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BLKÖ:O’Brien, Graf auf Thomond, Johann Freiherr

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Biographisches Lexikon des Kaiserthums Oesterreich
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Obrocki, Johann
Band: 20 (1869), ab Seite: 471. (Quelle)
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O’Brien, Graf auf Thomond, Johann Freiherr (k. k. General-Major und Ritter des Maria Theresien-Ordens, geb. zu Karansebes an der banatisch-serbischen Militärgrenze im Jahre 1775[WS 1], gest. zu Pesth 27. Februar 1830). Gleich seinem Vater erwählte er die militärische Laufbahn und erhielt zu diesem Zwecke seine Ausbildung in der Wiener-Neustädter Akademie. Im September 1794 wurde er als Fähnrich in das 33. Infanterie-Regiment eingetheilt, machte die Feldzüge der Jahre 1799 bis 1815, seit 1805 im Generalstabe mit, in welchem er im October g. J. zum Major befördert, dann im Juni 1808 zu Kerpen-Infanterie Nr. 49 übersetzt wurde. Im Feldzuge des Jahres 1809, damals Commandant des 1. Bataillons, gab er bei Landshut, am 21. April, Beweise großer Tapferkeit. Bei Ebelsberg, am 3. Mai, vereitelte er die Absicht von 300 feindlichen Plänklern, ihn von der Haupttruppe abzuschneiden, durch einen raschen Bajonnetangriff, mit welchem er den Gegner zurückwarf. Die schönste Waffenthat vollführte aber O. bei Jedlersee. Napoleon hatte die Jedlerseer Aue, eine für seine tactischen Zwecke sehr glücklich gelegene Insel, welche von unseren Truppen bereits, jedoch nur schwach besetzt war, in der Nacht vom 12. auf den 13. Mai durch 600 Grenadiere des Oudinot’schen Corps, von denen unsere Piquete von der Insel vertrieben worden waren, besetzen lassen. Als Feldmarschall-Lieutenant Hiller die Vertreibung der Unseren von der Insel erfuhr, gab er sofort Befehl, daß das Regiment Kerpen die Insel zu nehmen habe. O’Brien an der Spitze des ersten Bataillons eröffnete am 13. Mai Morgens den Kampf. Dieser war den Terrainverhältnissen zufolge mit geschlossenen größeren Abtheilungen nicht möglich. Mann gegen Mann mußte jeder Schritt erkämpft werden. Den ganzen Tag hatten die Truppen, indeß der Feind überdieß mit Kugeln und Kartätschen unsere Abtheilungen beschossen hatte, auf das tapferste gekämpft, aber noch war die Insel nicht in unserem Besitze. Doch mußte dieß vor Nacht noch geschehen, weil sonst der Feind am folgenden Tage, durch den Besitz der Insel gedeckt, den für uns so gefährlichen Uebergang bewirken konnte. O’Brien eröffnete nun bei [472] hereinbrechender Dunkelheit von Neuem den Kampf, und zwar mit einem Bajonnetangriffe und unter dem furchtbarsten Feuer des feindlichen Geschützes. Aber O’Brien leitete mit ungemein großem Geschicke und einer Verwegenheit ohne Gleichen das blutige Gefecht, hatte den Feind bis an den Rand des Dammes getrieben, wo er sich in Haufen vor seinen Schiffen aufstellte, aber von O’Brien’s vorrückenden Kämpfern so bedrängt wurde, daß er endlich zur Niederlegung der Waffen aufgefordert, diesem Ansinnen auch sofort entsprach. Auch war der Feind durch den Sturm unserer Truppen in eine solche Position gebracht worden, daß sein eigenes Geschütz auf die im Handgemenge begriffenen, also auf Freund und Feind schoß. Endlich waren alle feindlichen Abtheilungen niedergeworfen und entwaffnet und die Insel vollständig im Besitze der Unseren. Auf dem Kampfplatze lagen 530 Franzosen, außerdem waren ein Bataillonschef, 14 Officiere und 370 Mann in unsere Gefangenschaft gerathen. Nach erhaltener Meldung von diesem Gefechte beförderte der Generalissimus den Major O’Brien zum Oberstlieutenant und vertraute ihm, um jede Landung des Feindes zu vereiteln, den Befehl über diese Insel, die nun mit zwei Infanterie-Bataillons und einer Division Jäger, die man alle 24 Stunden ablöste, besetzt, mit acht Batterien Geschütze armirt und außerdem durch Anlegung einer Verschanzung verstärkt wurde. Im Capitel des Jahres 1810 wurde O. mit dem Ritterkreuze des Maria Theresien-Ordens ausgezeichnet. In der Schlacht bei Wagram, am 6. Juli, hatte O. sein Bataillon mit Todesverachtung geführt. Im heißen Kampfe wurde sein Pferd getödtet und begrub ihn bei dem Sturze unter seinem Leibe. Man hatte ihn schon für todt gehalten, als er sich plötzlich unter dem Pferde losmachte, schnell die Fahne des Bataillons ergriff und dasselbe dem Feinde entgegenführte. Jetzt gab das gegenüberstehende feindliche Bataillon eine volle Lage und O., von einer Kugel in die Brust tödtlich getroffen, sank in die Arme eines Officiers; fast sterbend wurde er nach Bockfließ gebracht. Später nach Wien transportirt, genas er dort nach mehrmonatlicher sorgsamster Pflege von seiner tödtlichen Wunde und konnte noch als Oberst und Commandant seines Regiments an den Befreiungskämpfen theilnehmen. Vor Leipzig erhielt er, als er am 18. October Holzhausen mit dem Bajonnete stürmte, eine neue Wunde, auch zeichnete er sich im folgenden Jahre, 1814, in der Schlacht am Mincio (14. Februar) aus und im Jahre 1815 commandirte er als Oberst eine Brigade im Bubna’schen Corps. Im November 1820 wurde O. zum General-Major befördert und im Mai 1826 in den Ruhestand übersetzt. Die Erinnerung an den 13. Mai, an welchem Tage er das Theresienkreuz erhalten hatte, weihete er durch eine Stiftung, für welche er eine Metallique-Obligation von 1000 fl. zu Gunsten des Infanterie-Regiments Nr. 49 mit der Bestimmung widmete, daß die jährlich entfallenden Interessen von 50 fl. am 13. Mai an die am längsten mit Auszeichnung dienenden drei Unteroffiziere vertheilt werden sollten. Nur wenige Jahre mehr genoß O. seinen Ruhestand. Schon im Jahre 1830 im Alter von erst 55 Jahren starb er als General-Major zu Pesth.

Vaterländische Blätter für den österreichischen Kaiserstaat (Wien, A. Strauß, 4°.) Jahrg. 1810, S. 96. – Leitner von Leitnertreu (Theodor Ign.), Ausführliche Geschichte der Wiener-Neustädter Militär-Akademie [473] (Hermannstadt 1852, Th. Steinhausser, 8°.) Bd. I, S. 461. – Hirtenfeld (J.), Der Militär-Maria Theresien-Orden und seine Mitglieder (Wien 1857, Staatsdruckerei, 4°.) S. 960 u. 1746. – Militär-Schematismus für 1863, S. 755, Nr. 53.

Anmerkungen (Wikisource)

  1. Vorlage: 1745.