihn sein Vater nach Prag, und unter der Anleitung des berühmten Lehrers Anton Bayer legte er die letzte Feile an sein Spiel. Im J. 1808, damals zehn Jahre alt, unternahm er mit seinem Oheim die erste Kunstreise, für welche er mit Empfehlungsbriefen von den Fürsten Colloredo-Mannsfeld, Lobkowitz, Khevenhüller u. A. versehen war. Auf seiner Kunstreise besuchte er Italien, wo sein Flötenspiel überall Bewunderung erregte, auf einer zweiten Kunstreise ließ er sich an mehreren Höfen Deutschlands, in Schleitz, Gera, Weimar, Altenburg, Dresden u. a. O. hören und wurde überall als ein zweiter Dulon gepriesen. In seinen Concerten blies P. wohl auch seine eigenen Variationen über berühmte oder beliebte Themata, aber im Stiche ist von denselben nichts erschienen. Jedoch nicht lange sollte es diesem musikalischen Genie gegönnt sein, zu wirken; mit Anbeginn des Jahres 1813 begann er zu kränkeln und im November d. J. erlag er, erst 15 Jahre alt, seinem Leiden. J. Heindl, und nicht, wie er im „Dalibor“ genannt ist, Weindl, hat sein Leben beschrieben und herausgegeben.

Heindl (Joseph), Kurzgefaßte Lebensgeschichte des verewigten Virtuosen auf der Flöte Anton Palladius ... (Prag 1814, 8°.) [daselbst auch sein von Rybička gestochenes Bildniß.] – Dalibor. Časopis pro hudlbu, [195] divadlo a umění vůbec, d. i. Dalibor. Zeitschrift für Musik. Theater u. s. w. Redigirt von Emanuel Melis (Prag, 4°.) VI. Jahrg. (1863), Nr. 10 u. 11. – Dlabacz (Gottfried Johann), Allgemeines historisches Künstler-Lexikon für Böhmen und zum Theile auch für Mähren und Schlesien (Prag 1815, 4°.) Bd. II, Sp. 424.